Wer kann Igel aufnehmen?: Starker Andrang – 50 Igel stranden im Tierheim Ludwigsburg

Im Tierheim Ludwigsburg kümmern sich die Pflegerinnen um die entkräfteten Igel.
Werner Kuhnle„Wir haben 50 Igel?“ Überrascht von der hohen Zahl ist Ursula Gericke, die das Tierheim in Ludwigsburg leitet. Erst wenige Tage zuvor hatte sie im Heim von nur etwa 20 bis 30 abgegebenen Igeln erfahren – nun hakt sie aufgrund der Anfrage unserer Zeitung intern selbst noch mal nach. Kälte und Nässe hatten den stacheligen Säugern in den vergangenen Tagen zugesetzt. Immer mehr von ihnen werden völlig entkräftet aufgelesen und abgegeben.
Das Tierheim in Hoheneck fungiert als Auffangstation für Igel. Abgemagert und unterkühlt werden sie in einem extra Raum erst einmal aufgewärmt. „Wir verzeichnen einen regen Andrang – besonders die Jungtiere sind betroffen“, sagt Ursula Gericke. Oft wiegen sie nur 200 bis 300 Gramm und erreichen damit nicht die 500 Gramm, die ein Tier aufbringen müsse, um durch den Winter zu kommen.

Wenn Igel schmal und nicht kugelig aussehen, stimmt etwas nicht mit ihnen.
Foto: Werner KuhnleBesonders das Fehlen von ausreichend Insekten und von Gärten mit Rückzugsmöglichkeiten schwächten die Igel, erklärt die Chefin des Tierheims. „Sie finden jetzt nicht viel Futter.“ Einige kommen aber auch mit einem Wurmbefall ins Tierheim. Zudem gefährden Mähroboter mit ihren scharfen Sensen die Tiere und fügen ihnen schwere Verletzungen zu. Eine weitere Gefahrenquelle: „Manche Idioten verbrennen jetzt ihre Reisighaufen – und damit auch die Igel.“
Die Igel können nicht im Tierheim bleiben
Im Tierheim finden die abgegebenen Tiere eine erste Zuflucht und eine fachgerechte Erstpflege. Bleiben können sie aber nicht. „Die Tiere brauchen für ihren Winterschlaf einen geeigneten Garten, in dem sie in Ruhe überwintern und auch genügend Auslauf haben“, erklärt Ursula Gericke. Deshalb gebe man die Igel nach einiger Zeit an Privatpersonen ab.
Für alle Fälle hat das Ludwigsburger Tierheim eine Liste mit einer kleinen Helferschar aus etwa 25 Personen, um Igel nach der Erstversorgung an sie weiterzugeben. Natürlich wären mehr Helfer gut, um die hohe Zahl an jetzt gestrandeten Igeln zu bewältigen, sagt Gericke. „Wir müssen den Tieren aber erst Zeit geben, damit sie ihre Würmer loswerden.“
Aus der Wurmkur könne man die Igel erst in etwa zwei Wochen herausgeben. Damit hätten Personen, die sich jetzt bereit erklärten, als Igelhelfer zu fungieren, noch Zeit, sich mit geeigneten Materialien für die Pflege der Igel auszustatten. Interessenten mit Garten sollten sich auf jeden Fall beim Tierheim melden, am besten unter der Telefonnummer 07141/250 410.
So kann man einem Igel helfen – die fünf wichtigsten Fragen und Antworten
1. Wie erkenne ich einen Igel-Notfall? Wenn Igel offene, blutende Wunden habe oder wenn sie lahmen, torkeln und schreien, sich krümmen oder krampfen, brauchen sie sofort notärztliche Hilfe, rät der Naturschutzbund Metzingen. Auch wenn Igel sich im Kreis drehen, auf der Seite liegen und die Beine weit von sich strecken, nach Luft japsen und ihre Atmung schwer geht, seien das Alarmzeichen. Fliegen und ihre Maden in Körperöffnungen und Wunden können junge Tiere binnen weniger Stunden umbringen.
2. Wann nehme ich einen Igel auf? Wenn junge Igel tagsüber ohne ihre Familie herumirren oder sich wegen Unterkühlung am Bauch kalt anfühlen, sollte man ihnen helfen. Aber auch dann, wenn sie lang und schmal aussehen – und nicht kugelig.
3. Wie leiste ich am besten Soforthilfe? Igel sollten laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zunächst einmal in die Wärme, also in das Haus gebracht werden. Geeignet ist eine Box oder ein Behälter, der mindestens 40 Zentimeter hoch ist. Auf den Boden der Box legt man am besten Zeitungspapier oder Handtücher, die jeden Morgen gewechselt werden sollten. Dann sollte der Igel mit Papierhandtüchern oder Tüchern zugedeckt werden – ein Schälchen Wasser dazu gestellt, und fertig.
4. Was darf ich dem Igel auf keinen Fall geben? Igel kann man selbst aufpäppeln, dafür gibt der Nabu Ernährungstipps: Der Igel ist ein Fleischfresser, also kein Vogelfutter, Brot, Gemüse oder Obst geben. Zudem sollte der Igel niemals billiges Katzen-Nassfutter mit Soße oder Gelee bekommen. Da steckt laut Nabu wenig Fleisch und viel Unverträgliches für Igel drin. Zudem ist Milch strengstens verboten, denn davon bekommt ein Jungigel Durchfall: „Je kleiner ein Igel ist, desto schneller kann das zum Tod führen.“ Auch nicht gut: Reste oder gewürzte Speisen.
5. Welche Nahrung ist für den Igel geeignet? Gut seien rohe Hähnchenherzen, tiefgefroren aus dem Supermarkt – leicht aufgetaut und in Scheiben geschnitten. Ebenfalls verträglich sind laut Nabu Rührei ohne Öl oder ein gekochtes Ei. Hackfleisch vom Rind, aber keine Leber. Zudem sind getrocknete Insekten und Igeltrockenfutter geeignet. Als Getränke empfiehlt der Nabu Wasser und ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee.