Beschluss im Fellbacher Gemeinderat
: Nur noch eine halbe Stelle für Gleichstellung – warum das kein gutes Zeichen ist

Die Stadt degradiert die Position für Gleichstellung auf eine Teilzeitstelle. Das kann nicht reichen, kommentiert Isabell Erb.
Kommentar von
Isabell Erb
Rems Murr Kreis
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Gleichstellung zwischen Frauen und Männern bleibt ein Thema – auch im Fellbacher Gemeinderat (Symbolbild).

IMAGO/Zoonar

Eine halbe Stelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern – das reicht, befindet der Fellbacher Gemeinderat. Die Position der Gleichstellungsbeauftragten wird ab dem nächsten Quartal von einer Vollzeit- zu einer Halbtagsstelle degradiert. Der Haushalt gebe aktuell nicht mehr her, so das Argument, außerdem habe man in der Stadtverwaltung kein Gleichstellungsproblem mehr.

In Zeiten, in denen die Themen Diversität und Gleichberechtigung teils starken Gegenwind erfahren, ist das alles andere als ein gutes Zeichen. Der US-Präsident Donald Trump etwa hat bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit ein Dekret erlassen, nach dem die US-Regierung noch Aufträge an Unternehmen vergeben soll, die auf Gleichstellungsmaßnahmen verzichten. Auch deutsche Firmen sind betroffen.

Gemeinderäte bestehen zu zwei Dritteln aus Männern

Natürlich ist die Frage nach der Bezahlbarkeit der Stelle angesichts der knappen Haushaltskasse der Stadt nachvollziehbar. Aber das Argument, mit der man die Entscheidung stützt, greift zu kurz: Man habe in der Stadt kein Gleichstellungsproblem mehr, es gebe ja bereits viele engagierte Frauen in der Verwaltung und in den Gremien. Zum einen ist es nur zum Teil korrekt, der Fellbacher Gemeinderat besteht wie die meisten der Entscheidungsorgane in württembergischen Kommunen zu zwei Dritteln aus Männern. Und zum anderen geht es beim Thema Gleichstellung nicht nur darum, ein ungefähres Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern herzustellen.

Vielmehr geht es darum, Vorbilder für junge Frauen schaffen, damit Oberbürgermeisterinnen wie Gabriele Zull nicht die Minderheit bleiben – in ganz Baden-Württemberg sind nur 10 Prozent aller OBs Frauen. Es geht darum, alte Rollenbilder aufzubrechen, damit Frauen nicht weiterhin 70 Prozent der unbezahlten Care-Arbeit leisten müssen – und in Abhängigkeiten rutschen. Es geht darum, Frauen vor häuslicher und finanzieller Gewalt zu schützen.

Gleichstellung ist noch nicht abgeschlossen

Das sind nicht nur drei Beispiele, die zeigen, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen noch lange nicht abgeschlossen ist. Es sind auch drei der vielen Themen, für die sich die bisherige Gleichstellungsbeauftragte Anneliese Roth in ihrer Vollzeitstelle eingesetzt hat: Roth organisierte etwa Veranstaltungsreihen und Lesungen und initiierte Projekte wie das Fellbacher Hilfenetz bei häuslicher Gewalt. Dass Letzteres weiterhin bestehen soll, löste auch im Gemeinderat Erleichterung aus.

Fraglich ist nur, ob alle diese Aufgaben auch weiterhin Beachtung finden können, wenn die entsprechende Stelle nur noch auf die Hälfte reduziert ist. Zumal man sich künftig nicht nur um die Gleichstellung von Männern und Frauen, sondern noch um andere marginalisierte Gruppen kümmern will – Stichwort „Diversity-Manager“. Diese Entscheidung passt in die aktuelle Zeit. Nur wird der oder die Verantwortliche auch hier Zeit und Ressourcen investieren müssen – die Frage ist nur: wann?

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