Rems-Murr-Kreis: Winzige Brennhaare: Warnung vor Eichenprozessionsspinnern

Die feinen Haare der Raupen können Allergien auslösen.
picture alliance/dpaWo alte Eichen stehen, droht jetzt Ärger. Denn mit dem Sommer breiten sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus – und ihre Brennhaare können Mensch und Tier gefährlich werden, warnt das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises. Insbesondere an Waldrändern und in sonnigen Lagen ist besondere Vorsicht geboten.
Haare der Eichenprozessionsspinner enthalten Gift
Der Eichenprozessionsspinner ist ein wärmeliebender, graubrauner Nachtfalter, der an sich für den Menschen und auch aus forstwirtschaftlicher Sicht eher unbedeutend ist. Das Problem sind die Raupen, besser gesagt deren feine Brennhaare: Sie sind hohl, enthalten eine giftige Substanz, brechen leicht ab und werden bei entsprechender Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen.

Ein großes Raupennest. Bei Wind können sich die Haare ablösen und .
Foto: picture-alliance/ dpaAn den Abbruchstellen sind die Haare scharf und bohren sich beim Menschen bevorzugt an dünnen Hautstellen ein. Diese Fremdkörper und ein von einer Drüse gebildetes und in den Hohlraum der Haare abgegebenes, lösliches Protein (Thaumetopoein) verursacht eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausfallen kann:
Wenn die Raupenhaare ins Auge geraten, kommt es leicht zu einer akuten Bindehautenzündung mit Rötung und Lichtscheue. Die Augenlider schwellen stark an. Noch gefährlicher ist es, wenn sich die Gifthaare in die Augenhornhaut bohren. Doch auch das Einatmen der Haare tut nicht gut: es reizt Mund- und Nasenschleimhäute. Dies kann im Rachenbereich zu Entzündungen führen, die Nasenschleimhaut anschwellen lassen und Bronchitis, schmerzhaften Husten und Asthma verursachen.
Kontakt mit Eichenprozessionsspinner-Raupen unbedingt vermeiden
Fazit: Den Kontakt mit den Raupen sollte man konsequent vermeiden. Falls man in einem Waldstück derartige Tiere antreffen sollte, gilt grundsätzlich: Raupen und Nester nicht berühren. Empfindliche Hautbereiche wie Nacken, Hals und Unterarme schützen. Und sollte man doch in Kontakt mit den Raupenhaaren kommen: möglichst schnell die Kleidung wechseln, duschen und Haare waschen. Wer Symptome bei sich feststellt, der sollte einen Arzt aufsuchen.
Das Forstamt des Rems-Murr-Kreises rät daher dringend, in betroffenen Eichenwäldern die Wege nicht zu verlassen. Besonders gefährdete Personen sollten Eichenbestände in den kommenden Wochen möglichst meiden. Auch von der Nutzung von Bänken, Spielplätzen oder Grillstellen in unmittelbarer Nähe alter Eichen wird im Juli und August abgeraten. Bekämpft werden die Raupen im Wald in der Regel nicht: Sie gehören zu den „waldtypischen Gefahren“, teilt das Landratsamt mit.
Kommunen entscheiden über Maßnahmen gegen Eichenprozessionsspinner
Für Ortslagen, insbesondere im Bereich von Schulen oder Spielplätzen sind die Kommunen zuständig und entscheiden nach eigenem Ermessen, ob Warntafeln aufgestellt, Spielplätze gesperrt oder andere Maßnahmen ergriffen werden.

Die Raupen bei ihrer Prozession.
Foto: Frank SchulteDer Eichenprozessionsspinner ist in Deutschland seit rund 200 Jahren heimisch, vor allem im Süden und im Rheintal. Der Klimawandel fördert seine weitere Ausbreitung. Die Tiere bevorzugen Eichen in warmen, sonnigen Lagen – etwa an Waldrändern oder vereinzelt stehenden Bäumen. Die Entwicklung beginnt Ende April mit dem Schlüpfen der jungen Raupen, die zunächst die frischen Eichenblätter fressen. Erst ab der zweiten Häutung – etwa Ende Mai – bilden sich die gefährlichen Brennhaare. Ab dann sind die Raupen in den charakteristischen „Prozessionen“ unterwegs und legen ihre weißen Gespinstnester an Ästen und Stämmen an.
Natürliche Feinde
Die Verpuppung folgt im Juli, im August schlüpfen die unscheinbaren graubraunen Falter. Ein Weibchen kann bis zu 150 Eier in die Baumkrone legen – der Kreislauf beginnt von Neuem. Übrigens bleiben die Haare über Jahre aktiv und können aus alten Nestern oder Bodenlaub erneut aufgewirbelt werden. Trotz ihrer wehrhaften Brennhaare hat die Raupe natürliche Feinde: Schlupfwespen, Raupenfliegen und sogar der Kuckuck können den Eichenprozessionsspinner fressen. Das trägt zur natürlichen Regulierung bei – doch bei einer massenhaften Ausbreitung stoßen auch die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners an ihre Grenzen.
