Museumsbahn Welzheim
: Nach massiven Hochwasserschäden: Wann fährt die Schwäbische Waldbahn wieder?

Auf der zerstörten Bahnstrecke nach Welzheim beginnen bald die Bauarbeiten. Bis die Museumsbahn wieder losdampfen kann, muss manche technische Herausforderung gemeistert werden.
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis

Die Bahnfahrt auf die Höhen des Welzheimer Walds bedeutet für die Heizer schweißtreibende Schwerarbeit.

Gottfried Stoppel

Wenn alles rund läuft, dann dampft die Schwäbische Waldbahn im nächsten Frühjahr wieder die idyllische, seit 1992 unter Denkmalschutz stehende Strecke nach Welzheim (Rems-Murr-Kreis) hinauf. „Wir planen und hoffen, zum Mai 2026 den Fahrbetrieb wieder aufnehmen zu können“, berichtet Reinhold Kasian, der Geschäftsführer der Schwäbischen Waldbahn.

Seit mehr als einem Jahr stehen die Räder auf der beliebten Museumsbahnstrecke still, denn das Hochwasser Anfang Juni vergangenen Jahres hat schwere Schäden an dem Kulturdenkmal hinterlassen. „Seit dem Hochwasser im Juni 2024 ist unser Förderverein permanent zugange“, erklärt Reinhold Kasian. Die Ehrenamtlichen vom Förderverein Welzheimer Bahn reparieren auch aktuell kleine Rutschungen und räumen Durchlässe und Bahngräben frei.

Um die großen Böschungsrutsche müssen sich aber Fachleute kümmern. Die Arbeiten seien öffentlich ausgeschrieben, teilt der Geschäftsführer der Museumsbahn mit. In wenigen Wochen – Ende September beziehungsweise Anfang Oktober – soll Baubeginn sein. Die Bauzeit veranschlagt Reinhold Kasian mit sechs bis sieben Monaten.

Ein großes Stück Arbeit war schon nötig, um die Sanierung überhaupt angehen zu können. Reinhold Kasian berichtet von umfangreichen Gutachten in Sachen Natur- und Artenschutz, die es für die Reparaturen braucht. Hinzu kommen Genehmigungen in Bezug auf den Denkmal- und Gewässerschutz. Diese lägen inzwischen aber weitgehend vor. Die nächste Hürde stellt sich nun mit den Bauarbeiten selbst. „Es wird eine technische und logistische Herausforderung, die Arbeiten umzusetzen, weil diese mangels Zugänglichkeit fast überwiegend über das Gleis erfolgen müssen.“

Drei Millionen Euro für die Reparatur der Schwäbischen Waldbahn

Auf der Bergstrecke bieten sich wunderschöne Ausblicke aus dem Zug. (Archivbild)

Foto: Gottfried Stoppel

Hinter eine Sache kann Reinhold Kasian aber zum Glück einen Haken setzen: die Geldfrage. „Die Finanzierung ist gewährleistet.“ Dass die Strecke saniert wird und die Schwäbische Waldbahn wieder fahren kann, war nach dem verheerenden Unglück zunächst keineswegs klar. Immerhin soll die Reparatur rund drei Millionen Euro kosten. Eine halbe Million Euro steuert nun die Stadt Welzheim bei, vom Landkreis kommen über die Hochwassersoforthilfe laut Reinhold Kasian rund 700  000 Euro. Der größte Batzen, rund 1,8 Millionen Euro, stammt aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes.

Regen war schon 1910 ein Problem

Starke Regenfälle haben den Betreibern übrigens von Beginn an die Arbeit schwer gemacht: Beim Bau der Bergstrecke von Rudersberg hinauf nach Welzheim rutschten im regenreichen Jahr 1910 mehrere der riesigen, frisch angelegten Dämme ab. Als der Fahrbetrieb am 25. November 1911 endlich losging, war die Strecke rekordverdächtig, erfährt man auf der Internetseite der Museumsbahn.

Mit einer Steigung von 1:40, rund 2,5 Prozent zwischen Oberndorf und Breitenfürst, handelte es sich um die damals steilste Strecke im Königreich Württemberg, auf der eine Adhäsionsbahn fuhr – also eine Bahn, die ohne Hilfsmittel wie Zahnrad oder Seil auskam. Das Igelsbachviadukt und zwei weitere Brücken gehörten zu den ersten Eisenbetonbrücken, die in Deutschland gebaut wurden.

1988 bremsten wieder einmal schwere Regenfälle die Bahn aus: Nach einem erneuten Erdrutsch stellte die Deutsche Bahn den Betrieb auf der Strecke von Rudersberg nach Welzheim komplett ein. Es dauerte Jahre, bis Bahnfans die Wiederinbetriebnahme der Strecke als Museumsbahn durchsetzten und weitere zehn Jahre zwischen dem Baubeginn an der Strecke im Sommer 2000 und der ersten Fahrt eines historischen Zugs durch das Wieslauftal hinauf nach Welzheim Anfang Mai 2010.

StZ Rems-Murr-Kreis
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