Gustav-Stresemann-Gymnasium in Schmiden
: Für den neuen Direktor ist Bildung viel mehr als Schulwissen

Daniel Meier, neuer Schulleiter am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Fellbach, will Freiräume nutzen. Der Pädagoge wurde in Papua-Neuguinea geboren und wuchs dort die ersten fünf Jahre seines Lebens auf.
Von
Eva Herschmann
Rems Murr Kreis
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Daniel Meier will als neuer Direktor am Schmidener GSG etwas bewegen.

Eva Herschmann

Daniel Meier, der neue Direktor des Gustav-Stresemann-Gymnasiums (GSG) im Fellbacher Stadtteil Schmiden, ist kein Paragrafenreiter. Den zweiten Absatz aus dem Paragrafen 1 im baden-württembergischen Schulgesetz hält der 44-Jährige, der Religion und Englisch in allen Klassenstufen unterrichtet, aber für des Zitierens wert. Schließlich steht dort etwas drin, was dem Pädagogen mehr am Herzen liegt als der Notendurchschnitt. Nämlich, dass die Schule einen Bildungsauftrag hat, der über die Vermittlung von Schulwissen hinausreicht.

Daniel Meier: Schüler sind viel mehr als nur ihre Noten

Die Schule, so steht in dem von Daniel Meier gern zitierten Absatz, sei „insbesondere gehalten, die Schüler zu christlicher Nächstenliebe, zur Menschlichkeit und Friedensliebe“ zu erziehen. Auch davon, Eigenverantwortung zu fördern, wie auch die Entfaltung von Persönlichkeit und Talenten ist in dem Abschnitt die Rede. Alles das, so Daniel Meier, könne er nur unterstreichen. „Denn unsere Schüler sind unfassbar viel mehr als nur ihre Noten.“ Noten spiegelten auch nicht die Leistung wider. „Einige leisten viel mehr für eine 4 als andere für eine 1“, sagt Daniel Meier.

Die Rückkehr zu G 9 begrüße er als ersten Schritt. „Sie werden kaum einen Lehrer finden, der G8 gut findet.“ Im GSG werde der zweite Absatz von Paragraf 1 mit „GSG 2020“ schon länger beherzigt, sagt Meier, der sein Referendariat im Stuttgarter Mörike-Gymnasium gemacht hat, ein Jahr in Schottland unterrichtete und vom Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium in Leinfelden-Echterdingen nach Schmiden kommt. Das Konzept sehe notenfreie Räume vor, in denen die Kinder und Jugendlichen Wahlmöglichkeiten nach ihren Interessen hätten anstatt Unterricht, erläutert der Direktor. „Dafür geben Fächer sogar Stunden ab.“ Die Angebote seien vielfältig und dienten der freien Entfaltung der Schülerinnen und Schülern, die mit den Kollegen zum Klettern gingen, Filme drehten, Internetseiten bauten oder sich mit modernen Freiheitskämpfern beschäftigten. „Das Programm ist bei uns fest verankert, und wir würden das gern auch weiterdenken“, sagt der dreifache Vater.

Das Konzept „GSG 2020“, sagt Daniel Meier, sei auch ein Grund gewesen, warum er sich – erst in der dritten Ausschreibungsrunde wohlgemerkt – für die Stelle als Schulleiter in Schmiden beworben habe. „Ich wohne in Fellbach, kenne die Schule gut und habe nicht verstanden, dass eine solch tolle Einrichtung keinen Schulleiter findet.“

Jetzt hat sie einen – und noch dazu einen mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Daniel Meier wurde in Papua-Neuguinea geboren und wuchs dort die ersten fünf Jahre seines Lebens auf. Sein Vater war dort als Pfarrer ausbildnerisch tätig, seine Mutter arbeitete als Lehrerin. Die Rückkehr in die Zivilisation, der Umzug nach Kassel, sei ein Einschnitt gewesen. Doch einiges sei von seinen ersten Lebensjahren in Papua-Neuguinea hängengeblieben. „Etwa, dass ich beständig warmes Klima liebe“, sagt er mit einem Grinsen. Vor allem aber, sei es die Offenheit anderen Menschen und allem Fremden gegenüber, die er mitgenommen habe. „Denn das war das Normale.“

Meier möchte als Schulleiter Dinge verändern

Sein Elternhaus hat ihn ohnehin geprägt. Kurz habe er sich auch tatsächlich überlegt, erzählt Meier, Pfarrer zu werden wie sein Vater. „Menschen zu begegnen, die Gemeinschaft zu leben, und die Botschaft zu verbreiten, das hat mir schon gefallen.“ Nicht gefallen hat Daniel Meier jedoch die Starrheit des kirchlichen Protokolls. Weil er Dinge veränder wolle, sei er bereit, Verantwortung zu übernehmen. „Als Schulleiter kann ich prägen. Es gibt zwar Vorgaben, aber auch Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten.“ Und die will der neue Direktor nutzen, um den Bildungsauftrag der Schulen, wie er in Paragraf 1, Absatz 2, niedergeschrieben ist, tatsächlich zu erfüllen.

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