Hilfe für die Ukraine: Verein sammelt tonnenweise Kerzenwachs: „Wir freuen uns über jede Spende“

Im vergangenen Jahr hat der Deutsch-Ukrainische Verein Rems-Murr 2,5 Tonnen Wachsreste gesammelt und verschickt.
Gottfried StoppelJeder Krümel zählt und hilft: Reste von Teelichtern, die halb abgebrannten Kerzen des Adventskranzes, übrig gebliebene Kerzenstummel vom Weihnachtsbaum. Der in Fellbach ansässige gemeinnützige Deutsch-Ukrainische Verein Rems-Murr sammelt in der Region Stuttgart Reste von Paraffin-, Stearin- und Bienenwachskerzen und schickt diese in die Ukraine.
Dort schmelzen Engagierte in kleinen Werkstätten das Wachs ein und gießen es in Konservenbüchsen. In diesen stecken statt Mais, Tomaten oder Erbsen etwas zusammengerollte Pappe und ein Stück länglicher Karton als Docht. So entstehen aus Resten, die hierzulande oft achtlos in den Müll geworfen werden, Dosenkerzen, die dringend benötigtes Licht und Wärme spenden.
„Auf einer 500-Gramm-Maisdose kann man Suppe kochen“, sagt der Vereinsvorsitzende Alexander Gelman. Solch eine Herd-Alternative ist in der kriegsgebeutelten Ukraine Gold wert. Denn Strom fließt meist nur drei bis vier Stunden pro Tag – und selbst in dieser kurzen Phase wird er immer wieder unterbrochen.
Kälte in Charkiw: Heizungen ausgefallen, Menschen fliehen aufs Land
Während die Temperatur auf der Halbinsel Krim ganz im Süden des Landes aktuell noch bei um die zehn Grad liegt, herrschen im Norden bei Charkiw Minusgrade. „In den Großstädten ist ein Großteil der Heizungen ausgefallen. Viele Menschen sind aufs Land in ihre Datschen oder zu Verwandten gezogen“, sagt Alexander Gelman. Im waldreichen Norden stehe oft Holz zur Verfügung, mit dem man zumindest einen Ofen befeuern könne. „Aber im Süden ist Steppe, da gibt es kein Holz.“
Die Dosenkerzen werden vereinzelt auch im Großraum Stuttgart hergestellt und dann verschickt. „Aber da kommt einiges an Gewicht und Volumen zusammen.“ Da es in der Ukraine jede Menge leere Konservendosen gebe, habe sich der Verein dazu entschlossen, nur die Wachsreste zu verschicken, sodass die Dosenkerzen vor Ort in der Ukraine produziert werden können.
„Wir freuen uns über jede Spende. Man kann alle Wachsreste zusammenwerfen, noch besser wäre es aber, nach Material zu trennen.“ Vor dem Transport sortieren die Helfer die Kerzenreste – parfümiertes Wachs und Paraffin werden vom Bienenwachs getrennt. Letzteres habe gegenüber Paraffin den Vorteil, dass es geruchsfrei abbrennt und auch in einem geschlossenen Raum verwendet werden könne.
Selbstgemachte Dosenkerzen als Wärme- und Lichtquelle

Solche Dosenkerzen sind eine wichtige Wärme- und Lichtquelle für Menschen in der Ukraine.
Foto: Gottfried StoppelSeit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 engagieren sich viele Menschen im Rems-Murr-Kreis für die Ukraine. Sie akquirieren Spenden, organisieren Transporte, knüpfen Tarnnetze für Soldaten an der Front, geben chronisch kranken Menschen für eine gewisse Zeit Obdach und begleiten sie auch danach. Doch an manchen Tagen sind die Freiwilligen einfach sprach- und hilflos angesichts der großen Not. Insbesondere in den Krankenhäusern mangelt es an Bettwäsche, Hygieneartikeln, Verbandsmaterial.
Die großen Transporte in die Ukraine muss der Verein zahlen
Im Frühjahr 2024 hat sich der Deutsch-Ukrainische Verein Rems-Murr gegründet. Bei dessen Kerzen-Sammelaktion im Gründungsjahr sind 2,5 Tonnen Material zusammengekommen und in die Ukraine verschickt worden. Die damit in der Ukraine produzierten Dosenkerzen sind für Zivilisten, aber auch Soldaten wichtig. „Die Soldaten an der Front sind oft komplett abgeschnitten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Mithilfe von Drohnen, die mit einem Greifer ausgestattet sind, lassen sich die Wärmequellen aber bis zu ihnen in den Gräben transportieren. Auch vorgekochte, vakuumierte Eintöpfe werden so an die Front gebracht.
Die Sammelaktion, bei welcher der Verein auch mit etlichen Kirchengemeinden im Rems-Murr-Kreis kooperiert, läuft noch bis zum Frühjahr. Abgegeben werden können die Spenden beispielsweise beim Weltladen in Waiblingen, Marktplatz 1. Außerdem in Winnenden in der katholischen Kirche St. Karl Borromäus. Auch Privatleute stellen Lagerraum zur Verfügung, zu erkennen sind diese Sammelstellen an Plakaten, die dort aufgehängt sind. Auskunft über weitere Abgabestellen gibt es auch beim Deutsch-Ukrainischen Verein Rems-Murr (E-Mail: info@du-rmk.de).