16. Fellbacher Triennale
: Auszeichnung für den Atomkoffer aus dem 3D-Drucker

Bei der Fellbacher Triennale wurde der Ludwig Gies-Preis für Kleinplastik verliehen. Einer der Preisträger kommt aus Stuttgart und hat schon mit Fanta Vier gearbeitet.
Von
Dirk Herrmann
Rems Murr Kreis
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  • Ausgezeichnet: OA Krimmels „Extinction to go / The Football“.

    Peter Hartung (Stad Fellbach)
  • Künstler OA Krimmel erläutert dem Publikum die Hintergründe seines „Atomkoffers“

    Peter Hartung
  • Guter Zuspruch: Dir 16. Triennale Kleinplastik in der Alten Kelter in Fellbach

    Stadt Fellbach
  • Interessierter Nachwuchs beim Pumpen fürs Kunstwerk „Lebensraum/Living Space“ von Sven Windszus.

    Peter D. Hartung
  • Frauen ohne Oberkörper; eine Arbeit, inspiriert von den drei Hexen in Shakespeares „Macbeth“: Rebecca Ackroyds „Act IV, Scene I“

    Peter Hartung (Stad Fellbach)
  • Mary-Audrey Ramirez’ Figuren namens „Spikey“ (vorne) und „Peaking“ (links hinten)

    Peter Hartung (Stad Fellbach)
  • Wie duftet Korruption? Christian Jankowskis Installation „Smell Maneuver“

    Dirk Herrmann
  • Blick in die Ausstellung in der Alten Kelter mit dem prämierten Kunstwerk „“Extinction to go / The Football“ von OA Krimmel

    Dirk Herrmann
  • Schwangere DDR-Arbeiterin an der Wand: „Daffodils for feast day“ der afrodeutschen Künstlerin Sara Ama Duah

    Gottfried Stoppel
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Kaum hat die unter dem Motto „Habitate. Über_Lebensräume“ stehende 16. Fellbacher Triennale Kleinplastik Fahrt aufgenommen, da gibt es bereits die erste Preisverleihung zu verkünden: Beim Festakt hat Oberbürgermeisterin Gabriele Zull den Ludwig-Gies-Preis für Kleinplastik der Letter Stiftung Köln verliehen. Er geht an Mariechen Danz und OA Krimmel.

Besonders in den Fokus gerückt wird damit eine Skulptur, die ohnehin sofort ins Auge sticht. Es geht, verkürzt gesagt, um den Atomkoffer des US-Präsidenten.

Anlehnung an den „Nuclear Football“

In der Alten Kelter im Bereich „toxische Habitate“ steht natürlich nicht das Original, das derzeit stets in Nähe von Donald Trump zu sein hat. Vielmehr hat der Künstler OA Krimmel per 3D-Drucktechnologie eine Nachbildung fabriziert – in Anlehnung an den „Nuclear Football“, wie der Atomkoffer im amerikanischen Volksmund bezeichnet wird. Krimmels Werk, dessen Vorderseite einen Totenkopf zeigt, heißt „Extinction to go / The Football“. Krimmel sagt selbst dazu: „Nach wie vor liegt das Schicksal der Menschheit – und womöglich des gesamten Planeten – in den Händen weniger unberechenbarer Machthaber.“

OB Gabriele Zull (li.) mit den Preisträgern Mariechen Danz und OA Krimmel.

Foto: Peter D. Hartung

In ihrer Würdigung skizzierte die OB den Preisträger OA so: „Er ist ein vielseitiger Konzeptkünstler, Gestalter und Autor mit starkem Bezug zu gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Themen. Die Arbeiten des 1967 in Stuttgart geborenen Künstlers verbinden Humor, kritische Reflexion und innovative Mediennutzung.“ Bekannt ist Krimmel auch für die Gestaltung mehrerer Alben der Stuttgarter Hip-Hop-Formation die Fantastischen Vier.

Ebenfalls mit dem Ludwig-Gies-Preis bedacht wurde Mariechen Danz. Sie wurde 1980 in Dublin geboren und war bereits 2019 zur 14. Fellbacher Triennale eingeladen. Zull: „Sie zählt zu den international anerkannten Künstlerinnen ihrer Generation, die mit ihren raumgreifenden, körperbezogenen Arbeiten aktuelle Fragen zu Wissen, Identität und Gesellschaft aufwerfen und innovative Wege der künstlerischen Forschung beschreiten.“

Von Besuchern begutachtet: Mariechen Danz’ Werk „Ore Organisation: Tellurium“

Foto: Peter Hartung

Danz’ Werk ist im Bereich „kultivierte Habitate“ zu finden und trägt den Titel „Ore Organisation: Tellurium“. Zu sehen ist ein Himmelsglobus, der sich jedoch anstelle von Sternen und Sternbildern aus Organen zusammensetzt. Triennale-Kuratorin Claudia Emmert beschreibt die Skulptur so: „Indem Danz den Himmelskörper aus fossilisierten, in Metall gegossenen Spuren menschlicher Organe formt, verweist sie auf die Subjektivität und Selbstbezogenheit der Menschen.“

Gies wurde von den Nazis angefeindet

Der Ludwig-Gies-Preis der Letter Stiftung wird bei der Fellbacher Triennale seit 1995 verliehen. Für Zull „eine wunderbare Tradition, mit der Künstlerinnen und Künstler der kleinen Skulptur gefördert werden“. 1887 in München geboren, zählte Gies zu den wichtigsten Künstlern und Medailleurs des 20. Jahrhunderts. In den 1920er Jahren wurde er bereits von den Nazis angefeindet. „Seine Werke wurden 1937 in der NS-Propagandaausstellung Entartete Kunst gezeigt“, erklärte Zull.

Unter Gies’ Werken hervorzuheben ist insbesondere der Bundesadler im Bonner Plenarsaal und seine heutige, überarbeitete Version im Berliner Bundestag.

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