Handarbeit in Schorndorf gefragt
: Nikolausmütze aus Wolle soll den Marktbrunnen zieren

Nach der ausgemusterten, weil zu teuren Kunststoff-Bommelvariante auf Schorndorfs Rathausturm soll nun gestrickt und gehäkelt werden. Freiwillige sollen ran und für einen adäquaten Ersatz sorgen.
Von
Dirk Herrmann
Rems Murr Kreis
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So war es einst, als die Kunststoffmütze im Winter noch den Schorndorfer Rathausturm zierte.

Gottfried Stoppel

Ja ist denn heut’ scho’ Weihnachten? Der schwülheiße Sommer liegt offenkundig definitiv hinter uns, der nasse Herbst lässt die Tropfen in den Kragen rieseln. Und mit der logistischen Vorbereitung adventlicher Höhepunkte kann man nicht früh genug anfangen. Diese Devise jedenfalls gilt gerade in Schorndorf. Gefragt sind dabei insbesondere Menschen mit flinken Fingern. Es geht nämlich ums Stricken und Häkeln.

Mütze als „Gipfel der Geschmacklosigkeit“

Die Ursache für die anstehenden handwerklichen Aktivitäten liegt in einem herben Verlust. Mehr als ein Jahrzehnt lang erfreute die weithin sichtbare, 2008 erstmals über den Schorndorfer Rathausturm gestülpte Nikolausmütze die Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarkts. Zwar gab es zunächst die üblichen Mäkeleien: Das Ganze sei „Geldverschwendung“, eine „Verschandelung des Stadtbilds“, der Überzieher sei der „Gipfel der Geschmacklosigkeit“ – aber passe doch gut zur Schlafmützigkeit der Stadtverwaltung darunter, lästerten Kritiker. Die Befürworter hingegen lobten die „neue Attraktion“, und tatsächlich wurde der übergroße rote Dachwärmer im Laufe der Jahre zu einem Markenzeichen des weihnachtlichen Trubels. Der Farbtupfer in der Altstadt sei nicht nur von der B 29, sondern sogar vom Flieger Richtung Echterdingen aus zu sehen, schwärmte der Schorndorfer Citymarketingverein. Allerdings: Damit die Megamütze nicht kläglich in sich zusammensackte, musste ständig Luft unter die Bommelhaube gepumpt werden. Das war weder gut fürs Klima noch für die Stadtkasse. Und so fiel die Mütze letztlich aufgrund der hohen Installationskosten der schwierigen Lage des Haushalts zum Opfer. Mittlerweile ist die rot-weiße Schorndorfer Pudelmütze Schnee von gestern.

Viele Bürgerinnen und Bürger hätten in den letzten Jahren zur Weihnachtszeit die weithin sichtbare Nikolausmütze „schmerzlich vermisst“, heißt es in einer aktuellen Erläuterung des Presseteams der Stadt. Weihnachten in Schorndorf ohne Nikolausmütze: „Ist dann überhaupt richtig Weihnachten?“

Pudelmütze ist Schnee von gestern

Der Weihnachtsmarkt in Schorndorf 2019 – hier noch mit Pudelmütze auf dem Rathausdach

Foto: Gottfried Stoppel

Um den Malus zu beheben, wartet der Eigenbetrieb Tourismus und Citymanagement nun mit einer neuen, wenn auch nicht ganz so weithin sichtbaren Variante auf: Die Mütze soll vom Rathausdach auf den Marktbrunnen wandern. Aber wie? Die Kreativabteilung des Citymanagements legte sich mächtig ins Zeug – so wurde die Idee für ein gemeinschaftliches Strick- und Häkelprojekt für die ganze Stadtgemeinschaft geboren. „Das heißt, wir brauchen Ihre Mithilfe“, lautet nun der Appell an die fingerfertige Bürgerschaft. „Egal ob gestrickt oder gehäkelt, mit Muster oder ohne – jeder kann entscheiden, wie sein Beitrag aussehen soll.“ Die Vielfalt der verschiedenen Werkstücke werde der Mütze mit Sicherheit zu einem ganz besonderen Charme verhelfen.

Rote Handarbeiten mit bis zu 30 auf 30 Zentimeter Seitenlänge

Es gibt nur zwei Voraussetzungen: Die Farbe muss Rot sein und die passende Größe aufweisen – quadratisch mit entweder 15 oder 30 Zentimeter Seitenlänge. „Wer Wollreste in Rottönen in seinem Fundus hat, kann diese dafür wunderbar verwenden“, heißt es. Überdies liege ein begrenzter Vorrat an roter Wolle an der Stadtinfo im Rathaus zur Abholung bereit.

Her mit den Nadeln, ran an die Maschen

Fertige Teile können an der Stadtinfo oder am Sonntag, 27. Oktober, am Strickcafé des Eigenbetriebs auf dem Stadtmarkt abgegeben werden. Helfer sind beim Zusammenfügen der Teile ebenfalls gern gesehen. Ansprechpartner ist die Stadtinfo unter Telefon 0 71 81/ 602 60 00 oder per E-Mail an stadtinfo@schorndorf.de. „Her mit den Nadeln und ran an die Maschen“, lautet der launige Appell zur herbstlichen Betätigung. Na denn: Fröhliche Weihnacht überall!

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