Galacon 2025 in Waiblingen: 900 Fans von Serie „My Little Pony“ feiern – „Glaube oder Sexualität egal“
Carmen trägt einen bodenlangen Rock in Regenbogenfarben und ein Oberteil in Blau. Auf ihrem Kopf sitzt eine kunterbunte Perücke, darauf zwei hellblaue Plüschohren. In Höhe der Schulterblätter wippen zwei blaue Flügelchen. Fans der US-amerikanischen Comicserie „My Little Pony“ wissen auf den ersten Blick, wer hier vor ihnen steht: Rainbow Dash, eine der Hauptfiguren der Kultserie.
Für Fans der bunten Pony-Schar, die im fiktiven Königreich Equestria lebt, ist dieses Wochenende die Stadt Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) der Treffpunkt schlechthin: Dort veranstaltet der Verein Pony Events Federation im Bürgerzentrum mit der „Galacon 2025“ die wohl größte Tagung dieser Art in Europa. Knapp 900 Besucher reisen dazu an, tauschen sich aus, besuchen Vorträge, treffen Zeichner und Sprecherinnen der Serie oder lernen in Workshops, worauf man beispielsweise beim Nähen von Fursuits, Ganzkörperanzügen aus Kunstfell, achten muss.
Die aufwendig kostümierten Gäste, die am Samstag am Bürgerzentrum eintrudeln, ziehen die Blicke der Passanten auf sich. Manche sind mit bunten Perücken und Pony-Ohren aus Plüsch ausstaffiert, andere tragen ein Horn auf der Stirn oder haben sich Plüschtiere unter den Arm geklemmt. Die Stimmung ist gelöst und fröhlich – man kennt sich und falls nicht, dann lernt man sich eben kennen.
Zwölf Stunden Zugfahrt mit Rainbow Dash und Fluttershy

Diese vier Fans sind aus Frankfurt angereist.
Foto: Frank EpplerCarmen ist mit drei Freundinnen aus dem Raum Frankfurt/Main nach Waiblingen gekommen. Damit gehört sie zu den Fans mit einer relativ kurzen Anreise: In der Tiefgarage des Bürgerzentrums parken Autos aus Italien, Frankreich und Großbritannien. Aus Englands Hauptstadt London kommt der 42-Jährige, der sich den Spitznamen „Galopp Crush“ ausgesucht hat, was auf Deutsch in etwa „Galopp-Schwärmerei“ bedeutet. Er hat eine zwölfstündige Zugfahrt auf sich genommen, um beim großen Treffen dabei zu sein und als Freiwilliger mitzuarbeiten.
Nun steht er am Eingang des Bürgerzentrums und kontrolliert die Tickets der Gäste. Neben sich hat er zwei Stoff-Ponys drapiert: Rainbow Dash und Fluttershy. Jedes hat die Ausmaße eines mittelgroßen Hunds, sodass allein für ihren Transport ein großer Koffer nötig war. Ein Freund habe ihm 2014 einen Link zur Comicserie geschickt, erzählt der Londoner. Der Freund sei aus der Serie inzwischen „herausgewachsen“, er aber ist dabei geblieben und reist zwei bis drei Mal im Jahr zu Treffen wie der Galacon.
Lukas Sanders gehört zum Organisationsteam, in dem Menschen aus ganz Deutschland tätig sind. Er wohnt in Nordrhein-Westfalen und ist vor rund 15 Jahren zur Fangemeinde gestoßen. „Ich konnte erst nicht viel mit den Ponys anfangen, aber nachdem ich die erste Folge angeschaut hatte, war ich voll drin.“ Die Serie, die ursprünglich für Fünf- bis Zwölfjährige gedacht war, hat eine große erwachsene Fangemeinde, die sogenannten „Bronies“. Lukas Sanders sagt, die Geschichten seien so erzählt, dass auch Erwachsene ihren Spaß daran hätten: „Die Autorin Lauren Faust hatte beim Schreiben den Anspruch, dass auch Eltern die Serie gerne anschauen sollen. Und sie vermittelt vernünftige Werte.“
Gäste aus Australien und den USA
Dazu gehörten Toleranz und Respekt: „Glaube oder Sexualität spielen hier keine Rolle. Die Leute dürfen hier sie selbst sein. Manche Besucher werden anderswo ausgegrenzt, aber hier finden sie Gleichgesinnte und einen sicheren Ort.“ Dafür nehmen sie teils weite Wege auf sich: „Wir haben Gäste aus Australien, Südamerika und den USA.“
Viele Jahre fand die Galacon in Ludwigsburg statt. Weil die Mietpreise während der Coronazeit stark angestiegen seien, habe man sich nach einem anderen Veranstaltungsort umgeschaut, erklärt Lukas Sanders den Wechsel nach Waiblingen. Nicht ganz billig sind auch die Tickets: für die Basisversion müssen Gäste 100 Euro berappen, wer alle Angebote nutzen will, zahlt 350 Euro.
Die Stimmen von Rarity, Luna und Grandma Figgy
Zehn Euro sind für Autogramme fällig – zum Beispiel für die, welche Elley-Ray Hennessy und Tabitha St. Germain auf so ziemlich jeden mitgebrachten Gegenstand schreiben. Die Schauspielerinnen aus Kanada haben Figuren wie Grandma Figgy, Luna oder Rarity ihre Stimmen geliehen. „Rarity soll wie Audrey Hepburn klingen“, sagt Tabitha St. Germain, während sie je nachdem, welcher Fan ihr gegenüber steht, in die passende Stimmlage wechselt. Manche bringen auch Geschenke mit, von der Schokoladentafel bis zu selbst gestalteten Kühlschrankmagneten.
An den Ständen im Foyer gibt es alles, was das Pony-Fan-Herz begehrt: Mousepads und Schlüsselanhänger, T-Shirts, Poster, Buttons, Aufkleber, Plüschohren und jede Menge Stofftiere, die bis zu 1200 Euro kosten. Kristin aus Norwegen verkauft Handschuhe, die sie mit einer alten Wikinger-Technik angefertigt hat: Nadelbinden. Nebenbei macht sie fleißig Werbung für die Fan-Tagung, die sie 2026 organisiert – es wird die erste überhaupt in Dänemark sein.













