Historische Fotos im Museum: So sah es einst in Welzheim aus
Früher war eben auch nicht alles besser. Im Jahr 1950 wünschten sich die Menschen in Welzheim (Rems-Murr-Kreis) ein Freibad. Wasser gab es genug, „aber schon damals herrschte Ebbe im Stadtsäckel“, sagt Hobbyhistoriker Herbert Soukopp. Aus dem neuen Freibad wurde nichts. Das Problem stellten Bürger beim Umzug anlässlich des 1. Welzheimer Heimattags auf einem Festwagen anschaulich dar: drei Jungs sitzen gedrängt in einem Badezuber, an dessen Rand ein Rettungsring hängt. Darüber ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „Welzheimer Freibad“.
Ein Schwarz-Weiß-Foto der Szene ist mit vielen weiteren Bildern aus der Stadtgeschichte von Sonntag, 29. Juni, an im Museum Welzheim in der Sonderausstellung „Welzheim – damals und heute“ zu sehen. Der Großteil der Fotos und Postkarten stammt aus der Sammlung von Herbert Soukopp, der seit seiner Kindheit in Welzheim lebt. Hinzu kommen Aufnahmen des ortsansässigen Fotohauses Kühnle und Leihgaben aus der Bürgerschaft, zum Beispiel Radierungen und Gemälde.
Beliebte Motive waren und sind der Feuersee, die Sankt Gallus Kirche und der Kirchplatz mit der historischen Bebauung. Die teils mehr als 100 Jahre alten Fotos und Postkarten zeigen, dass sich an manchen Stellen nur wenig verändert hat. Ein Zeitreisender aus dem Jahr 1900, als der Welzheimer Wald als „Kleiner Schwarzwald“ galt und die „Champagner-Luft“ viele Kurgäste – „Luftschnapper“ – anzog, würde sich problemlos zurechtfinden.
Leicht zu erkennen ist das Gebäude der Apotheke am Kirchplatz: Nur die Ladestationen für Elektroautos vor dem Haus zeigen den Wandel. Einen Stromanschluss hat Welzheim 1914 bekommen. Um diese Zeit veränderte sich die Umgebung der Apotheke drastisch, weiß Herbert Soukopp: „Die Posthalterei, die Schule und das Gasthaus Rössle sind abgebrannt.“ Die Gebäudezeile bildete gegenüber der Apotheke eine Engstelle, die dem Apotheker wohl ein Dorn im Auge war. In alten Quellen hat Herbert Soukopp zumindest die Aussage gefunden, der Mann habe die Feuerwehrleute „mit Schnaps unterstützt“ – und hatte später genügend Platz.
Erinnerung an schneereiche Winter

Reichlich Schnee in den Welzheimer Straßen. Das Bild stammt wohl aus den 1940er Jahren.
Foto: Herbert Soukopp/cfEine am 1. Juni 1899 gestempelte Postkarte zeigt die Wilhelmstraße im Mondschein. „Da ist kräftig retuschiert worden“, sagt Herbert Soukopp mit Blick auf die tadellos saubere, sorgfältig gepflasterte Hauptstraße. Auch Alltagsszenen wurden festgehalten: Händler, die auf dem Viehmarkt Rinder verkaufen, Bauersleute bei der Ernte im Jahr 1908 oder Passanten in den 1940er Jahren, als sich der Schnee hüfthoch in den Straßen türmte.
Die Ausstellung zeigt auch bewegte Bilder: Ein Abendschau-Beitrag vom 8. Juli 1965 widmet sich der Bürgfeldschule, lobt deren moderne Architektur und zeigt Schüler und Lehrer, zum Beispiel beim Unterricht im Freien. Der Bau beherbergte anfangs fünf Schularten und war so eine Anlaufstelle für jedes Kind und jeden Jugendlichen.
Auch der Bahnhof ist ein wiederkehrendes Motiv. Der erste Zug fuhr 1911 in Welzheim ein – endlich! Das Oberamt bekam als letztes in Württemberg einen Anschluss. Eine Vitrine erinnert an das Ereignis: neben Fotos hat Herbert Soukopp eine alte Modelleisenbahn des Typs, der damals auf der Strecke fuhr, und uralte Frachtbriefe mit vielen, vielen Stempeln hineingelegt. Bürokratie war also schon damals ein Thema.
Ausstellung
Eröffnung
„Welzheim damals und heute“ läuft bis zum 10. August im Museum Welzheim, Pfarrstraße 8. Geöffnet ist sonntags von 13 bis 16 Uhr.




