Rems-Murr-Klinik Schorndorf
: „Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten“: Richtfest beim Klinikneubau

Mitten in der Finanzkrise entsteht in Schorndorf ein neues medizinisches Zentrum – effizient geplant, menschlich gedacht. Was hinter dem Optimismus beim Richtfest steckt.
Von
Frank Rodenhausen
Rems Murr Kreis
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Der Rohbau des „neuen Herzstücks“ der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf steht.

Gottfried Stoppel

Der Ort ist minimalistisch: nackter Beton, Baustellencharme, Kabel an der Decke. Und doch liegt etwas Feierliches in der Luft. Vielleicht wegen des warmen orangefarbenen Lichts, das den Rohbau der Rems-Murr-Klinik Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) in Szene setzt. Vielleicht auch, weil hier gerade nicht nur ein Gebäude wächst, sondern ein zukunftsfähiges Versprechen: bessere Medizin, schnellere Wege, moderne Diagnostik.

Wo später einmal Patienten mit Herzproblemen oder Schlaganfällen versorgt werden sollen, treffen sich am Montagabend, gut ein Jahr nach dem symbolischen Spatenstich, rund 100 Gäste. Viele Kreisrätinnen und Kreisräte sind direkt von der Sitzung in der benachbarten Barbara-Künkelin-Halle gekommen. Es ist Richtfest. Und auch wenn das Budget knapp und die Baustellen dieser Zeit zahlreich sind: hier herrscht Optimismus.

Neubau mit politischer Symbolkraft

„Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten“, nennt Landrat Richard Sigel den Funktionsneubau und trifft damit den Ton. In der Kreistagssitzung zuvor hat er die schwierige Finanzlage des Kreises skizziert, nun setzt er ein Zeichen der Zuversicht. Der Bau sei im Zeit- und Kostenplan, betont Sigel – eine Seltenheit dieser Tage. Umso bemerkenswerter: Das ursprüngliche Architekturbüro hatte Insolvenz angemeldet, und doch läuft das Projekt stabil weiter.

Landrat Richard Sigel, Ministerialdirektorin Leonie Dirks, Schorndorfs OB Bernd Hornikel, Klinik-Geschäftsführer André Mertel, Klinikleiter Rainer Pfrommer und Pflegedirektor Giancarlo Cannavò üben sich fürs Richtfest-Foto als Maurer.

Foto: Frank Rodenhausen

Das Land Baden-Württemberg steuert 73 Millionen Euro bei, rund 60 Prozent der Gesamtkosten. Die Ministerialdirektorin Leonie Dirks spricht beim Richtfest von einem „Bekenntnis zur bestmöglichen medizinischen Versorgung“. Die Förderzusage sei nicht nur ein finanzieller Beitrag, sondern Ausdruck von Vertrauen.

Zentrum der Versorgung für eine ganze Region

12.400 Quadratmeter, drei Etagen, moderne Medizintechnik: Was derzeit noch ein Skelett aus Beton ist, soll bis 2028 das neue Herzstück der Klinik werden. Im Erdgeschoss entsteht eine zentrale Notaufnahme mit Schockraum, umgeben von Endoskopie, Radiologie, Herzkatheterlabor und Überwachungsstation. Die Wege sind kurz gedacht. Ein echter Vorteil, nicht nur im Notfall.

Im ersten Obergeschoss folgt eine Intensivstation mit Intermediate Care und Stroke Unit. Auch eine Infektionsstation mit zehn Betten ist geplant, Lehren aus der Pandemie fließen sichtbar in die Konzeption ein. Im zweiten Obergeschoss schließlich werden acht OP-Säle und drei neue Kreißsäle untergebracht.

„Es ist mehr als ein Bauvorhaben. Es ist ein Bekenntnis.“

„Sie schaffen hier zukunftsfähige Strukturen“, sagt Leonie Dirks und bedankt sich auch im Namen von Gesundheitsminister Manfred Lucha. Der Klinikgeschäftsführer André Mertel nennt den Bau einen „Meilenstein für den Standort Schorndorf“. Und Schorndorfs Oberbürgermeister Bernd Hornikel geht noch weiter: „Es ist mehr als ein Bauvorhaben. Es ist ein Bekenntnis.“ Während andernorts über Schließungen gesprochen werde, zeige der Landkreis, dass er auch in Krisenzeiten nicht an der medizinischen Versorgung spare.

Dabei ist klar: Die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen machen es Kommunen und Landkreisen alles andere als leicht. Doch mit dem Schulterschluss zwischen Land, Kreis, Stadt und Klinikleitung scheint hier ein Modell gelungen, das Vorbildcharakter haben könnte.

Im Fokus: Menschliche Bedürfnisse im Klinikneubau

Bei all den nüchternen Zahlen gerät leicht in Vergessenheit, worum es eigentlich geht: die Menschen. Für sie soll der Neubau mehr als nur eine technisch perfekte Hülle sein. Vor allem ältere Patienten sollen von kurzen Wegen und einem klaren Leitsystem profitieren. Weniger Verwirrung, mehr Orientierung, auch das gehöre zu guter Medizin.

André Mertel bleibt beim Richtfest aber auch am Boden der Tatsachen: „Wir bauen keine Luftschlösser.“ Alles bleibe im Rahmen der Krankenhausreform, die den Häusern wenig Spielraum lasse. Trotzdem – oder gerade deswegen – entstehe hier etwas mit Substanz und Richtung.

Verlässlichkeit in unruhigen Zeiten

Nach all den Reden folgt der Moment für Zimmermeister Tobias Back. Auf einem symbolischen Gerüst hebt er das Glas, spricht den traditionellen Richtspruch, zerschmettert das Glas am Boden. Der Applaus ist warm, fast erleichtert.

Zimmermeister Tobias Back erhebt das Glas für den Richtspruch.

Foto: Frank Rodenhausen

Der Abend in Schorndorf markiert mehr als einen Baufortschritt. Er steht für den Versuch, in unruhigen Zeiten Verlässlichkeit zu schaffen. Zwischen Beton und Baugerüst zeigt sich, wie viel Organisation, politischer Wille und Vertrauen nötig sind, um medizinische Versorgung weiterzudenken. Der Neubau der Rems-Murr-Klinik ist kein Symbol des Überflusses, sondern eines der Beharrlichkeit – ein Bauwerk, das nüchtern bleibt und doch Hoffnung trägt.

StZ Rems-Murr-Kreis
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