Letzte Hoffnung in Schorndorf
: Erfolgreiches Projekt gegen Obdachlosigkeit steht vor dem Aus

Sie rettete 135 Haushalte vor dem Absturz – nun macht die Fachstelle zur Wohnungssicherung in Schorndorf dicht. Und das trotz belegbarer Erfolge. Warum? Die Antwort wirft Fragen auf.
Von
Frank Rodenhausen
Rems Murr Kreis
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Ein Projekt der Erlacher Höhe hat so manchen vor der Obdachlosigkeit bewahrt.

dpa

Ende August geht in Schorndorf eine Tür zu, die für viele die Letzte vor dem Abgrund war: Die Fachstelle zur Wohnungssicherung der Erlacher Höhe schließt. Nach vier Jahren Einsatz gegen Räumungsklagen, Mietschulden und drohende Obdachlosigkeit endet das Präventionsprojekt – trotz nachweislicher Erfolge.

Wie die Erlacher Höhe mitteilt, fehlt es an der Anschlussfinanzierung. Stadt und Landkreis winken ab, berufen sich auf leere Kassen. Für Vorstand Wolfgang Sartorius ist das ein Rückschritt mit Ansage: „Die Folgekosten von Wohnungslosigkeit sind um ein Vielfaches höher als die Ausgaben für Prävention“, sagt er. Allein der menschliche Preis sei nicht bezifferbar.

Frühe Hilfe gegen Obdachlosigkeit: 135 Haushalte gerettet

Die Idee war einfach – und funktional: Hilfe, bevor es zu spät ist. Die Fachstelle setzte dort an, wo Wohnungslosigkeit beginnt – bei Zahlungsrückständen, Streit mit Vermietenden oder bürokratischen Hürden. 135 Haushalte konnten laut Angaben der Erlacher Höhe so vor dem Verlust ihres Zuhauses bewahrt werden. Das entspreche fast der Hälfte aller abgeschlossenen Fälle.

„Wir haben vermittelt, moderiert, begleitet – und dabei oft Konflikte gelöst, bevor sie eskalieren konnten“, erklärt Michael Belz, Abteilungsleiter bei der Erlacher Höhe. Die Fachstelle arbeitete eng mit Amtsgerichten, Sozialdiensten, Wohnungsbaugesellschaften, Anwälten und Beratungsstellen zusammen. Ein Netzwerk, das nun auseinanderfällt.

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Aktion Mensch-Förderung endet – Kommune zieht sich zurück

Gefördert wurde das Projekt seit 2021 von der Aktion Mensch. Doch Modellprojekte dieser Art sind befristet. Von Beginn an war klar: Danach soll die Kommune übernehmen. So vereinbart, so geplant. Doch aus dem Versprechen wurde ein Rückzieher.

„Die Folgekosten von Wohnungslosigkeit sind um ein Vielfaches höher als die Ausgaben für Prävention“, sagt Erlacher-Höhe-Vorstand Wolfgang Sartorius.

Foto: Gottfried Stoppel

„Damals konnte niemand die heutige Finanzlage vorhersehen“, sagt Sartorius. Stadt und Landkreis hätten die Fachstelle geschätzt, seien aber nicht bereit oder in der Lage, ihre Arbeit weiter zu finanzieren. Für Betroffene bedeutet das: keine Beratung mehr, keine Vermittlung – keine Hilfe.

Fachstelle als Rettungsanker für Menschen in Not

Besonders bitter: Die Fachstelle war mehr als eine Adresse für Papierkram. Sie war eine letzte Hoffnung für Menschen, denen das Wasser bis zum Hals stand. Menschen, die durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder persönliche Krisen in finanzielle Schieflage geraten waren. Menschen, für die ein Mietrückstand nicht nur eine Zahl, sondern eine existentielle Bedrohung ist.

Sartorius warnt: „Wer seine Wohnung verliert, wird für die öffentliche Hand schnell zur Pflichtaufgabe – mit Kosten, die langfristig alles übersteigen, was jetzt gespart wird.“ Doch das Argument scheint zu verhallen. Die Zahlen sprechen zwar für das Projekt, politisch aber fehlt der Wille zur Rettung.

Bundesweiter Trend: Prävention sozialer Notlagen gerät ins Hintertreffen

Die Schließung reiht sich ein in eine Entwicklung, die bundesweit zu beobachten ist: Prävention verliert gegen akuten Krisenmodus, soziale Projekte verschwinden im Schatten von Haushaltssperren. Dabei ist der Verlust einer Wohnung oft der Anfang einer Abwärtsspirale – psychisch, sozial, wirtschaftlich.

„Unsere Arbeit beginnt da, wo die Statistik noch schweigt“, sagt Belz. Doch bald wird es diese Arbeit nicht mehr geben. Die Tür in der Schorndorfer Fachstelle schließt – für immer. Zurück bleiben offene Fragen, eine große Lücke im Hilfesystem und Menschen, deren letzter Halt damit verschwindet.