Kulturfestival „Jetzt!“ in Backnang: Floßbauen für den Zusammenhalt

Die beiden Teilnehmer Sachra und Samuel fahren mit dem Team der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft auf dem selbst gebauten Floß über die Murr in Backnang.
Julian RettigAm Anfang liegen an den Murr-Treppen in Backnang nur zwei blaue Tonnen, die mit Luft gefüllt sind. Daneben: Holzstäbe, Schnüre, Kordeln – also alles, was man zum Schippern über das Wasser braucht. Die Aufgabe ist naheliegend: „Baut euer eigenes Floß, das euch nachher über die Murr trägt!“
Die Floßbau-Aktion in Backnang ist Teil des Kulturfestivals „Jetzt!“, das die Kulturregion Stuttgart ins Leben gerufen hat. Das Thema des diesjährigen Festivals ist „Bewegung“. „Dazu können Wanderungen und Stadtführungen zählen, aber eben auch das Kanufahren“, sagt Lara Treffeisen, die bei der Kulturregion Stuttgart für das Projektmanagement zuständig ist. Die Aktion selbst hat das Team „Erlebnisparcours“ der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft organisiert. Projekte wie den Bau eines Floßes veranstaltet das Team in Stuttgart regelmäßig, an der Murr nun zum ersten Mal.
Bauen ohne Anleitung
Die Idee hinter der Aktion: Die Teilnehmer sollen in Eigenregie herausfinden, wie man ein solches Floß zusammenbaut – ohne Anleitung, dafür aber in Teamarbeit. Wege zum Ziel gebe es viele, erklärt Manuel Assner vom Erlebnisparcours. Es gehe darum, gemeinsam die beste Lösung zu finden. „Uns interessiert die Dynamik in der Gruppe“, erklärt er. „Wer hat die Ideen, wer strukturiert? Wer setzt sich am häufigsten durch?“
Einige der Holzstreben für das Floß liegen bereits lose auf den Tonnen. „Wie macht man das denn fest?“, fragt der Mitarbeiter Edgar Hübsch den kleinen Jonas. „Mit Seilen“, antwortet dieser und beginnt, die Hölzer miteinander zu verbinden. Der fünfjährige Samuel steht daneben und schaut interessiert zu. Jetzt müssen die Seile noch unter den Tonnen hindurchgezogen und festgezurrt werden. Samuel nimmt das Seil und zerrt daran, Jonas hält es auf der anderen Seite fest. „Schaut mal, wie gut das schon aussieht“, ermutigt Hübsch die beiden Jungs.
Eigentlich richtet sich das Floßbauen an Jugendliche
Normalerweise richtet sich das Programm an Jugendliche, dieses Mal ist es eine achtköpfige Gruppe aus Kindern der Backnanger Kunstschule zwischen vier und acht Jahren. Die Schule ist eine städtische Einrichtung, die für Kinder Freizeitkurse anbietet. Das Team hat das Programm daher ein wenig angepasst: Die Kinder sollen das Floß nicht alleine zusammenbauen, sondern mithilfe der Betreuer. Das Ziel aber bleibt: Sie sollen gemeinsam ein Problem lösen.
Die achtjährige Eileen bastelt derweil an Fähnchen für den Masten. Konzentriert malt das Mädchen bunte Punkte auf ein Stück weißes Stoff, das die Form eines Dreiecks hat. „Hier kann ich malen und schneiden, das macht Spaß“, antwortet die Achtjährige auf die Frage, warum sie sich für die Fähnchen entschieden hat. Ein anderes Mädchen malt einen bunten Regenbogen auf den Stoff.
Bereit machen zur Abfahrt
Maximilian sieht gebannt zu, wie Betreuer Manuel Assner den Mast schnitzt. Als später alle Balken festgemacht sind, hilft der Junge dabei, den Stamm auf das Floß zu spannen. „So, und jetzt ganz durchziehen“, sagt Edgar Hübsch: „Jawohl!“ So schnell ist der Knoten gemacht. „Teste mal, ob sich noch was bewegt“, sagt der Mitarbeiter Manuel Limpert derweil zur kleinen Zlata, die das fertig gebaute Floß betrachtet. Er hebt das Gefährt hoch, alles hält steif und fest.
Bereit zur Abfahrt. Die Kinder bekommen Schwimmwesten, und die Betreuer hieven das Gefährt auf das Wasser. Samuel winkt seinem Vater zum Abschied und grinst. Langsam, aber sicher schippert das Floß, angekettet an eine lange Schnur, auf die andere Murrseite. Auch Samuel paddelt fleißig mit, nur sind die Schübe von Manuel Assner natürlich deutlich wirkungsvoller. Aber das macht nichts, denn als das Floß wieder zurück ist, strahlt Samuel über das ganze Gesicht. Und auch seine Schwester Sachra sieht zufrieden aus. „Es war schön, dass wir das Floß selber bauen durften“, sagt die Achtjährige und macht gleich noch mal eine Fahrt.
„Jetzt!“ – Festival der Kulturregion Stuttgart
Festival
„Jetzt!“ ist ein Festival, das von der Kulturregion Stuttgart organisiert wird. Es hat am 21. September begonnen und läuft noch bis 13. Oktober. Das Programm besteht aus verschiedenen künstlerischen und gesellschaftlichen Aktivitäten in den teilnehmenden Städten und Gemeinden der Region Stuttgart. Ziel sei, eine Plattform zu schaffen, „die Dialog fördert und ein friedliches, wertschätzendes Miteinander ermöglicht“, heißt es im Programm.
Kulturregion
Die Kulturregion Stuttgart ist ein Zusammenschluss von 43 Städten und Gemeinden – von Murrhardt bis Herrenberg, von Bad Liebenzell bis Schwäbisch Gmünd. Auch der Verband Region Stuttgart sowie drei Mitgliedsvereine gehören dazu. Der Verbund organisiert nach eigenen Angaben regelmäßig interkommunale Kulturprojekte, die sich mit „regional und gesellschaftlich relevanten Themen“ befassen, so der Verbund.