Paar aus Oppenweiler
: Künstliche Befruchtung als letzte Chance: Krankenkasse zahlt nicht – „zu alt“

Jenny und Igor sind ein glückliches Paar und doch fehlt etwas – ein gemeinsames Kind. Nach zwei künstlichen Befruchtungen wollen sie einen letzten Versuch wagen, doch es fehlt Geld.
Von
Simone Käser
Rems Murr Kreis
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Jenny van der Lubbe und Igor Maric halten während der kraftraubenden Kinderwunschbehandlung fest zusammen.

privat

Sie sind seit 14 Jahren ein Paar und haben in dieser Zeit jede Menge erlebt, erreicht und auch durchgemacht. Doch der Kampf, den Jenny van der Lubbe und Igor Maric aktuell führen, ist besonders schwer für sie. Denn Jenny und Igor wollen ein Kind. Dieser Wunsch, die Hoffnung und der Versuch, endlich schwanger zu werden, beschäftigen die 43-Jährige und ihren 38-jährigen Verlobten Tag für Tag. „Uns war von Anfang an klar, dass wir mal Kinder haben wollen, aber seit wir vor rund zwei Jahren nach Oppenweiler gezogen sind, ist es richtig konkret geworden“, sagt Jenny van der Lubbe.

Dort passen die Rahmenbedingungen, es gibt genug Platz und die beiden sehen im Geiste schon ein eingerichtetes Kinderzimmer. Je länger sie es probieren, desto stärker wird der Wunsch. Doch es will einfach nicht funktionieren. Jeden Monat, wenn ihre Periode ansteht, hält Jenny die Luft an und ist dann bitter enttäuscht. „Ich wusste, dass ich erschwerte Bedingungen habe, aber so schwierig hatte ich es mir trotzdem nicht vorgestellt“, sagt Jenny van der Lubbe und meint ihre Endometriose-Diagnose.

Frauen mit Endometriose haben es schwerer, schwanger zu werden

Betroffene Frauen haben gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen aus Gewebe, das in benachbarten Organen und Geweben wächst und eine Schwangerschaft erschweren kann, aber nicht unmöglich macht. „Erst hieß es, dass es bei mir dadurch quasi unmöglich sei, aber bei einer weiteren Bauchspiegelung sah dann alles gut aus, und ich bekam von meiner Gynäkologin grünes Licht.“ Sechs Monate gab sich Jenny damals in Absprache mit ihrer Frauenärztin – um es auf natürliche Weise zu schaffen.

Doch es klappt nicht, Jenny und Igor machen auf Empfehlung einen Termin in einer Kinderwunschklinik in Prag, und für Jenny fängt damit eine Zeit an, die sie körperlich und psychisch an ihre Grenzen bringt und einer hormonellen Achterbahnfahrt gleicht – Behandlungstermine, Hormonspritzen, Heißhunger, Angst, Tränen, Blutungen und ständig die Sehnsucht, endlich ihr Baby in den Armen zu halten.

Die Hormonbehandlung setzt Jenny van der Lubbe zu

Jenny van der Lubbe erkennt ihren eigenen Körper und sich selbst wegen der Hormonbehandlung kaum noch wieder. „Ich hatte schlimme Launen und zahlreiche körperliche Beschwerden.“ Und Igor? Der schaut seine Verlobte, während sie erzählt, aufmerksam an und scheint im Stillen mitzuleiden. „Wenn es an die Untersuchungen und Eingriffe geht, bin ich immer froh, ein Mann zu sein“, sagt der 38-Jährige und zündet sich eine Zigarette an – der Stress der Behandlung macht nervös und hinterlässt Spuren.

Jenny sitzt derweil da und erzählt ganz ruhig, aber immer wieder blitzen sie doch durch, die Momente, in denen ihre Stimme zittert. „Man weiß ja wofür man es macht, aber es ist heftig. Finanziell, als Paar und für einen selbst“, sagt sie und erinnert sich, wie blau und aufgequollen von all den Spritzen ihr Bauch vor der Eizellentnahme war. Weil sie Schichtarbeiterin ist und die Hormone immer zur selben Zeit gespritzt werden sollen, stellt sie sich den Wecker auf 4 Uhr morgens. „Beim ersten Mal waren es nach 20 Tagen Aufbau 37 Eizellen, das war toll. Schlussendlich hatten dann drei optimale Bedingungen.“

Die künstliche Befruchtung findet in einer Klinik in Prag statt

Die wurden Jenny van der Lubbe dann am 24. Mai vergangenen Jahres eingesetzt – ohne Erfolg. Im April dieses Jahres nimmt die 43-Jährige deshalb noch mal alle Strapazen auf sich und lässt sich eine Eizelle einpflanzen. „Die wurde beim ersten Versuch aufgespart und eingefroren. Viele nennen es Eisbärchen, ich habe es mein Gummibärchen genannt“, sagt Jenny, die sowohl wegen der Kosten als auch wegen ihres Alters nach Prag geht. „Dort sind die Kosten moderater. Meine Krankenkasse hätte nicht gezahlt, weil ich über 40 bin.“

Bisher war der Schwangerschaftstest von Jenny van der Lubbe stets negativ. Die 43-Jährige hofft noch immer auf ein positives Ergebnis mit zwei Teststrichen.

Foto: dpa

Auch die Mitarbeiter der Psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch im Kreis kennen die Problematik. „Wir können nicht ausschließen, dass es in einzelnen Krankenkassen Abweichungen gibt, aber erfahrungsgemäß gelten in Deutschland für gesetzlich versicherte Paare, damit die Krankenkasse Kosten übernimmt, folgende Altersgrenzen: Frauen mindestens 25 Jahre und höchstens 40 Jahre alt, Männer mindestens 25 Jahre und höchstens 50 Jahre alt“, heißt es da.

Jenny van der Lubbe fühlt sich in der Klinik in Prag gut aufgehoben und hat beim Einsetzen ihres „Gummibärchens“ ein richtig gutes Gefühl. Sie hatte keine Blutungen, die Brüste spannten und sie blickte dem Bluttest, mit dem nach vier Wochen eine erfolgreiche Schwangerschaft festgestellt oder ausgeschlossen wird, positiv entgegen. Doch wieder nichts. „Ich habe nur noch geheult.“ Dazu habe sie sich ständig gefragt, was sie falsch gemacht habe und was nicht mit ihr stimme. „Das Ganze geht auf die Psyche.“

Doch das Paar aus Oppenweiler – Igor kam 1990 aus Zagreb, Jenny wächst in Backnang auf und hat teils holländische Wurzeln – lässt sich nicht unterkriegen und behält seinen Humor. Mit ihrem Hund Jayjay sind sie gern draußen, lieben Filmabende und treffen sich mit Freunden. „Wir wollen ein Kind, aber wir können uns nicht vergraben und als Paar kaputtgehen“, sagt Igor, und Jenny spricht davon, dass sie es vielleicht akzeptieren müssten, dass es nicht sein soll.

Trotzdem nutzt das Paar jeden Strohhalm, und es könnte sich auch vorstellen, einen weiteren und damit letzten Versuch zu wagen. Es wäre der Dritte. Den will Juana Schreen ihnen nun ermöglichen. Sie schreibt auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe von ihren Freunden und bittet um Spenden. „Sie sind so besonders. Jetzt brauchen sie Hilfe, damit ihr Wunder doch noch wahr wird.“

Hilfe für Jenny und Igor

Info
Wer das Paar finanziell unterstützen möchte, kann das unter https://www.gofundme.com/f/8yyqq-ein-letzter-hoffnungsschimmer tun.

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