Mutmacher-Seminar in Waiblingen: „Schön, dass es dich gibt“ – wie Schüler ihre Stärken finden

Patrick Piel leitet als Trainer Mutmacher-Seminare.
Felix Mahler„Junge Menschen, die als Mutmacher andere junge Menschen für ihre Zukunft begeistern“ – das ist die Idee des Start-up-Unternehmens „Mein mutiger Weg“. Seit der Gründung 2018 hilft es Schülern, ihr Potenzial zu entfalten und ihren eigenen mutigen Weg zu gehen. Nun besuchte ein Team die neunten Klassen der Salier-Realschule in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Dies mit einem innovativen Gesamtkonzept aus Vortrag und Interaktion – bei dem den Trainer Patrick Piel eine private Vorgeschichte besonders motivierte.

Patrick Piel (Trainer, links) und Lilly Lemke (Co-Trainerin) vor der Fotowand.
Foto: Felix MahlerDer Ablauf des Mutigmacher-Seminars
Etwa 120 Schüler aus der neunten Klasse finden zum Start um 8.30 Uhr ein Workbook auf ihren Plätzen vor, das durch den Tag leitet. Ein Highlight ist die Selfie-Fotowand, bei der man mit Karten wie „#Macher“ oder „Dreamteam“ posieren kann. Das Team mit Sitz in Rheinland-Pfalz arbeitete schon insgesamt mit mehr als 70 000 Menschen und gut 400 verschiedenen Schulen.
Möglich gemacht haben den Tag die Volksbank Stuttgart und die Agentur für Arbeit, die das Seminar je zur Hälfte finanziert haben. Auszubildende der Volksbank sollten auch die Möglichkeit bekommen, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Auch der Konrektor Robert Merkle begleitet den Tag aufmerksam.
Zum Start lockern Trainer auf: Es folge nun kein normaler Unterricht, die Schüler dürften es sich erst einmal bequem machen. Patrick Piel und Lilly Lemke haben sich beide nach dem Studium umorientiert. Patrick ist seit sechs Jahren dabei, Lilly seit Oktober 2024, nachdem ihr im „Digital Business Management“ das Menschliche fehlte. Die meisten Mitarbeiter haben Doppelrollen, so ist die Co-Trainerin gleichzeitig im Verkaufsteam.
Ein Motto, das sich durch den Tag zieht, ist: „schön, dass es dich gibt“. Das solle man nun seinem Nebensitzer sagen – am Besten mit einem Lächeln. Der Plan für einen mutigen Weg orientiert sich an vier Leitsätzen.
Leitsatz 1: Setze auf deine Stärken
Nur neun Schüler zeigen auf, dass sie ihre Top-3-Stärken kennen. Mehrere Teilnehmer hingegen wissen, was sie nicht können. So geht es darum, mehr Bewusstsein für sein Können zu schaffen. In einem Arbeitsbuch sollen die Schüler ihre Stärken ankreuzen.

Immer wieder beziehen die Trainer die Schüler interaktiv in das Seminar mit ein.
Foto: Felix MahlerFast 50 Beispiele sind aufgelistet: gut im Team arbeiten, sozial & hilfsbereit sein, eigenständig Entscheidungen treffen, Menschen zum Lachen bringen, sich selbst motivieren und vieles mehr. Es geht auch um Rückmeldungen. So sollen die Schüler über den Messengerdienst WhatsApp Freunde und Familie fragen, was ihre drei größten Stärken sind und warum.
Leitsatz 2: Entdecke deine Traumjob-Kriterien
Die Schüler werden gefragt, was für sie einen Traumjob ausmacht. Die Antworten: Geld, Spaß, Flexibilität, nicht kaputt arbeiten, gutes Umfeld, Vielfältigkeit, örtliche Nähe, Zukunfts-Sicherheit und gute Teamarbeit. Nur fünf Jugendliche glauben allerdings daran, dass man all das in einem Beruf finden kann. Auch hier lockern die Trainer auf. Das Ziel müsse sein, die Menge solcher Tage durch die Berufswahl so klein zu halten, wie es geht.

An im Raum verteilten Plakaten können sich die Schüler inspirieren lassen.
Foto: Felix MahlerAn drei Stationen können sich die Schüler an ihre Traumjob-Kriterien herantasten. Einmal per Einordnung zwischen zwei Optionen auf Skalen, beispielsweise ob man lieber alleine oder im Team arbeiten will. Dazu hängen im Raum vier Plakate mit Inspirationen zu Fragen aus den Kategorien Menschen, Umgebung, Interessen und Tätigkeiten. Eine davon etwa ist „Was sind meine größten Interessen außerhalb der Schule?“.
Leitsatz 3: Baue Selbstvertrauen auf
„Es müsste jede Woche eine Doppelstunde Selbstvertrauen geben“, findet Patrick. Noten seien nicht daran gekoppelt, ob man ein guter Mensch ist. Begleitet von Musik und mit einem Herz-Ballon in der Hand erzählt er: „Wir starten als Kind mit viel Mut, danach nimmt dieser immer mehr ab – wie die Luft in dem Ballon.“ Ein Grund dafür: bis zum Alter von 18 Jahren erhält ein Mensch im Schnitt 180 000 negative Botschaften.

„Du bist wichtig“ ist auch ein Hintergrund der „Schön, dass es dich gibt“-Karten.
Foto: Felix MahlerDann erzählt der 28-Jährige eine private Geschichte: Er habe in seiner Schulzeit beim Mobbing seines besten Freundes mitgemacht. Diese Tat und wie sie bei dieser Person nachgewirkt hatte, gibt ihm heute noch Gänsehaut. Auch dadurch wurde ihm klar: „wir brauchen mehr Mutmacher“. Hier kommen die „Schön, dass es dich gibt“-Karten ins Spiel. Jeder Schüler soll diese Karte an einen Mitschüler weitergeben – mit schriftlicher Begründung auf der Rückseite.
Leitsatz 4: Handle mutig
Als es darum geht, ein Zukunftsbild für sich selbst zu malen, erzählt Patrick von Duc-Nam. Der 16-Jährige beeindruckte ihn in einem seiner ersten Seminare mit der Haltung, keinen Lebensweg haben zu wollen, den er mit 75 Jahren bereuen würde. Und ihm war klar: „Man darf in den Himmel träumen, muss aber auch hart dafür arbeiten“.

Die Trainer, hier Lilly Lemke, strahlen Positivität und Motivation aus.
Foto: Felix MahlerMit seinem Traum, Musiker zu werden, nahm er später bei „The Voice of Germany“ teil und erreichte die zweite Runde. Er tat, woran es bei vielen scheitern würde – er handelte mutig. Hier gilt aber auch: „deinen Weg zu finden darf seine Zeit dauern“. Viereinhalb kurzweilige Stunden wurden die Schüler auf einer gemeinsamen Ebene abgeholt und ermutigt.
