Projekt ILEK startet
: Remstal kämpft gegen das große Rebensterben

Immer mehr Weinberge verwildern – jetzt startet der Kreis ein ambitioniertes Projekt. Was steckt hinter dem ILEK und kann es die Wende bringen?
Von
Frank Rodenhausen
Rems Murr Kreis
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Nicht überall sieht die Bewirtschaftung der Weinberge so gut aus wie beim Weingut Aldinger in Hanweiler.

Gottfried Stoppel

Der Blick über die Hügel des Remstals zeigt eine Landschaft von seltener Schönheit: Rebstöcke, Trockenmauern, weite Ausblicke. Doch hinter dieser Idylle bröckelt es. Immer mehr Weinberge werden aufgegeben, verbuschen, verlieren ihren Wert – ökologisch wie ökonomisch.

Dem will der Rems-Murr-Kreis nun entschieden entgegentreten. Wie das Landratsamt mitteilt, ist nun mit dem offiziellen Start des ILEK-Projekts (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept) ein zentraler Baustein zur Stärkung des regionalen Weinbaus auf den Weg gebracht worden.

Die Weinberge, hier bei Beutelsbach, gehören zur Identität der Region.

Foto: Gottfried Stoppel

Mit 37 500 Euro Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg und unter aktiver Mitwirkung von Kommunen, Winzern und touristischen Vertretern soll das Projekt mehr sein als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vielmehr geht es um ein strategisches Umdenken im Umgang mit einer Landschaft, die weit über die Region hinaus für Qualität und Handwerkskunst steht.

Weinbau im Remstal: Identitätsverlust und Handlungsbedarf

Dass Handlungsbedarf besteht, darüber herrscht Einigkeit. Sinkender Weinkonsum, explodierende Produktionskosten, fehlender Nachwuchs – der Weinbau im Remstal steht unter massivem Druck. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Flächen stillzulegen. „Uns geht dadurch nicht nur ein wirtschaftlicher Wert verloren“, warnt Landrat Richard Sigel, „sondern auch ein Stück Identität unserer Region.“ Die Kulturlandschaft, über Jahrhunderte von Generationen geformt, droht zu zerfallen – mit Folgen für Biodiversität, Tourismus und das Ortsbild.

Weinbau im Remstal: Dringender Handlungsbedarf erkannt

Wie akut die Lage ist, zeigte sich jüngst bei einem Weinbaugespräch in der Remstalkellerei in Beutelsbach. Die CDU-Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek und Christian Gehring hatten Vertreter aus Politik, Weinbau und Verwaltung eingeladen, um Perspektiven auszuloten. „Viele Rebflächen verwildern“, konstatierte Winzer Aaron Schwegler. „Und manche übernehmen sie nur, um Fördergelder abzugreifen – ohne Pflege, ohne Engagement.“ Das Resultat: wirtschaftlicher Schaden und eine zunehmend zersetzte Nachbarschaft.

ILEK-Projekt: Zukunftsweisendes Konzept für das Remstal

Hier setzt das ILEK an. „Es geht nicht nur um Wein“, betont Martin Kurrle, der Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei, „sondern um ein umfassendes Konzept für unsere Kulturlandschaft.“ Das ILEK verstehe die Region als ein Geflecht aus Arbeits-, Lebens- und Erholungsraum. Nicht allein die Pflege der Reben stehe im Zentrum, sondern auch Themen wie nachhaltige Nachnutzung brachliegender Flächen, Trockenmauersanierung oder der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten.

Konkret übernimmt das erfahrene Planungsbüro Neuland + Regionalbüro Hohenlohe-Franken die Ausarbeitung des Konzepts. Koordiniert wird das Projekt vom Landratsamt unter der Federführung von Gerd Holzwarth, Dezernent für Forst, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Auch eine enge Rückkopplung mit den Kommunen sei fest eingeplant, versichert Landrat Sigel: „Die Maßnahmen müssen bei den Winzerinnen und Winzern vor Ort ankommen – nicht in der Theorie, sondern in der Praxis.“

Lernen von den Nachbarn in Ludwigsburg

Ein Blick über die Kreisgrenzen zeigt, dass ein ILEK funktionieren kann. Im Landkreis Ludwigsburg etwa wurden mit den Projekten „Enzschleife“ und „Neckarschleife“ neue Wege im Steillagenweinbau beschritten. Trockenmauerkurse, Flurbereinigungen, Genussplätze – rund 700 000 Euro an Fördermitteln flossen dort binnen vier Jahren in 64 Einzelmaßnahmen. „Diese Vorbilder zeigen uns, was möglich ist“, sagt die Steillagenbeauftragte des Kreises, Steffi Kahleiß.

Auch im Remstal soll es nicht bei guten Vorsätzen bleiben. Erste Ansätze sind sichtbar: Nach zwei Wanderführern wurde kürzlich ein „Genuss-Radführer“ vorgestellt, der das Remstal als Erlebnisraum weiter stärken soll. Die Marke „Remstal“ – bei der Remstal-Gartenschau 2019 noch als Vision gefeiert – wird nun als wirtschaftlicher und touristischer Motor verstanden. „Wir machen das Remstal sichtbar“, so Sigel.

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