Schorndorfer Kunstnacht: Der vergängliche Charme der Villa Kunterbunt

Fallback Image STZ
Stuttgarter ZeitungDass die besten Partys in der Küche stattfinden, ist ein offenes Geheimnis. Dort, wo es noch nach Essen riecht und der Kühlschrank in greifbarer Nähe ist, herrscht durchs stetige Kommen und Gehen nicht nur kein Mangel an Gesprächspartnern. Auch die Atmosphäre ist in der Regel lockerer als am Stehtischchen im Wohnzimmer.
Übertragen lässt sich das Phänomen mit den besonderen Reizen einer Küchenparty zumindest in eingeschränkter Form auch auf die Kunstwelt. In Schorndorf beispielsweise war am Wochenende eine bisher nicht als Museumsort bekannte Villa in der Weilerstraße der „place to be“. Die Malerin Annette Schock hatte diverse Künstlerkollegen zu einer provisorischen Ausstellung in das einst herrschaftliche Haus und den durchaus weitläufigen Garten geladen. „Villa Kunterbunt“ nannte sich das vom Keller bis zum Dach reichende Gemeinschaftsprojekt, bei dem gezeichnete Schweine im Treppenhaus von den Wänden grunzten und geschnitzte Gorillas von der Decke hingen.
Mit den kreativen Köpfen strömte auch das Publikum
Im Gartenpavillon war eine schummrige Installation mit Wachs und Glühbirnen zu sehen, über den Rasen des Vorgartens krabbelten aus dem Bett gefallene Säuglings-Puppen. Mit von der Partie waren neben Schock und Hausbewohner Carell Filusch auch Hardy Langer und Paula Pelz, Yana Duga und Simone Fezer, Ulrich Kost und Thomas Putze. Dazu gab`s Weine von Annette Schocks Bruder Jochen Beurer und Live-Rap ihrer beiden eigens aus Barcelona angereisten Söhne Max und Konstantin. Und: Mit den kreativen Köpfen strömte auch das Publikum an den Schorndorfer Stadtrand.
Die Sorge der Initiatorin, sie könnte bei der am Vorabend der Kunstnacht veranstalteten Vernissage womöglich ohne Gäste dastehen, erwies sich als unbegründet. „Ich bin geflasht, wie viele Leute da sind“, freute sich Annette Schock über die starke Resonanz. Gut 300 Menschen dürften schon am Eröffnungsabend in die Villa Kunterbund gelockt worden sein – das Provisorium hat fraglos seinen besonderen Reiz entfaltet.
Spruchreif ist bei den Bauplänen für das Areal noch nichts
Seit sie 2019 ein Atelier im Obergeschoss der altehrwürdigen Villa in Besitz genommen hat, liebäugelte sie mit der Idee, den einstigen Wohnsitz der durch die örtlichen Ziegelwerke bekannt gewordenen Familie Groß künstlerisch zu bespielen. Jetzt war womöglich die letzte Chance, den Gedanken auch in die Tat umzusetzen. Das 1933 erbaute Anwesen gehört einem befreundeten Bauträger, neben der Sanierung der noch den Charme früherer Jahrzehnte atmenden Villa steht der Bau von zwei Mehrfamilienhäusern auf dem Grundstück im Raum. Spruchreif ist bei den Bauplänen laut Annette Schock zwar noch nichts, die drei Vorhaben sind wegen der Immobilienkrise vorerst auf Eis gelegt. Doch ob es die Villa Kunterbunt noch einmal gibt, steht dennoch in den Sternen.