Künstler stellen aus: Kunstnacht ein Schorndorf – Ein Hoch auf die Fantasie

Ateliergespräche bei der Kunstnacht: Der Bildende Künstler Bernd Zimmer (rechts) im Gespräch mit einem der Besucher im Atelierhaus Ulrichstraße 19.
Eva HerschmannEs ist alle Jahre wieder eine besondere Zeit. Diesmal tanzten Elfen durch den Saal im Schock-Areal, in der alten Wagnerei wurde Klavier gespielt und in der Autowerkstatt in der Gmünder Straße formierten sich Kronkorken zu bunten Bildern. Zum 21. Mal hat die Schorndorfer Kunstnacht Leben und Farbe in die Stadt gebracht. Bei frühherbstlichen Temperaturen sind am Samstagabend Kunstinteressierte unterwegs gewesen, und haben sich in Galerien, Ateliers, Werkstätten oder in der Stadtkirche auf Begegnungen der reiz- und kunstvollen Art eingelassen.
„Kein Mensch würde das in sein Haus hängen“
Schwarz auf weiß und kunterbunt: Das Atelierhaus Ulrichstraße 19 ist eine neue Anlaufstelle bei der Kunstnacht. Seit Januar arbeiten hier sechs unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler unter einem Dach. „Das alte Haus hat eine schöne Energie“, so die Stuttgarterin Ramona Saphira Mohr, die im zweiten Stock ihre Videokunst und Malerei präsentiert. Bernd Zimmer hat sein Atelier im Erdgeschoss des Gebäudes eingerichtet, das einst eine Fahrradwerkstatt beherbergte. Säulenhäuser, Gebäude, die aus einem Stein wachsen, und figürliche Skulpturen füllen den Raum. Mitten drin ein riesiges schwarzes Pendel. „Kein Mensch würde das in sein Haus oder in seine Wohnung hängen“, sagte der Schorndorfer mit einem Grinsen. „Aber machen will ich es dennoch.“ Die Resonanz in der Kunstnacht sei toll, und das seien auch die vielen Gespräche über die Freiheit der Kunst und die Fantasie beim Betrachten.
In der Ulrichstraße am Rand der Schorndorfer Altstadt hat auch Christiane Steiner ein künstlerisches Zuhause gefunden. Hier hat die vielseitige Endersbacherin dem Kirchturmgockel mit seinen zahlreichen Einschüssen ein zweidimensionales Denkmal gesetzt. „Er wurde während der Coronazeit für Dachreparaturen abmontiert, da habe ich ihn fotografiert und gezeichnet.“ In ihrem Linoldruck sind sogar die vielen Einschusslöcher zu sehen. „Woher die kommen, weiß ich nicht“, sagt Christiane Steiner. „Und jetzt ist der Gockel auch schon wieder oben auf dem Kirchturm.“
Künstler aus dem Röhm erhalten Asyl im Schock-Areal
Die Elfen von Karin Lutz im Schock-Areal regten zum Berühren an. Ein kleiner Anschub genügte, schon begannen sie, weiblich wie männlich, vor den Augen der Besucherinnen und Besucher an ihren Fäden zu tanzen. „Es ist wie eine Sucht“, so die Künstlerin, die auch ihre formgewordenen blau-grünen Fluss-Energien präsentierte. „Kaum habe ich eine Elfe fertig, beginne ich schon mit der nächsten. Dabei ist mir sogar schon mal ein kompletter Topf Nudelwasser verkocht.“
Das Schock-Areal, in dem 22 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke zur Schau stellten, war in diesem Jahr der Marktplatz der Kunstnacht. Da das Röhm mit seiner Backsteinidylle aufgrund von Wasserschäden nicht dabei sein konnte, wurde das weitläufige Gelände an der Gmünder Straße zum zentralen Treffpunkt. Hier spielte die Musik, und die Arbeitsgemeinschaft Schorndorfer Weiber servierten im mit Kronleuchtern, Feuerschalen und Lichterketten verwandelten Hof ihre Köstlichkeiten.
Zudem hatten Kunstschaffende aus dem Röhm hier Asyl bekommen. „Unsere Künstler haben einfach die Bäuche ein bisschen eingezogen“, sagte Bronia Schock, die mit ihrem Mann Joachim alle Besucherinnen und Besucher lächelnd willkommen hieß.
Die Werkstatt wird zur Open-Air-Galerie
Bei Norbert Luhr in der Gmünder Straße werden eigentlich Autos repariert. Zur Kunstnacht wurde die Kfz-Werkstatt jedoch mit farbenfrohen Bierdeckelbildern und Collagen von Vesna Meinicke und Wolfgang Schmuck zur Open-Air-Galerie.
Stundenlang hatten Irmi und Wolf-Ulrich Siebert ihr Atelier 35 in der Höllgasse fein gemacht. Der Architekt mit dem Hang zum Holz und seine Frau hatten die hölzernen Skulpturen, die Werkzeuge und die Bilder an der Wand abgestaubt, den Boden der alten Wagnerei gesaugt und die Gläser gespült. „Bei euch ist es gemütlich“, sagte Doris Schäfer, die mit ihrer Freundin gekommen war. Im Hintergrund spielte ein Gast am Klavier. „Bei uns darf man alles“, so der Gastgeber.