Straßentheater in Schorndorf
: Gigantisch: 16 Meter hohe Riesenmarionette als Fliegenklatscher

Spektakuläre Show beim Straßentheaterfestival in Schorndorf: Stefanie Oberhoff präsentiert in ihrer Heimatstadt eine imposante Performance mit 16 Meter hohem Kasper.
Von
Dirk Herrmann
Rems Murr Kreis
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  • Der Riesenkasper mitten in der Schorndorfer Innenstadt.

    Dirk Herrmann
  • Die Fliegen surren und krabbeln durch Schorndorf, am Boden der noch leblose Riese.

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  • Noch sitzt der riesige Kasper auf dem Boden.

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  • Allmählich bekommt die Marionette immer mehr Luft in den Leib gepumpt.

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  • Jetzt geht’s in die Senkrechte.

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  • Und schon hat der Kasper keinen Boden mehr unter den Füßen.

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  • Immer weiter geht es in die Höhe.

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  • Bald in den Wolken über Schorndorf.

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  • Doch dann entweicht alles Leben aus dem Riesen – und er hängt schlaff am Himmel über Schorndorf.

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  • Schlussapplaus für die Organisatorin Stefanie Oberhoff und ihre Mitstreiter in Käferkostümen.

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Es war ein Ereignis, ja ein Spektakel, das es in dieser Form in Schorndorf noch nicht zu sehen gab. Als Hauptact beim diesjährigen, vom Kulturforum organisierten Straßentheaterfestival in der Weststadt – die Premiere gab’s im vergangenen Jahr – begeisterte eine Performance der Superlative die mehreren Hundert Besucher am Fuße der Stadtkirche.

Im Mittelpunkt des kuriosen Schauspiels: der 16 Meter hoch aufragende Kasper – eine Marionette, die quasi mit einer Klatsche die umher summenden Fliegen totschlägt. Ein gigantischer Überlebenskampf mit Insekten, zwei Kränen und dem aufgeblasenen Riesen.

Darbietung in der Heimatstadt

Hinter diesem Projekt steckt die Stuttgarter Bühnenbildnerin, Figurenspielerin und Regisseurin Stefanie Oberhoff. Dass es für die 1967 in Bad Cannstatt geborene Künstlerin allerdings kein nicht ganz alltägliches Projekt war, lag nicht nur an dem immensen Aufwand für dieses Ereignis. Denn Oberhoff ist in der Daimlerstadt aufgewachsen, dort zur Grundschule gegangen und hat am Schorndorfer Burggymnasium die Theater-AG besucht und auch ihr Abitur gemacht.

Später studierte sie an der Kunstakademie Stuttgart bei Professor Jürgen Rose Bühnenbild, ist mittlerweile selbst Dozentin an diversen Hochschulen und auch international mit ihren Projekten unterwegs, etwa in Australien, Afrika und Asien.

Zurück zu den Schorndorfer Wurzeln

So gesehen war der Auftritt im Rahmen der noch bis zum anstehenden Wochenende dauernden Schorndorfer Sommermeile quasi der Weg zurück zu den Wurzeln im mittleren Remstal. „Seit Jahren habe ich darauf gewartet, in Schorndorf mal diese große Arbeit zeigen zu können“, erläutert sie in einem Telefonat mit unserer Redaktion. Denn mit etlichen ihrer nicht ganz so gewaltig dimensionierten Projekte war sie schon in Schorndorf zu sehen, etwa mit der „Gräfin“ genannten, kettenrauchenden Stabpuppe.

Der fliegenklatschende Riese hat seinen Ursprung vor etlichen Jahren in Kinshasa im Kongo, wo Stefanie Oberhoff die Figur „Punch Agathe“ für Straßenaufführungen entwickelte. Im Laufe der Jahre wurde aus der Kinderfigur dann der imposante Riese, den man beim ersten Anblick fast auf eine Größe von 20 Metern schätzen würde.

Entstanden ist die jüngste Performance Oberhoffs als Co-Produktion mit den Snuff Puppets aus dem australischen Melbourne für das internationale Figurentheaterfestival Erlangen, die Premiere gab’s am 24. Mai dieses Jahres. Später war sie beim Moers Festival zu sehen. Schorndorf war nun die erste Station in der Region Stuttgart – der Aufwand ist gewaltig, weshalb ein derartiges Spektakel nicht alle paar Tage am nächsten Ort präsentiert werden kann.

In Schorndorf hatte Stefanie Oberhoff, die das Schauspiel mit einem Walki Talki vom Rand des Geschehens aus dirigierte, eine aus gut zwei Dutzend Menschen bestehende lokale Unterstützerschar gewonnen. Während aus den Lautsprechern laute Summgeräusche zu vernehmen waren, wirbelten die als Insekten verkleideten Figurenspieler über den Platz und bugsierten die zunächst noch leblose Hülle der Riesenpuppe in die richtige Position.

Per kräftiger Luftzufuhr wurde dem Kasper langsam Leben eingehaucht, er gewann immer mehr an Höhe – per Kran kam er schließlich ganz in die Senkrechte. Zum Dank für diese Belebung kassierten die Fliegen allerdings tödliche Schläge vom Kasper.

Der Riese als aufgeblasenes Ego

„Ein aufgeblasenes Ego, das um sich schlägt“, nennt Oberhoff eine mögliche Interpretation: „Ein gigantischer Totentanz zum Thema Widerstand, Vielfalt, Diversität und Solidarität.“ Oder wollte die Figur nur dem unerträglichen Summen der Insektenschar ein Ende bereiten? Der Deutungen gibt es viele.

Wer das Schorndorfer Spektakel verpasst hat: Am Samstag, 18. Oktober, ist das spektakuläre Schauspiel von 15 Uhr an auf dem Rathausplatz in Esslingen am Neckar zu erleben.

StZ Rems-Murr-Kreis
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