Radsport in Fellbach
: Rasante Jagd über Berg und Tal

Beim Radsportwochenende Fast & Forest in Fellbach feiern die Zuschauer entlang der Straße und auf dem Kappelberg die schnellen Sportlerinnen und Sportler im Sattel.
Von
Eva Herschmann
Rems Murr Kreis
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Stuttgarter Zeitung

Die Anstrengung war in den Gesichtern abzulesen. Beim Radsportwochenende in Fellbach waren stramme Waden, starke Oberschenkel und Durchhaltevermögen angesagt – auf der Straße und am Berg. Fast & Forest: Bei bestem Sommerwetter strampelten am Freitag und am Sonntag Amateure und Profis im Sattel durch die Innenstadt und über den Kappelberg.

Bei der Premiere im vergangenen Jahr hatte es in Strömen geregnet, und der Schorndorfer Jannik Steimle hatte das Rennen gewonnen, das von vielen Stürzen auf dem nassen Asphalt begleitet war. Der Vorjahressieger war diesmal nicht dabei. Jannik Steimle war bei der viertägigen Tschechien-Rundfahrt gefordert. Dafür spielte aber das Wetter mit. „Das haben wir uns auch verdient“, sagte Marc Sanwald, der Abteilungsleiter der Radsportabteilung des TSV Schmiden, der mit seinem Stellvertreter Christian Schröder das zweitägige Radsportspektakel in Fellbach ins Leben gerufen hat.

Nachfolger des Rems-Murr-Pokals

Fast & Forest ist die Nachfolgeveranstaltung des Rems-Murr-Pokals, der von 2009 bis 2019 ein Rennrad-Highlight in der Region war, mit einem Nachtrennen in Schorndorf, einem Straßenrennen in Backnangs Altstadt und einem Bergkriterium auf dem Kappelberg. Jetzt konzentriert sich das zweitägige Renngeschehen auf die Innenstadt von Fellbach und den Hausberg.

Für Gerhard Ammon, den Chef der Stadtwerke Fellbach, gibt es wenig Schöneres, „als bei Sommerwetter Fahrrad zu fahren“. Mit einigen Mitarbeitenden schwang er sich am Freitag für den Charity Race in den Sattel, dem Auftakt von Fast & Forest. Insgesamt 80 Radfahrerinnen und Radfahrer traten für den guten Zweck in die Pedale. Darunter auch Alexander Herr, der frühere Skispringer aus Furtwangen im Schwarzwald und Goldmedaillengewinner mit der Mannschaft bei den Weltmeisterschaften in Lahti 2001. Fellbachs Baubürgermeisterin Beatrics Soltys, weithin als passionierte Radfahrerin bekannt, war ebenfalls dabei. Und das Benefizrennen für die Flutopfer im Rems-Murr-Kreis brachte 5000 Euro ein, die Landrat Richard Sigle am Sonntag entgegennahm.

Einen Tag bevor bei den Olympischen Spielen in Paris am Samstag die besten Radfahrer der Welt zum Zeitfahren auf den Straßen der französischen Metropole antraten – und der Belgier Remco Evenepoel die Goldmedaille gewann – konnte das Publikum in Fellbach hautnah beim Rundstreckenrennen durch Fellbach dabei sein. Los ging es am Freitag mit einem spektakulären Parallelsprint über 200 Meter und dem „SWF-Rennrad-Kriterium“.

Start und Ziel war am Guntram-Palm-Platz. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 Stundenkilometern flogen die Männer mit den strammen Waden über den Asphalt und das Pflaster – haarscharf an den Zuschauern vorbei, die den Fahrtwind spürten. 60 Kilometer – oder-50 mal den Rundkurs über 1200 Meter – galt es, zu bewältigen, und die Strecke war anspruchsvoll. Nennenswerte Anstiege gab es zwar keine, dafür viele Kurven. „Die müssen alle beißen“, sagte Rennsprecher Freddy Eberle, der seit vielen Jahren nicht nur in Fellbach die Stimme des Radsports ist und das Rennen mit viel Fachkenntnis kommentierte.

Das 37-köpfige Feld war international. Mit „AC Sparta Praha“ fuhr ein Team aus Tschechien mit, und als Favorit ging der Schweizer Fabian Lienhard ins Rennen. Der 30-jährige Radprofi, der in diesem Jahr bei der Flandern-Rundfahrt, beim Ein-Tages-Klassiker Paris–Roubaix und beim Giro d’Italia am Start war, strampelte ohne die Unterstützung einer Mannschaft. Dario Rapps, amtierender deutscher Kriteriumsmeister, hatte mit Steffen Greger und Julian Kern zwei Teamkollegen vom RSC Kempten an seiner Seite und am Ende in einem Fotofinish gegen Fabian Lienhard die Nase vorne.

Die Zähne zusammenbeißen mussten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihren Mountain- und Gravelbikes beim sonntäglichen Rennen auf dem Kappelberg über Stock und Stein – und mit dem Steilsten, was Fellbach zu bieten hat: dem alten Kelterweg hinauf zum Waldschlössle mit 21 Prozent Steigung. Viermal musste der Hang für die Langdistanz bewältigt werden. „Ich habe es ausprobiert, es ist machbar“, sagte Marc Sanwald. „Und es ist auch niemand ausgestiegen“, sagt er und freute sich über viel positives Feedback. Alexander Herr, der die Kurzstrecke mitfuhr, strampelte nur einmal hinauf. „Danach habe ich am helllichten Tag einen Sternenhimmel über Stuttgart gesehen“, sagte er grinsend.

Viel Kraft ist beim Bezwingen des Kappelbergs gefragt.

Foto: Eva Herschmann

Nach mehr als drei Stunden waren auch die Letzten im Ziel bei der neuen Kelter, wo bei Sonnenschein ein Volksfest mit Livemusik und Bewirtung gefeiert wurde. Für die Kinder war ein „Kids-Skill-Parcours“ mit Slalom und Rampen aufgebaut, und es gab eine Showeinlage mit Prominenten. Beim „Bikeathlon“ trat Alexander Herr gegen die frühere Biathletin Simone Hauswald, die Mountainbike-Legende Karl Platt, der zuvor mit der Zeit 2:22,12 Stunden die Masterklasse gewonnen hatte, und den Elite-Straßenradfahrer und Fellbacher Weinbauer Jakob Heni an. Die Mischung aus Radfahren und Scheibenschießen war eine Gaudi. Es gewann Simone Hauswald, die als Einzige auf kleine Scheiben schoss. Denn die hatte der frühere Paralympics-Biathlon-Bundestrainer und gebürtige Backnanger Rolf Hettich neben den Laser-Gewehren und den großen Scheiben für die Herren auch mitgebracht.

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