Informationszentrum Alvarium: Zu Besuch bei den fleißigen Bienen von Waiblingen
Rund um das Alvarium in der Waiblinger Talaue blüht es derzeit sommerlich. Die bunten Blumen brachten an dem regnerischen Augustsonntag ein wenig Farbe ins trübe Grau. Das schlechte Wetter hat die Bienenfreunde nicht abgeschreckt. Bei der Veranstaltung unserer Zeitung haben sie sich mit Wanderführer Jörg Bonn und Wanderführerin Brigitte Kranzer-Hamatschek vom Schwäbischen Albverein auf der „Bienenroute ins Alvarium“ aufgemacht. Dort wurden sie von Fachleuten wie Fatih Aydin, dem Vorsitzenden des Imkervereins Waiblingen, in die Welt der Bienen eingeführt.
Auf dem Weg von der Rundsporthalle zum Alvarium hatten die Teilnehmenden zwar Wiesen, Blumen, Bäume und den Apothekergarten in der Waiblinger Altstadt gesehen, aber keine Bienen. Am Ziel gab es sie dafür in Massen.
Die Imker geben hier ihr Wissen theoretisch und praktisch weiter
Das Bieneninformationshaus Alvarium direkt am Remstalradweg wurde 2013 eröffnet und ist ein idealer Ort, um mehr über Bienen und ihre Bedeutung für die Natur zu erfahren. Imker geben hier ihr Wissen theoretisch und praktisch weiter, und Besuchende können Honigbienen bei der Arbeit oder den Flugverkehr an den Nisthöhlen von Wildbienen beobachten.
Dass die Nektar sammelnden fleißigen Immen genügend Nahrung bekommen, dafür sorgen die Menschen. „Wir bieten mit dem Naschgarten, in dem Himbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren wachsen, die Nektar und Pollen spenden und vielen verschiedenen heimischen Blühpflanzen und Stauden, ein Trachtfließband von März bis Oktober“, sagte Bernhard Willi, Fachmann für die Bienen und das Alvarium beim Schwäbischen Albverein und richtete einen Appell an die Zuhörenden. „Wir können alle etwas für Bienen tun. Wer Flächen hat, muss nur etwas intelligenter mähen. Das heißt, am besten gar nicht oder nur ein- bis zweimal im Jahr.“ Ein bisschen wildes Durcheinander sei dabei durchaus gewollt. „So ist es eben in der Natur, wenn sie gut drauf ist.“
Dass Bienen stechen können, weiß jedes Kind. Dass nur weibliche Bienen stechen, und die Königin es zwar kann, aber „zu 99,9 Prozent nicht tun“, hat Fatih Aydin den kleinen und großen Gästen verraten. Vor der ersten Begegnung mit den Bienenvölkern, die rund ums Waiblinger Alvarium leben, hat er ihnen ein paar Verhaltensregeln an die Hand gegeben. „Wir bewegen uns nicht wie ein Bär, der mit den Armen zappelt, weil er Honig stehlen will, sondern ganz langsam, wie wunderschöne Blumen, die sich ein bisschen im Wind bewegen.“

Hier wird kräftig geschleudert.
Foto: Eva HerschmannFalls doch eine Biene sticht, rät der Vorsitzende der Waiblinger Imker vom „Pinzettengriff“ ab. „Der Stachel hat Widerhaken und bleibt in der menschlichen Lederhaut stecken und man drückt so noch das letzte Gift rein.“ Stattdessen solle man den Stachel von der anderen Seite mit dem Fingernagel herausstreichen, so Aydin und versprach, dass er im Notfall helfen werde.
Ein Bienenstock besteht aus mehreren Elementen
Der Notfall trat nicht ein, obschon es an die Bienenstöcke summte und brummte. Wobei nicht nur Immen unterwegs waren, sondern auch ein paar Wespen, die es auf Honig abgesehen hatten. „Wespen haben einen anderen Charakter als Bienen, die können richtige Arschlöcher sein“, sagte Fatih Aydin mit einem Grinsen und erklärte den Aufbau eines Bienenstocks, der aus mehreren Elementen besteht. Ganz unten im Erdgeschoss des Stocks befindet sich der Brutraum. Hier legt die Königin ihre Eier ab, schlüpfen und wachsen die Larven heran, während sich im oberen Teil der Honigraum befindet, in dem die Bienen ihren Honig lagern.
Weil sie nicht in Bären-Manier sondern mit der Blumen-Technik an den Bienenstock gingen, machten die Gäste reichlich Beute im Obergeschoss. Zwei Holzrahmen mit gefüllten Honigwaben klaute der Imker aus dem Honigraum. Nachdem er vorsichtig alle Bienen mit dem Handfeger weggekehrt hatte, wartete auf sie die Honigschleuder mit der der kostbare, goldfarbene Stoff extrahiert wird.
Die Schleuder wird von Hand betrieben
Der elfjährige Lars aus Bissingen an der Teck, der mit seinen Eltern zur Bienenwanderung gekommen war, hatte schon zuvor den Smoker befüllt und die Rauchentwicklung getestet und durfte nun auch die Wachsdeckel, mit denen die Bienen die Honigzellen verschließen, vorsichtig mit einem kleinen Metallrechen abkratzen. Die gesäuberten Rahmen wurden dann von Wolfgang Groh vom Alvarium in die Halterungen in der Schleuder gesteckt, die noch von Hand betrieben wird. Mit Hilfe der Zentrifugalkraft wird dort der Honig aus den Waben geschleudert, ohne deren Struktur zu beschädigen.

Das Alvarium ist ein Paradies für Bienen.
Foto: Eva HerschmannWährend Nachwuchsimker Lars an der Kurbel drehte, tropfte der Honig nach unten und der süße Geruch stieg den Umstehenden in die Nasen. „Das duftet ja schon herrlich“, sagte eine Frau. Doch es dauerte eine Weile – und einige Male durfte Lars die Holzrahmen mit den Waben in der Halterung drehen – bis auch der letzte Tropfen herausgeschleudert war. Erst dann öffnete Wolfgang Groh den kleinen Hahn ganz unten und der Honig floss zäh über ein Sieb in den Eimer darunter.
Informationstage
Termine
Von April bis September bietet das Alvarium Informationstage und spezielle Thementage. Alle Termine unter www.imkerverein-waiblingen.de.










