Faszinierende Camera obscura
: Begehbare Kamera in Waiblingen: eintauchen in eine andere Dimension

Hier steht die Welt Kopf und seitenverkehrt: Alexander Riffler hat in Waiblingen eine begehbare Kamera installiert, die magische Bilder erzeugt.
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis
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Die Außenwelt nach innen geholt: Alexander Riffler hat die Galerie Schäfer in eine begehbare Kamera verwandelt.

Frank Eppler

Die Welt steht Kopf – in der Galerie Schäfer in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) dieser Tage im wahrsten Sinne des Wortes. Dort hat der Fotokünstler und Kunstschuldozent Alexander Riffler eine Camera obscura installiert. Oder genauer gesagt: Er hat die gesamte Galerie in eine begehbare Kamera verwandelt.

Die raumhohen Fenster der kleinen Kunstgalerie in der Langen Straße 9 hat der Waiblinger zu diesem Zweck komplett mit schwarzen Planen aus Teichfolie abgedeckt und diese an den Fensterrahmen mit Klebeband so befestigt, dass kein einziger Lichtstrahl ins Innere fallen kann. Auch die gläserne Tür der Galerie ist von oben bis unten mit schwarzer Folie zugeklebt – bis auf ein einziges kleines Loch, durch das Licht in den sonst völlig dunklen Raum fallen kann.

Die Lichtstrahlen, die durch die winzige Öffnung an der Tür ins Innere gelangen, projizieren ein seitenverkehrtes, auf dem Kopf stehendes Bild der Langen Straße und der gegenüber stehenden Häuser in die Räume der Galerie. „So entsteht ein Abbild der Außenwelt“, erklärt Alexander Riffler das faszinierende Schauspiel: „der ganze Raum – der Boden, die Decke und die Wände – werden bespielt.“ Was dabei entstehe sei aber mehr als ein Bild, betont Riffler: „Das hat eine ganz eigene Magie, man taucht in eine andere Dimension ein.“

Camera obscura: Eintauchen in eine andere Dimension

Sitzen und staunen: die Camera obscura zaubert die Außenwelt in ihr Inneres. (Archivbild)

Foto: Gottfried Stoppel

Das Prinzip der „dunklen Kammer“, der Camera obscura, ist uralt und war schon in der Antike bekannt. Aristoteles soll beispielsweise eine Sonnenfinsternis damit beobachtet haben. Der Maler Caravaggio nutzte sie als Hilfsmittel bei Porträts, und auch Wolfgang von Goethe, sagt Alexander Riffler, habe stets ein Exemplar im Taschenformat bei sich getragen.

Damit die Besucher sich beim Betreten des fast stockdunklen Raums besser zurechtfinden, setzt der Fotograf erst ein etwas größeres Loch in einem Stück Pappe in den Türrahmen. „Es ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn man aus dem hellen Sonnenlicht in den dunklen Raum kommt“, begründet Alexander Riffler den Zwischenschritt. Bereits mit dem größeren Loch sind die Bilder der Außenwelt auf den Wänden erkennbar, allerdings etwas unscharf. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase wechselt Riffler dann zu einem kleineren Objektiv.

Je kleiner das Loch, desto schärfer das Bild

„Wenn ich ein kleineres Loch verwende, wird das Bild schärfer“, sagt er und nimmt ein Stück Pappe, in dessen Mitte sich ein Loch mit einem geringeren Durchmesser befindet. Er klebt es über die Öffnung in der Tür und tatsächlich wirken die Konturen in der Camera obscura plötzlich deutlicher. Autos fahren scheinbar durch den Raum, Fußgänger laufen über Wände und Decke und die Schilder der gegenüberliegenden Läden sind gut lesbar.

„Das Ganze hat etwas von einem Film, ist aber die Realität“, sagt der Fotokünstler – nur eben auf dem Kopf stehend und spiegelverkehrt. „Die Camera obscura zeigt, wie wir Menschen eigentlich sehen“, sagt Alexander Riffler. Denn auch das menschliche Auge nimmt Licht aus der Umgebung auf, bündelt dieses auf der Hornhaut und leitet das – noch auf dem Kopf stehende – Bild an das Gehirn weiter, das die Informationen verarbeitet und das Bild umdreht.

Camera obscura

Termine
Die begehbare Kamera ist bis 12. Juli zu sehen. Es gibt Workshops und Führungen, Buchung über die Kunstschule (0 71 51/50 0117 05 von 8.30 bis 12 Uhr; kunstschule@waiblingen.de). Mehr Infos unter www.kunstschule-rems.de

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