Hundsberger Sägmühle: Mit Herz und Muskelkraft: Einheimische lassen 500 Jahre alte Mühle wieder drehen

An die Arbeit: Regen hält die freiwilligen Helfer nicht auf.
Julian RettigFast geschafft! Jetzt müssen nur noch die Schaufeln des neuen Mühlrads montiert werden. Doch das dauert viel länger als gedacht, denn der Himmel hat am Samstagvormittag über der Hundsberger Sägmühle seine Schleusen weit geöffnet.
Überall ist Matsch. Die Gummistiefel der freiwilligen Helfer hinterlassen tiefe Spuren. Es riecht nach Holz, Herbst und Arbeit. „Immer wieder schifft’s – das ist ärgerlich“, sagt einer der rund ein Dutzend Helfer, die die alte Mühle wieder zum Laufen bringen wollen. In den Zwangspausen stärken sie sich mit Butterbrezeln und Kaffee unter dem schützenden Dach eines Pavillons.

Bei der Montage der Schaufeln ist Millimeterarbeit gefragt.
Foto: Julian RettigZwischen Regen und Hammerschlägen kreischt die Stichsäge – das neue Mühlrad nimmt weiter Form an. Jedes Brett für die Schaufeln muss millimetergenau angepasst werden, denn jede Schaufel am Radkranz hat eine eigene Neigung und andere Bohrlöcher. Das kostet Zeit.
Inmitten der Helfer sieht man auch Michael Bühler. Er ist Chef der Firma Hammer Holzbautechnik, die das neue Mühlrad konstruiert und gebaut hat. Mit einem 3D-Scanner wurde das alte Rad vermessen, das digitale Modell diente anschließend als Vorlage für das neue – moderne Hightech trifft auf altes Handwerk. Bühler sagt: „Wir freuen uns, wenn sich das Wasserrad nach mehreren Jahren des Stillstands wieder drehen kann.“
Die Mühle wurde vermutlich bereits im 16. Jahrhundert erbaut – damals noch als Getreidestampfmühle. Ihr sogenanntes mittelschlächtiges Wasserrad, bei dem das Wasser auf Höhe der Achse auftrifft, nutzte lange Zeit die Kraft der Schwarzen Rot. Ab dem 18. Jahrhundert diente es zusätzlich dazu, Holz zu sägen.
Alte Mühlen liegen den Ehrenamtlichen am Herzen
„Rund drei Jahre lang hat sie sich nicht mehr gedreht“, sagt Dieter Frey vom Historischen Verein Welzheimer Wald. Alte Mühlen liegen ihm am Herzen: Er und andere Ehrenamtliche haben in den vergangenen 20 Jahren fünf Mühlen im Umkreis von rund vier Kilometern wieder zum Leben erweckt. Und woher kommen all die freiwilligen Helfer? „Man kennt sich einfach“, sagt Frey, als sei das für ihn das Selbstverständlichste der Welt.
Das neue Wasserrad soll länger halten als sein Vorgänger, der 20 Jahre alt war, erzählt Frey. Wie genau das funktionieren soll? „Es soll im Dauerbetrieb laufen, damit das Holz ständig feucht bleibt“, erklärt er. Früher lief das Rad nur selten. Stand es längere Zeit still und schien die Sonne darauf, verzog sich das Holz, und es bildeten sich Risse.
Ein neues Wasserrad kostet viel Geld
So ein Wasserrad kostet. Frey sagt, dass er froh sei, die Firma Hammer Holzbautechnik für die Arbeiten an der Hundsberger Sägmühle an seiner Seite zu haben. Für die Reparaturen rechnet er mit Kosten zwischen 5000 und 10.000 Euro – das sei vergleichsweise günstig. „Würde man das Mühlrad ganz neu produzieren lassen, käme man auf mindestens 50.000 Euro“, erklärt er.
Das Wasserrad hat 40 Schaufeln, und jede besteht aus drei Brettern – viel Holz, das am Ende auf den Metallträger kommt. Dieser stammt übrigens vom Vorgänger, wurde aber frisch verzinkt. Die Helfer lassen sich vom Regen nicht bremsen. „Wir können alles machen, wir werden halt nass dabei“, sagt einer von ihnen, während er in einen Becher voller Metallschrauben greift. Bis zum Abend wollen sie fertig sein – dann heißt es: Wasser marsch.
Der Metallträger des neuen Wasserrads stammt vom Vorgänger
Doch von einem Augenblick auf den anderen sind die Pläne dahin: Ein technisches Problem ist aufgetreten. So müssen die Metallhalterungen der Schaufeln, die bereits beim bisherigen Wasserrad verwendet wurden, nachträglich teilweise korrigiert werden. „Der zeitliche Rahmen für die Installation war wohl etwas zu optimistisch, da müssen wir noch mal ran“, sagt Frey. „Jetzt wird sich das Wasserrad leider frühestens am 15. November wieder drehen.“
Die Hundsberger Sägmühle wirkt wie ein Anachronismus. Etwas abseits der Straße nach Welzheim gelegen, zwischen Bäumen und dem Lauf der Schwarzen Rot, prägt sie den Weiler mit ihrem großen Wasserrad seit Jahrhunderten. Dank ehrenamtlicher Helfer wie Dieter Frey und Michael Bühler dreht sie sich auch im 21. Jahrhundert weiter – und macht so ein Stück Technik- und Heimatgeschichte erlebbar.
