Freizeit im Rems-Murr-Kreis
: Das Rodelzentrum Kaisersbach sucht einen Käufer – das ist der Grund

Nach 50 Jahren in Familienhand wird das Rodelzentrum Kaisersbach verkauft. Der Inhaber Uwe Brennenstuhl verrät den emotionalen Grund für den Verkauf.
Von
Phillip Weingand
Rems Murr Kreis
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Derzeit endet die Sommerrodel-Saison – für Uwe Brennenstuhl ist es wohl die letzte.

Phillip Weingand

Ein kühler Herbstwind weht über den Hang. Dunkle Wolken hängen über Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) – nicht gerade das Wetter, das einem für einen Ausflug zur Sommerrodelbahn vorschwebt. „Morgen soll’s aber wieder wärmer werden“, meint Uwe Brennenstuhl. „Dann machen wir nochmal auf.“ Für den 59-Jährigen ist es vielleicht das letzte Mal: Nach rund 30 Jahren unter seiner Leitung, 50 Jahren in Familienbesitz, verkauft er das Rodelzentrum in Kaisersbach.

Im Jahr 1969 hat sein Großvater das Rodelzentrum mit drei Skiliften südöstlich von Kaisersbach eröffnet – seinerzeit war es eine regelrechte Goldgrube. „Damals liefen im Winter die Skikurse im Schichtbetrieb, die Besucher kamen in ganzen Busladungen an und gingen mittags dann in die Wirtschaft im Ort“, erzählt Brennenstuhl. Anno ’78 kam die Sommerrodelbahn dazu, im Jahr 2006 auch zwei Schlittenlifte.

Das beliebte Rodelzentrum Kaisersbach steht zum Verkauf

Uwe Brennenstuhl verkauft sein Rodelzentrum.

Foto: Phillip Weingand

Die vergangenen Jahre tobte das Leben meist nur noch im Sommer, wenn die Besucher der edelstählernen Sommerrodelbahn ins Tal hinab sausen. Mehrere Schullandheime in der Umgebung sorgten für Besucher. Richtig schneereiche Winter sind dagegen inzwischen eine Seltenheit geworden. „Im Winter 2020 auf 2021 lag nochmal gut Schnee – aber da war Corona und wir durften nicht aufmachen.“

Hinzu kommen Veränderungen im Wintersport: „Viele Menschen haben keine eigenen Skier mehr, sondern mieten sich in den Skigebieten welche an“, erklärt Brennenstuhl. Einen Skiverleih mit allem, was dazugehört, könne er allerdings nicht auch noch stemmen.

Doch all das ist nicht der zentrale Grund, warum er das Rodelzentrum verkauft: Seine Frau ist krank. Brennenstuhl, der das Rodelzentrum nebenberuflich gestemmt hat, will Prioritäten setzen. „Ich brauche jetzt mehr Zeit zuhause, für meine Frau.“ Zwar hat er bisher viel Hilfe von seinem Vater und seinen erwachsenen Kindern erhalten, doch diese werde in Zukunft – wegen des Alters seines Vaters beziehungsweise der Studienabschlüsse seiner Knder – weniger verfügbar sein.

Was muss der Betreiber einer Rodelbahn mitbringen?

Natürlich, das Bewirtschaften einer solchen Anlage sei nichts für Jedermann. „Eine gewisse handwerkliche Begabung sollte man schon mitbringen“, sagt Brennenstuhl. Er selbst hat am Rodelzentrum quasi alles selbst gemacht – „ich kenne jeden Nagel persönlich“, sagt er.

Ganz so weit müsse der neue Besitzer natürlich nicht gehen. Aber wegen jedem Handgriff den Handwerker holen, das werde wohl nicht funktionieren. „Zudem sollte man freundlich sein und mit Menschen umgehen können – und ein bisschen betriebswirtschaftliches Denken schadet auch nicht“, sagt der 59-Jährige und lacht.

Man merkt ihm an: In dem Rodelzentrum stecken nicht nur viele Arbeitsstunden, sondern auch viele gute Erinnerungen. „Das Publikum hier ist allermeistens sehr angenehm – die Leute kommen her, genießen den Tag und wollen eine gute Zeit haben.“ Geöffnet hatte das Rodelzentrum meist am Wochenende – unter der Woche kamen dann Kindergeburtstage, Betriebsfeiern und Co. – das klingt nach guter Laune.

Im Kaufpreis für die Rodelbahn ist jede Menge Ausrüstung inklusive

Noch ein Pluspunkt des Jobs: Über mangelnde Bewegung brauche man sich als Herr der Rodelbahn keine Sorgen zu machen: „Nachdem man die Ränder mit der Elektrosense gemäht hat, braucht man keinen Sport mehr.“ Für ihn sei das Rodelzentrum ein toller Ausgleich zum Bürojob als angestellter Software-Entwickler gewesen.

Ein Teil des Geländes gehört ihm selbst und ist im Kaufpreis inbegriffen. Der Rest des Hanges ist von drei verschiedenen Privatleuten gepachtet. „Die Verträge können sicher übernommen werden“, sagt Brennenstuhl. Da sich das Rodelzentrum in einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet befindet, müsste er es auch zurückbauen, falls sich kein Käufer finden sollte. „In dem Fall darf hier auch nichts Neues mehr hingebaut werden“, erklärt er.

Wie viel Geld genau Uwe Brennenstuhl für das Rodelzentrum haben will, mag er nicht verraten – ein „niedriger sechsstelliger Betrag“ sei es. Inklusive seien unter anderem die Sommerrodelbahn, jeweils zwei Schlitten- und Skiliftanlagen nebst Ersatzteilen, eine Pistenraupe, ein Motorschlitten, ein Radlader, ein Bagger und vieles mehr, was man als Herr der Mini-Piste eben so braucht. Brennenstuhl hofft nun, dass sich für seinen außergewöhnlichen Betrieb ein neuer Besitzer findet – am liebsten würde er ihn bereits vor Ostern, also dem Beginn der nächsten Saison, übergeben.

Weitere Infos:
Wer sich für das Gelände und die Rodelbahn interessiert, kann sich per Mail an info@rodelzentrum.de oder telefonisch an die Nummer 07181/71357 wenden.

StZ Rems-Murr-Kreis
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