Neues Angebot in Fellbach: Kindergarten wird zur Sport-Kita – „Wir sind aber keine Kaderschmiede“

Ein Parcours und Platz fürs Freispiel – so soll der Bewegungsraum in der neuen Sport-Kita aussehen.
privatAuf dem Spielplatz klettern und testen, ob man balancieren kann. Im Wald umherrennen und dabei Moos und Äste für daheim sammeln oder einfach vor der Haustür mit dem Bobbycar losdüsen – klingt toll, ist im Alltag für viele Kinder aber oft längst nur noch graue Theorie. Zahlreiche Studien und Berichte von Fachleuten machen klar: Kinder bewegen sich zu wenig. Nur gut also, wenn es Projekte wie die auf dem Gelände des Gustav-Werner-Kindergartens im Fellbacher Stadtteil Schmiden gibt, auf dem momentan der Neubau einer Bewegungs-Kita entsteht, der doppelt so vielen Gruppen Platz bieten soll wie bisher.
Dort gilt: Turnen und Toben ausdrücklich erwünscht. „Mit der Einrichtung greifen wir das auf, was gerade überall Thema ist: Eltern und Kinder haben zu wenig Zeit für Bewegung. Deshalb wollen wir in dem neuen Sport-Kindergarten den Kindern die Möglichkeit geben, sich gesund zu entwickeln und altersgerecht zu bewegen“, sagt Andreas Perazzo.
TSV Schmiden hat die Trägerschaft übernommen
Er hat gemeinsam mit Vanessa Gerstenberger die Geschäftsführung des Sportvereins TSV Schmiden inne. Während sie sich im Schwerpunkt um die Abteilungen und Gremien kümmert, ist der 52-Jährige für die Verwaltung und die Sportpädagogik zuständig und damit auch für das Neubau-Projekt Gustav-Werner-Kindergarten, dessen Trägerschaft der TSV Schmiden übernommen hat. „Es war schon immer der Wunsch des TSV Schmiden, eine Sport-Kita zu bauen. Jetzt wird er Wirklichkeit“, erklärt Andreas Perazzo. Der Verein habe zahlreiche Kooperationen mit Schulen und Horts, aber eine Kita habe noch gefehlt, sagt der Geschäftsführer und erinnert sich, dass es ein ganz schönes Hin und Her war bis zur aktuellen Aufteilung.
So seien die Stadt Fellbach und die evangelische Kirchengemeinde, als klar war, dass das Bestandsgebäude des Gustav-Werner-Kindergartens nicht mehr saniert werden kann, auf den TSV Schmiden zugekommen. „Die Idee war erst mal, dass die beiden bauen und Träger für den Neubau sind, und wir Kooperationspartner werden“, sagt Perazzo. Doch nachdem die Ausschreibung erfolgreich und der Architekten-Siegerentwurf gekürt worden war, geriet plötzlich alles ins Stocken. „In der Kirchengemeinde gab es Engpässe und Veränderungen. Und plötzlich kam die Frage auf, ob wir als Verein Träger werden wollen“, sagt Andreas Perazzo und fügt hinzu, dass es als Träger zwar mehr Arbeit und Verantwortung bedeute, aber auch sehr spannend sei bei dem „tollen Bau“.

Noch ist es eine Baustelle, aber bald schon sollen hier viele Kinder ihren Tag verbringen.
Foto: privatDer Neubau soll zum Schuljahr 2026/27 in Betrieb gehen
Dieser Bau, der Stand jetzt zum Schuljahr 2026/27 in Betrieb genommen werden soll, wird aus einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss bestehen. Und im Erdgeschoss, das Büro- und Gruppenräume beherbergen wird, ist auch der zentralste Ort des Neubaus zu finden: der Bewegungsraum mit rund 220 Quadratmetern. „Er wird sowohl von der Kita als auch von der Straße aus begehbar sein, damit er außerhalb der Kitazeiten auch für andere Angebote genutzt werden kann“, erklärt Perazzo und erzählt, dass besagter Bewegungsraum viele Elemente beinhalten wird, um die Kinder zum Klettern, Balancieren und Turnen anzuregen. „Die Kinder werden im Rahmen der Sport-Kita zwei Stunden extra pro Woche für die Bewegung haben, um ihr Interesse zu fördern“, sagt Perazzo und betont, dass ansonsten aber auch der reguläre Kindergartenbetrieb in Räumen zum Malen, Lesen und Bauen stattfinden werde.
„Wir sind ja auch ein ganz normaler Kindergarten, in dem Jahresfeste und christliche Werte eine Rolle spielen werden sowie Förderung und Inklusion.“ Das ist Andreas Perazzo wichtig, zu betonen. Fast noch wichtiger ist es dem 52-Jährigen, dass der Sport-Kindergarten nicht als Sprungbrett für eine Vereinslaufbahn verstanden wird. „Wir sind aber keine Kaderschmiede. Die Kinder sollen einfach altersgemäß in Bewegung gebracht werden. Wenn das dann bei dem einen oder anderen in eine Vereinsmitgliedschaft mündet, haben wir da nichts dagegen, aber es ist nicht unser Bestreben.“
Mit einer Rutsche geht es von der Dachterrasse in den Garten
Spaß und gute Betreuung zu bieten dagegen schon – könnte man zumindest meinen, wenn Andreas Perazzo von einer Rutsche erzählt, von der die künftigen Kinder der Sport-Kita von der Dachterrasse mal eben in den Garten rutschen können. „Oft hören das Leute, die keine Kinder im Kindergartenalter mehr haben und die bedauern das dann sehr, weil es nach so viel Spaß klingt“, sagt Andreas Perazzo, der selbst zwei Kinder hat. Apropos: Wenn der Neubau in Betrieb geht, werden von 7 bis 17 Uhr sowohl Kinder über als auch unter drei Jahren dort herumtoben – im Inneren oder im neu angelegten Außenbereich. „Wir werden bald mit den Personalsuche starten. Es wird auf jeden Fall auch Sportfachkräfte geben.“
Auch bei der Grundsteinlegung, die jüngst an der Baugrube mit Vertretern von Stadt und der Kirchengemeinde gefeiert wurde, gab es viel Lob für das Konzept mit sportpädagogischem Profil. Erst wenn der Neubau steht und bezugsfertig ist, wird das Bestandsgebäude aus den 1950er Jahren abgerissen, sodass der Betrieb während der Bauzeit aktuell ganz normal weiterlaufen kann.

So sah der Architektenentwurf für den Sport-Kindergarten aus.
Foto: Stadt FellbachWeil die Grundsteinlegung des ersten Bewegungskindergartens an der Karolinger Straße in Fellbach – in Schorndorf gibt es ein solches Konzept im Sportpark Rems und in Waiblingen wird auch ein solcher Kindergarten entstehen – etwas Besonderes ist, hatten sich die Beteiligten auch etwas Spezielles überlegt: „Wir haben eine Zeitkapsel mit einer Tageszeitung, Bauplänen und einer Vereinsschrift einbetoniert. Das wird dann vielleicht in 500 Jahren mal spannend sein“, sagt Andreas Perazzo.
