Stuttgarter Weindorf: Der Junge und der Wilde – eine super Kombi für die Weinlaube

Adrian Beurer (links) und Johannes Bauerle freuen sich auf ihren gemeinsamen Auftritt beim Weindorf in Stuttgart.
Eva HerschmannIn der Laube mit der Nummer 35, die „der Junge und der Wilde“, wie sie sich selbst bezeichnen, gemeinsam auf dem Stuttgarter Weindorf betreiben, hängt ein – noch – leerer goldener Rahmen. Dort, sagt Adrian Beurer mit einem Grinsen, komme dann die Urkunde für die schönste Weindorf-Laube hin. Selbstbewusst treten sie ja schon einmal auf, der 25-jährige Winzer aus Stetten und der 37-jährige Fellbacher Weinbautechniker.
„Wir ergänzen uns perfekt“, sagt Adrian Beurer. Bereits im vergangenen Jahr hatten der Kernener und der Fellbacher gemeinsame Sache in der „Winzerlaube am Weinbrunnen“ auf dem Marktplatz gemacht. Ihr junges, wildes Konzept kam bei den Besucherinnen und Besuchern an, und in diesem Jahr wollen der Junge und der Wilde noch regionaler auftreten, in der Weinauswahl noch abwechslungsreicher sein und kulinarisch alle Speisen aus eigener Hand anbieten.
Eigene Pop-up-Weinbar in Waiblingen
Der unerschrockene Jungwinzer Adrian Beurer aus Stetten, Sohn des bekannten Bio-Winzers Jochen Beurer, studiert Internationale Weinwirtschaft in Geisenheim. Und er war schon immer forsch unterwegs. Mit 18 Jahren eröffnete Adrian seine eigene Pop-up-Weinbar in Waiblingen und übernahm 2020 einen Geschäftsführerposten der neu gegründeten Stuttgarter Jungwinzer-GbR. Diesen Herbst wird er in den elterlichen Betrieb in Kernen-Stetten einsteigen.
Die Familie des Fellbachers Johannes Bauerle betreibt seit Generationen Landwirtschaft und Weinbau. Der Spargel-, Rinder-, Gänsebesen-Bauerle ist weithin bekannt. Um den Weinbau in den Fokus zu rücken, gründete Johannes Bauerle 2013 sein eigenes Weingut und feierte vergangenes Jahr den zehnten Geburtstag des Weinguts Johannes B.
Nachdem Beurer und Bauerle einige Jahre in der Jungwinzerlaube Hand in Hand gearbeitet hatten, entschieden sie sich im vergangenen Jahr für eine gemeinsame Laube auf dem Weindorf. Es hat den Freunden viel Spaß gemacht, sodass sie nun einen weiteren Anlauf starten, und das Ganze größer als im Vorjahr aufziehen: mit 150 Sitzplätzen und dazu Stehfässern. Ihre Laube ist neu, und wie bei ihren Weinen setzen die beiden auf ehrliches Handwerk und Regionalität. Adrian Beurer und Johannes Bauerle arbeiten mit der Schreinerei Wiegmann aus Rommelshausen zusammen, die ihre Ideen mit Holz aus dem süddeutschen Raum umsetzt.
„Die Gäste sollen sich bei uns wohlfühlen, deshalb legen wir großen Wert auf Naturmaterialien und Gemütlichkeit“, sagt Adrian Beurer. Die Besonderheiten der Laube seien eine wunderschöne Terrasse sowie eine große Bar, erklärt Johannes Bauerle. „Und in unserer Bar-Laube sind auch spontane Besuche möglich, ganz ohne Reservierung. Man kann einfach reinkommen und was trinken.“ Die Barlaube soll, ergänzt der Jüngere, „eine kleine Oase sein“. Außerdem hätten sie einen Weinbrunnen auf dem Dach, aus dem zwar kein edler Tropfen fließe, aber der mit Nebel und Licht in Szene gesetzt werde. „Die Laube passt hervorragend zu uns“, so Beurer.
Auszeichnungen von Meininger oder Falstaff
Ausschenken werden sie in Stuttgart selbstverständlich Weine der Weingüter Beurer und Johannes B. Beide Betriebe setzen auf biologischen Anbau, stehen für eigenwillige, charakterstarke Weine, die hochwertig, aber nicht kompliziert sind. Viele ihrer Produkte wurden von Fachzeitschriften wie Meininger oder Falstaff ausgezeichnet. Aus der reichhaltig vorhandenen Auswahl kredenzen Adrian Beurer und Johannes Bauerle, was gefällt und ihnen selbst gut schmeckt: von frischen Roséweinen, den Klassikern Riesling und Lemberger bis zu den gereiften VDP. Großen Gewächsen. Denn Wein darf ja bekanntlich alles sein und vom Trollinger im Henkelglas bis zu den besten Rieslinglagen der Region alles abbilden.
Für sehr durstige Gäste werden Großflaschen angeboten, und eine Besonderheit sei die „Raritätenliste“, so Beurer. „Die ist mit Sicherheit einzigartig auf dem Stuttgarter Weindorf.“ Und so sehr er und sein Kumpel ihre eigenen Weine lieben und so wichtig ihnen die Regionalität ist, haben sich auch edle Tropfen befreundeter Weingüter im Programm, diesmal sind es Weine von Bernhard Huber aus Malterdingen, Franz Keller vom Kaiserstuhl und von Anna Seeger aus Leimen bei Heidelberg.
Klassiker wie Maultaschen oder Tellergulasch
Das kulinarische Angebot kommt beim Jungen und beim Wilden in diesem Jahr komplett aus dem Hause Bauerle, das die Laube mit regionalen, selbst erzeugten Produkten beliefert. Die Speisenauswahl ist klein, aber fein gehalten. Nicht fehlen dürfen schwäbische Klassiker wie Maultaschen, auch vegetarisch, und Fleischküchle, doch es wird unter anderem auch bekannte Besen-Klassiker wie das Tellergulasch vom Rind, Roastbeef auf Bauernbrot, das Vesperbrett, Zwiebelkuchen, süße Zwetschgen-Buchteln mit Vanillesoße und vieles mehr geben. Das Besenbrot wird täglich in Bauerles eigener Backstube gebacken, und den Kartoffelsalat bereitet die Seniorchefin Karin Bauerle persönlich zu.
Im Mittelpunkt stehen für Adrian Beurer und Johannes Bauerle die Freude an der Gastronomie, das Interesse an Weinen und das Feiern. Und feiern können die zwei Freunde, die seit Jahren zeigen, dass Wein zunächst mal Spaß machen sollte.