Playmobil-Ausstellung in Winnenden
: Wo kleine Plastikmännchen Leben retten

Feuersbrunst und Autounfall – im Feuerwehrmuseum in Winnenden sind Playmobilmännchen im Dauereinsatz zu sehen. Die Sonderausstellung rund um die Blaulichtfraktion läuft bis zum 9. Februar.
Von
Eva Herschmann
Rems Murr Kreis
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Dennis Condello (links) hat viel Arbeit in die Ausstellung gesteckt, die nicht nur Museumschef Harald Pflüger begeistert.

Eva Herschmann

Flammen schlagen aus dem mehrstöckigen Haus, und eine bedrohlich dunkle Rauchwolke steht über der Szenerie. Die schreckliche Feuersbrunst ist zum Glück nicht echt, sondern mit kleinen Playmobilmännchen und jede Menge meist handgebasteltem Zubehör miniaturgetreu nachgestellt. Die Sonderausstellung, die bis zum 9. Februar im Feuerwehrmuseum in Winnenden zu sehen ist, zeigt die Blaulichtfraktion – von Feuerwehr bis DRK – als Spielfiguren im Einsatz. Gebaut und zusammengestellt wurden die Dioramen von Dennis Condello von der Feuerwehr Allmersbach, der leidenschaftlicher Modellbauer ist, mit drei Bastlerkollegen aus Karlsruhe, Rottweil und Schramberg.

Allein im Rotkreuz-Einsatzfahrzeug stecken 160 Stunden Arbeit

Im Feuerwehrmuseum in Winnenden gibt es schon von jeher viele Spielsachen rund um die Themen Brände und Löschen. Doch nicht nur deshalb ist Harald Pflüger, der Vorsitzende des Museumsvereins, begeistert von der Playmobil-Ausstellung im Obergeschoss. „Wir machen jedes Jahr zur Weihnachtszeit eine besondere Schau. Aber die Jungs hier haben sich sehr viel Mühe gegeben.“ Und jede Menge Arbeit in die detailverliebten Miniaturszenen gesteckt.

Allen voran Dennis Condello. „Die Auto und Fahrzeuge gibt es in dieser Form nicht zu kaufen. Es sind alles Eigenbauten“, sagt der 37-jährige Hauptfeuerwehrmann, der bei der Freiwilligen Feuerwehr Allmersbach im Tal und bei den Backnanger Floriansjüngern aktiv ist. Das DRK-Fahrzeug mit der Aufschrift „Rettungsdienst Rems-Murr“ beispielsweise sei eigentlich ein Wohnmobil. „Der komplette hintere Bereich stammt aus dem 3-D-Drucker, und natürlich habe ich auch fürs Blaulicht eine LED-Beleuchtung eingebaut.“ Auch die Lackierung sei aufwendig, erzählt der Modellbauer. „Erst wird grundiert, dann zweimal weiß lackiert, und am Ende kommt noch ein Klarlack drüber. Und bei allem muss man darauf achten, dass man keine Tropfnasen bekommt.“ Insgesamt, so erzählt der selbstständige Zimmermann, steckten mehr als 160 Stunden Arbeit allein in diesem einen Fahrzeug.

Fast nichts, was es in der Ausstellung zu sehen gibt, gibt es so zu kaufen. „Außer dem Taxi“, sagt Dennis Condello. Alles andere ist Handarbeit, etwa beim Einsatzleitwagen „Florian Backnang 1/11“, der eigentlich ein Schulbus ist. Beim Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) wurde neben einer neuen Lackierung und Beschriftung aus dem Plotter auch eine neue Nase im 3-Druck ergänzt. „Rettungshubschrauber haben vorne eine Wärmebildkamera drin, die hat das Originalmodell, das es zu kaufen gibt, natürlich nicht.“ Auch die Rotorblätter sind neu – „Die jetzt haben die aerodynamische Form der Original-DRF-Hubschrauber.“

Trotz 3-D-Druck ist Modellbau noch immer viel Handarbeit

Prinzipiell seien 3-D-Drucker eine paradiesische Erfindung für Modellbauer, sagt Dennis Condello. „Aber mir ist es auch wichtig, dass das Handwerk nicht verloren geht.“ Deshalb bastelt er so viel wie möglich von Hand. Das Scheinwerferstativ, das bei Feuerwehren die Szene erleuchtet, hat er aus einem – gekauften – Playmobil-Stativ und Scheinwerfern von Miniatur-Fahrzeugen gebastelt. „Das könnte ich natürlich auch mit dem Drucker machen, aber das will ich nicht.“

Insgesamt sieben verschiedene Einsatzszenen rund um Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei mit mehr als 70 Fahrzeugen und rund 500 Playmobilmännchen – die teilweise von Hand bemalt wurden oder deren Uniformen auf Papier ausgedruckt und an den Körper modelliert wurde, denn US-Military-Police mit Tarnanzügen gibt es im Playmobil-Programm nicht – sind im Winnender Feuerwehrmuseum aufgebaut. Die meisten davon sind in Schaukästen hinter Glas. Allerdings nicht die größte und umfangreichste Szenerie mit dem ausgedehnten Wohnungs- und Gebäudebrand und jeder Menge Action auf fast vier Quadratmetern. Da werden Menschen über Drehleitern gerettet, einige Feuerwehrleute versuchen vom Dach aus an den Brandherd zu kommen, andere erstürmen das Gebäude von der Straße aus.

Insgesamt vier Tage haben Dennis Condello und seine Modellbau-Kollegen gebraucht, um die Ausstellung aufzubauen. Die Mühe hat sich gelohnt. Die Ausstellung, die ursprünglich bis zum 12. Januar geplant war, wird um einen Monat, bis zum 9. Februar, verlängert. „Das haben wir spontan entschieden, denn wir hatten an den ersten beiden Tagen schon mehr als 200 Besucher“, sagt Harald Pflüger.

Feuerwehrmuseum in Winnenden

Öffnungszeiten
Die Playmobil-Ausstellung ist bis zum 9. Februar immer samstags und sonntags sowie vom 27. bis 29. Dezember, 2. bis 5. Januar und 7. bis 12. Januar, jeweils von 10 bis 14 Uhr, geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro, Kinder von 6 bis 14 Jahren zahlen 2,50 Euro, die Familienkarte (2 Erwachsene/2 Kinder) gibt es für 11,50 Euro.

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