Razzia im Rems-Murr-Kreis
: Neue Details: In diesen Städten wurden die Mafia-Verdächtigen verhaftet

Bei der Großaktion gegen die organisierte Kriminalität wurden im Rems-Murr-Kreis fünf Menschen festgenommen. Vor allem zwei Städte bildeten bei den Razzien einen Schwerpunkt.
Von
Phillip Weingand
Rems Murr Kreis
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Am Dienstag nahm die Polizei 34 Menschen fest und beschlagnahmte Beweise und Bargeld.

Polizia di Stato

Dieser Fall wird Fahnder und Gerichte noch eine ganze Weile beschäftigen: Nach der Großrazzia vom Dienstag, die sich in Deutschland und Italien gegen mutmaßliche Mitglieder der italienischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta richtete, laufen die Ermittlungen weiter. 34 Festnahmen, 40 durchsuchte Häuser, 350 beteiligte Polizisten, darunter viele Angehörige von Spezialkräften, und mehr als 70 Aktenordner mit Indizien sind nur einige Belege dafür, wie umfangreich die Aktion war.

Kampf gegen die Mafia: Fünf Festnahmen im Rems-Murr-Kreis

Um die komplexen und Ländergrenzen überschreitenden Ermittlungen nicht zu gefährden, halten sich Staatsanwaltschaft und Polizei seit der Pressekonferenz am Dienstag mit der Herausgabe von weiteren Informationen zurück. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat auf Anfrage unserer Zeitung jedoch einige Hintergründe zu den Festnahmen im Rems-Murr-Kreis mitgeteilt.

Von den insgesamt 34 Festnahmen in Deutschland und Italien ereigneten sich 14 in Deutschland, fünf von diesen im Rems-Murr-Kreis – konkret in Fellbach und Kernen. Auch im Landkreis Ludwigsburg gab es Festnahmen. Unter welchen konkreten Tatvorwürfen die Personen dingfest gemacht wurden, verschweigt die Staatsanwaltschaft derzeit mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Der Tatverdacht scheint jedoch hinreichend zu sein, denn alle fünf Festgenommenen sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Der 46 Jahre alte Polizist, dem vorgeworfen wird, Geheimnisse an die ’Ndrangheta verraten zu haben, wurde laut Informationen unserer Zeitung nicht im Rems-Murr-Kreis verhaftet, sondern an einem bislang unbekannten anderen Ort. Der Schutzpolizist ist von diesen der einzige Festgenommene mit deutscher Staatsangehörigkeit, die anderen Beschuldigten sind Italiener. Von den 40 Hausdurchsuchungen im Rahmen der Operation fanden 19 in Deutschland, 21 in Italien statt.

Operation Boreas – der Name der Aktion gegen die Mafia ist kein Zufall

Deutsche und italienische Behörden schlugen gleichzeitig zu.

Foto: Polizia di Stato/dpa

Laut dem Aalener Polizeipräsidenten Reiner Möller gab es bei den Festnahmen keine Gegenwehr. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft teilt zudem mit, Waffen seien im Rems-Murr-Kreis keine gefunden worden – im Gegensatz zu anderen Einsatzorten, denn bei der Operation Boreas wurden insgesamt fünf Schusswaffen nebst Munition sichergestellt.

Möller lobt die Zusammenarbeit der deutschen und italienischen Behörden sowie Eurojust, der Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen. Auch von der anderen Seite der Grenze gibt es Anerkennung: „Die Operation bestätigt einmal mehr die Professionalität und die Ermittlungsfähigkeiten unserer Polizeikräfte sowie die erfolgreiche Kooperation mit anderen Ländern“, sagte der Präsident der Region Kalabrien, Roberto Occhiuto, gegenüber italienischen Medien.

Erinnerungen an großen Schlag gegen die ’Ndrangheta werden wach

Die lange Zeit streng geheim ablaufende Aktion gegen die kalabrische Mafia trug den Namen Operation Boreas – kein Zufall. In der griechischen Mythologie ist Boreas der personifizierte Nordwind, Sohn eines Titanen und einer Göttin. Diese Namensgebung, die von den italienischen Ermittlern vorgeschlagen wurde, weckt Erinnerungen an die Operation Styx aus dem Jahr 2018. Diese hatte mit 169 Festnahmen zwar einen deutlich größeren Maßstab – doch auch sie war nach der griechischen Mythologie benannt. Styx bezeichnet einen Fluss der Unterwelt, die Grenze zwischen Leben und Tod. Auch andere Operationen der italienischen Behörden gegen die ’Ndrangheta trugen Namen aus der griechischen Sagenwelt.

StZ Rems-Murr-Kreis
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