Nach Flutkatastrophe im Wieslauftal
: Wieslauftalbahn: Der Restart-Termin steht fest – „Wir sind im Wieselfieber“

Mehr als nur ein Neustart: Die Wieslauftalbahn kehrt nach der Hochwasserkatastrophe mit frischem Look und neuen Fahrzeugen zurück. Doch es gibt noch Baustellen und Unwägbarkeiten.
Von
Frank Rodenhausen
Rems Murr Kreis
  • Ein Stopfwagen befestigt das Schotterbett zwischen den Gleisen bei Miedelsbach.

    Frank Rodenhausen
  • Das Hochwasser im Juni hat jede Menge Unrat auf die Gleise gespült.

    Zweckverband Wieslauftalbahn/
  • Gleise wurden unterspült.

    Zweckverband Wieslauftalbahn/
  • Ganze Autos wurden auf die Gleise geschwemmt.

    Zweckverband Wieslauftalbahn/
  • Jetzt wird das Gleisbett wieder gestopft.

    Frank Rodenhausen
  • Kurven mussten wieder gerichtet werden.

    Frank Rodenhausen/
  • Mindestens vier Züge müssen ausrangiert werden.

    Frank Rodenhausen/
  • Im April soll die Bahn wieder bis nach Rudersberg rollen

    Frank Rodenhausen/
  • Das Wiesel hat ein neues Maskottchen.

    Landratsamt/
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Fast zehn Monate nach der verheerenden Starkregenkatastrophe im Juni des vergangenen Jahres soll die Wieslauftalbahn endlich wieder Fahrt aufnehmen. Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, laufen die Arbeiten zur Wiederinbetriebnahme der Strecke auf Hochtouren.

Zum Neustart soll das Wiesel statt wie ursprünglich geplant nicht nur bis Miedelsbach, sondern gleich bis Rudersberg rollen. Dabei wird sich der Zug nicht nur technisch runderneuert, sondern auch optisch neu designt präsentieren. Ein neues Wieselmaskottchen soll den Restart begleiten, und auch eine feierliche Eröffnung mit politischer Prominenz ist geplant.

Baustellen auf Hochtouren: Reparaturen entlang der Strecke

An anderer Stelle sind Bagger im Einsatz.

Foto: Frank Rodenhausen

Die Bauarbeiten laufen an mehreren Stellen gleichzeitig. Zwischen Miedelsbach und Schlechtbach klappern die Gleise unter den schweren Stopfmaschinen, Arbeiter verschweißen Schwellen, setzen Bahnübergänge instand und schichten tonnenweise frischen Schotter auf. Besonders knifflig ist es an der Kläranlage Miedelsbach und am Bahnübergang Neue Zumhofer Straße in Rudersberg. Auch an der Elektronik entlang der Strecke gibt es noch einiges zu tun.

Aber nicht nur im Wieslauftal wird gearbeitet: Auch in Weiden in der Oberpfalz laufen Instandsetzungsarbeiten an den durch das Hochwasser schwer beschädigten Zügen. Von den ursprünglich sechs Fahrzeugen konnten vier nicht mehr gerettet werden. Zwei werden derzeit geprüft und gegebenenfalls repariert. Als Ersatz wurden schon vor der Flutkatastrophe vier sogenannte „neue Gebrauchte“ gekauft. Zwei davon werden zum Neustart Mitte April erwartet, die anderen beiden folgen zum Jahresende. Um die Lücke zu überbrücken, werden zusätzlich zwei Mietfahrzeuge eingesetzt.

Zeitplan und Kosten im Griff

Dank der milden Witterung in den Wintermonaten sind die Arbeiten schneller vorangekommen als erwartet. Während ursprünglich nur eine Teilstrecke bis Miedelsbach vorgesehen war, kann nun bereits bis Rudersberg gefahren werden. Der Termin für den Restart steht jetzt fest: Am 14. April soll die Strecke wieder freigegeben werden. Die Baukosten bewegen sich laut Landratsamt im geplanten Rahmen, und – ganz wichtig – die Versicherung hat alle umgesetzten Maßnahmen finanziell abgesichert.

Buchstäblich auf dem Abstellgleis: Vier Züge sind nicht mehr zu retten.

Foto: Frank Rodenhausen

Trotzdem bleiben Herausforderungen. Besonders die Reparatur der zwei verbliebenen Regioshuttle ist ein Puzzle mit vielen unbekannten Teilen. Selbst Spezialfirmen wie die OWS in Weiden haben kaum Erfahrung mit derart durchweichten Zügen. Ob die alten Fahrzeuge überhaupt noch einmal rollen, bleibt deshalb noch fraglich.

Der Neustart im April ist nur der erste Schritt. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres soll die Strecke auch wieder bis Oberndorf befahrbar sein. Dort sind noch Weichen zu justieren, Kurven zu stabilisieren und Elektronik zu erneuern. Doch die Zuversicht ist groß, dass die Strecke fristgerecht ans Netz geht.

Werben fürs Wiesel: Maskottchen und Social Media

Das Comeback des Wiesels ist nicht nur eine Frage von Schotter und Gleisen, sondern offenkundig auch von Herz und Seele. „Wir sind alle im Wieselfieber“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts, wo hinter den Kulissen in mehreren Bereichen am Restart gearbeitet werde. Damit sich Pendler, Schüler und Bahn-Fans auf den Neustart freuen, hat man sich einige Aktionen ausgedacht: In den Ersatzbussen hängen Werbeplakate mit dem neuen Wieselmaskottchen, Kitas haben Bastelbögen für Papier-Wieselbahnen bekommen, und auf Instagram wird der Baufortschritt in Reels dokumentiert. In den kommenden Tagen soll dort das neue Design der Züge enthüllt werden – und wenn alles klappt, dürfen die ersten Fahrgäste bald selbst erleben, wie es wieder wieselflink durchs Tal geht.

Die Wieslauftalbahn

Strecke
Die Wieslauftalbahn, auch bekannt als „Wiesel“, ist eine normalspurige, eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn. Sie beginnt in Schorndorf und führt über Rudersberg nach Welzheim. Betreiber ist der Zweckverband Verkehrsverband Wieslauftalbahn, der von den Kommunen Schorndorf und Rudersberg sowie dem Landkreis getragen wird.

Betrieb
Der Betrieb auf der Strecke Schorndorf–Rudersberg wird von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) durchgeführt, während der Abschnitt nach Welzheim seit 2010 als Museumsbahn von der Schwäbischen Waldbahn GmbH betrieben wird. Nach Schäden durch Hochwasser im Juni 2024 wurde der Zugbetrieb vorübergehend eingestellt.

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