Schulstart im Rems-Murr-Kreis
: Keine Angst vorm neuen Schulweg: So meistern Kinder Bus- und Bahnfahren

Für neue Fünftklässler ändert sich einiges – darunter der Schulweg. Der muss jetzt häufiger mit Bus und Bahn klappen. Der VVS hat dafür gesorgt, dass Familien sich vorbereiten konnten.
Von
Simone Käser
Rems Murr Kreis
Jetzt in der App anhören

Den klassischen Schulbus gibt es kaum noch. Deshalb üben die Schüler, mit den regulären Bus- und Bahnlinien sicher zu fahren.

dpa

Als ihr Sohn Emin in die weiterführende Schule – das Max-Planck-Gymnasiums in Schorndorf – kam, war für Mama Tamara Kar eine Sache vor Anfang an klar: Elterntaxi Fehlanzeige. „Wir wollen nicht, dass unser Sohn unselbstständig ist und ständig von uns gefahren wird. Das geht einfach nicht, auch wegen der Jobs“, sagt die Frau aus Urbach, die neben Emin noch einen kleineren Jungen hat.

Der freut sich schon wenn sein Bruder ihm alles zum Busfahren erklärt, denn Emin ist längst ein alter Hase und weiß genau Bescheid über seinen Schulweg – Abfahrten, Haltestellen, Verhalten im Bus und beim Ein- und Aussteigen. „Nach zwei bis drei Tagen Schule hatte er alles drin und wusste Bescheid“, erinnert sich Tamara Kar an die Anfänge im vergangenen Jahr. Denn nun startet der aufgeweckte Elfjährige bereits in der sechsten Klasse durch.

Den Schulweg in den Ferien üben, das konnten viele Fünftklässler

Doch er hat etwas mit den diesjährigen Fünftklässlern gemeinsam. Genau wie die, konnte auch Emin den neuen Schulweg bereits in den Sommerferien mit seinen Eltern und Geschwistern üben – dank des Eltern-Kind-Tickets der VVS. Denn der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) hat dieses Jahr bereits zum zweiten Mal das Eltern-Kind-Ticket an alle Grundschulen verteilt. Damit konnten Eltern mit ihren Kindern, die im neuen Schuljahr in die fünfte Klasse kommen, den Schulweg mit den Öffentlichen üben. Die Grundschulen hatten die VVS-Broschüre mit dem kostenlosen Ticket vor den Sommerferien an alle Familien der aktuellen Viertklässler verteilt. „Mit diesem Ticket möchten wir den Schritt von der Grundschule auf die weiterführende Schule erleichtern. Zugleich wollen wir den Kindern Sicherheit im Umgang mit unseren Verkehrsmitteln vermitteln. Uns ist es wichtig, dass die Schüler in der Region selbstbewusst und vor allem sicher mit Bus und Bahn unterwegs sind“, sagt die VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian. Oft sei es das erste Mal, dass die Neun- oder Zehnjährigen regelmäßig mit Bahnen oder Busse fahren, wenn sie nach der vierten Klasse die Schule wechseln“, sagt Cornelia Christian.

Ein Schulwechsel ist oft verbunden mit emotinalen Themen

Und sie weiß wovon sie spricht. Denn als bei ihr privat die selbe Situation anstand, war sie es, die die Notwendigkeit zum Üben sah und das Ticket, das jetzt auch Schülern und damit Familien im Rems-Murr-Kreis treue Dienste leistet, mal eben in Bielefeld entwickelte. „So ein Schulwechsel ist verbunden mit emotionalen Themen und der Aufgabe, das Loslassen zu üben. Das nutzen wir für uns, indem wir mit dem Ticket mit dem einmal mit der ganzen Familie der Hin- und Rückweg zur neuen Schule getestet werden kann, eine Hilfestellung geben“, sagt die VVS-Geschäftsführerin.

Dabei kriegt sie viel Zustimmung. Zum einen von Niklas Hetfleisch, zuständig fürs Marketing beim VVS, der sich die Schilderungen von Emin Kar ebenfalls begeistert anhörte. Mit Daniel Wiedmann, Leiter des Amts für Öffentlichen Personenverkehr, war auch der Rems-Murr-Kreis bei dem Treffen mit Emin und seiner Mama Tamara mit im Boot. „Gerade im ländlicheren Raum des Kreises ist es wichtig, dass Kinder lernen selbstständig und sicher mit Bus und Bahn unterwegs zu sein“, sagt der Zuständige für den Kreis. Dieser arbeite mit dem VVS eng zusammen, fördere solche Aktionen und finanziere auch gezieltes Schulbustraining an Schulen. „Das nimmt auch den Eltern ein Stück Sorge ab“, sagt Daniel Wiedmann und spricht Tamara Kar damit wohl aus der Seele.

Bei der Fahrt mit dem Bus gibt es viel zu entdecken. Emin Kar gefällt sein Schulweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und Mama Tamara ist stolz, wie gut ihr Sohn es meistert.

Foto: Frank Eppler

„Das Ticket kam für uns genau zur richtigen Zeit. Wir waren positiv überrascht, als uns die Wittumschule in Urbach das Ticket am letzten Schultag ausgehändigt hat. Wir haben nicht lange gezögert und sind ein paar Tage später direkt mit dem Bus von Urbach nach Schorndorf gefahren. So konnten wir den Schulweg in Ruhe abfahren und herausfinden, wo die beste Ein- und Ausstiegsmöglichkeit ist. Toll, dass es mittlerweile das kostenlose Angebot gibt“, freut sich Emins Mutter. Emin fahre die Strecke dank des Angebots sicher und mit jeder Menge Spaß.

Und was sagt Emin selbst? Der erinnert sich, dass es anfangs ganz schön ungewohnt war, da er bisher in Grundschulzeiten viel mit dem Fahrrad gefahren und zu Fuß unterwegs gewesen sei. „Die neue Strecke dauert mit dem Bus 25 Minuten und er muss bereits um 7.14 Uhr losfahren, aber wenn seine Freunde auch mal das Rad nehmen, könnte er es testen“, sagt Tamara Kar. Sein Monatsticket werde ihr Sohn trotz Rad viel nutzen.

Die Polizei setzt auf Prävention, damit schwere Unfälle vermieden werden

Apropos Radfahren: Mit dem Ende der Sommerferien erwartet die Polizei wieder deutlich vollere Straßen. Viele Schüler würden das Rad für den täglichen Weg zur Schule, zum Sport oder zu Freunden nutzen. „Gerade in dieser Zeit sind besondere Aufmerksamkeit und Rücksicht erforderlich. Für Radler ist es oft eine Stresssituation, wenn sie von Autos überholt werden“, teilt das Polizeipräsidium Aalen zum Schulstart mit und fordert zu Rücksichtnahme auf.

378 Unfälle auf Schulwegen in Baden-Württemberg

Damit auf dem Schulweg nichts passiert, beginnt nun für die Polizei wieder die Aufgabe, die Schulwege und Verkehrsteilnehmer zu kontrollieren. Und die Bilanz 2024 ist positiv: Im bundesweiten Vergleich ist in Baden-Württemberg das Risiko für Kinder und Jugendliche, im Verkehr zu verunglücken, mit am geringsten. Dennoch ereigneten sich 378 sogenannte Schulwegunfälle, bei denen 339 Kinder und Jugendliche leicht- und 35 Kinder und Jugendliche schwer verletzt wurden; auch ein tödlicher Schulwegunfall musste vermeldet werden. „Deshalb ist Präventionsarbeit so wichtig“, so die Polizei.

StZ Rems-Murr-Kreis
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Rems-Murr-Kreis im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.