Brand in Waiblingen-Bittenfeld: Waiblinger Familie verliert ihr Zuhause bei Feuer – Welle der Hilfsbereitschaft
„Zuerst hat es sich angehört, als würde es regnen“, erinnert sich Axel Nägele. Doch das Geräusch, das ihn und seine Frau in der Nacht auf Samstag weckte, war etwas anderes. Ihr Haus in Waiblingen-Bittenfeld (Rems-Murr-Kreis) brannte – das Ehepaar, die siebenjährige Tochter und die 67 Jahre alte Schwiegermutter konnten sich gerade noch retten. Jetzt wissen Nägele und seine Frau Naemi nicht, wie es weitergehen soll.
„Im Prinzip habe ich gerade nicht mehr als die Klamotten, die ich am Leib trage“, sagt der 43-Jährige. Selbst Kleidung musste er sich erst organisieren, denn in jener Nacht rettete er sich nackt ins Freie. Die Szenen, die sich abspielten, wirken noch immer unwirklich. „Unsere Tochter ist instinktiv in den Garten gerannt, direkt auf das Feuer zu. Ich bin ihr hinterher und habe sie zurückgezerrt“, sagt Naemi Nägele-Schönfeldt. Ihr Mann versuchte noch, mit zwei Feuerlöschern gegen die Flammen anzukämpfen. „Aber da war nichts mehr zu machen“, sagt er.
Das Feuer war gegen 4.15 Uhr in einem hölzernen Anbau des Wohnhauses in der Alemannenstraße ausgebrochen. „Das war ein Abstellraum, in dem unter anderem Gartengeräte gelagert waren“, sagt Axel Nägele. Schon bald griffen die Flammen auf das Gebäude über, in dem die vierköpfige Familie schlief. Die Polizei hatte nach dem Brand zunächst zwei Leichtverletzte gemeldet – die Familie betont jedoch, wohlauf zu sein. Zumindest körperlich.
Brand in Bittenfeld – ausgerechnet am Geburtstag des Vaters
Die Feuerwehr rückte mit fast 100 Einsatzkräften an und konnte den Brand schließlich unter Kontrolle bringen. Der Schaden ist mit schätzungsweise 500.000 Euro dennoch immens. Die Behörden stuften das Gebäude als unbewohnbar ein. Innerhalb weniger Minuten verlor die Familie vieles, was sie sich über Jahre aufgebaut hatte: persönliche Erinnerungen, Kleidung, Möbel – und nicht zuletzt das Gefühl von Geborgenheit.
Viele Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis haben der Familie bereits Hilfe angeboten, etwa in Form von Sachspenden. Darüber freuen sich die Nägeles sehr. „Aber das Problem ist: Wir haben keinen Ort, an dem wir die Sachen lagern könnten“, sagt Axel Nägele. Er geht derzeit davon aus, dass ein Großteil des Hausrats verloren ist. „Am besten sollte man drüber planieren“, sagt er resigniert. Gleichzeitig erlebt die Familie viel Unterstützung. „Unsere Tochter ist gerade auf einer Art Schulausflug, damit sie ein bisschen auf andere Gedanken kommt“, sagt Naemi Nägele-Schönfeldt.
Besonders bitter: Das Feuer brach ausgerechnet am Geburtstag ihres vor vier Jahren verstorbenen Vaters aus. Auch für dessen Witwe, die in einem separaten Teil des Hauses lebte, dürfte das Erlebnis traumatisch gewesen sein. Sie hatte rund 40 Jahre in dem Gebäude gewohnt, entsprechend viele Erinnerungen hingen an dem Haus. Auch ihr Wohnbereich wurde von dem Brand betroffen. Wie schwer die Schäden dort sind, ist noch unklar.
Spendenkampagne auf Gofundme soll der Waiblinger Familie helfen

Lisa Wilking organisiert die Spendenkampagne für ihre Verwandten.
Foto: privatEine Verwandte der Familie, die 32 Jahre alte Lisa Wilking, hat auf der Onlineplattform GoFundMe inzwischen eine Spendenkampagne gestartet. „Das ging wirklich einfach – und ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen helfen würden“, sagt sie. Bis Donnerstagmittag kamen bereits mehr als 20.000 Euro zusammen. Teilweise spenden die Menschen große Beträge wie 500 Euro, manche kleinere Summen – egal: „Jede Spende hilft“, sagt Wilking.
Die Familie ist vorerst bei Freunden untergekommen. Wie es für sie nun weitergeht, ist jedoch offen. Die Suche nach neuem Wohnraum gestaltet sich angesichts der angespannten Lage schwierig. „Die Tochter muss womöglich die Schule wechseln, wenn sie im Ort nichts finden“, sagt Lisa Wilking. Zunächst muss auch noch geklärt werden, wie schwer die Schäden durch Feuer, Rauch und Löschwasser tatsächlich sind. Weil die Ursache des Brandes bislang unklar ist, laufen auch Untersuchungen der Polizei. „Wir ermitteln derzeit noch in alle Richtungen“, teilt dazu ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen mit.





