Rems-Murr-Kreis: 117 Einsätze, Brände und Notfälle – warum Silvester für Retter kein Feiertag ist

Während andere feiern, haben Rettungskräfte Hochkonjunktur. Hier ein Feuerwehreinsatz in der Silvesternacht in Fellbach.
Blaulichtzentrale/Kevin LermerWenn allenthalben die Sektkorken knallen, steht beim Roten Kreuz keiner still. Die Silvesternacht 2025/26 war im Rems-Murr-Kreis nicht nur laut, sondern auch arbeitsreich. Während viele ausgelassen feierten, rückten Rettungswagen, Notärzte und Feuerwehr zu insgesamt 117 Einsätzen aus – etwas weniger als im Vorjahr. „Es war eine lebhafte Nacht“, lautet das Fazit des DRK-Kreisverbands Rems-Murr.
Die Bilanz sieht so aus: 68 Mal mussten die Notfallretter ausrücken, oft wegen Kreislaufproblemen oder Atemnot – später kamen alkoholbedingte Stürze und Verbrennungen hinzu. Die Feuerwehr kämpfte bei 49 Einsätzen gegen Hecken- und Mülleimerbrände, meist ausgelöst durch unsachgemäß gezündete Böller. In Weissach im Tal etwa verhinderten Ehrenamtliche das Übergreifen eines Schuppenbrands auf ein Wohnhaus.
Silvester: Ausnahmezustand bei ganz normalen Mitteln
Was viele nicht wissen: Die Integrierte Leitstelle arbeitet in dieser Nacht mit regulärer Besetzung. „Vier Mitarbeiter waren im Einsatz, weitere hätten jederzeit hinzukommen können“, so das DRK. Ein Sonderprogramm? Fehlanzeige. Dass trotzdem alles funktioniert, liegt am Rückgrat der Rettung: dem Ehrenamt.

In der Integrierten Leitstelle des DRK in Waiblingen wurden in der Silvesternacht 117 Einsätze koordiniert.
Foto: Gottfried StoppelVon Backnang bis Spiegelberg standen zehn zusätzliche Fahrzeuge bereit, besetzt mit freiwilligen Sanitätern. Die Ortsvereine feiern häufig gemeinsam, mit Funkgerät und Blaulicht in Reichweite. Ab 20 Uhr am Silvesterabend bis 3 Uhr früh hielten sie sich einsatzbereit.
Reibungslose Rettung: Ehrenamtliche Ersthelfer im Einsatz
Ein Zimmerbrand in Winnenden gegen 0.21 Uhr – Fehlalarm. Doch kurz danach wurde es ernst: In der Morgendämmerung kam es zu einer Reanimation. Ehrenamtliche Ersthelfer waren unter den ersten vor Ort, alarmiert über die App „Corhelper“. Die Zusammenarbeit mit den Profis klappte reibungslos, wie ein Mitarbeiter der Leitstelle betont.
Auch der Krankentransportwagen war 19 Mal unterwegs. Der Regelrettungsdienst absolvierte 42 Fahrten, sieben Mal kam zusätzlich ein Notarzt – oft dann, wenn die Minuten über Leben oder Tod entscheiden. „Ohne die Ehrenamtlichen wären solche Spitzenzeiten nicht zu bewältigen“, heißt es aus der Kreisbereitschaftsleitung.
Ein starkes Zeichen für Solidarität und Engagement
Was in dieser Nacht zählt, ist die Bereitschaft, da zu sein. Ohne Dienstplan. Ohne Zwang. Nur mit dem festen Willen, zu helfen. „Es gibt keine Vorschrift, dass Ehrenamtliche an Silvester bereitstehen müssen“, betont das DRK. Dass es trotzdem so viele tun, ist ein starkes Zeichen – für Solidarität, für Engagement, für gelebte Mitmenschlichkeit.
Der DRK-Kreisverband Rems-Murr dankt allen Haupt- und Ehrenamtlichen, den Freiwilligen Feuerwehren und allen Hilfsorganisationen – für eine Silvesternacht, die sicherer war, weil Menschen bereit waren, ihre Zeit zu schenken.
