Technikdenkmal bei Gschwend
: An der uralten Sägmühle klappert bald ein neues Wasserrad

Seit Jahrhunderten prägt eine Sägmühle das Ortsbild von Hundsberg bei Gschwend – doch ihr Rad dreht sich nicht mehr. Ein gutes Dutzend Engagierter will das ändern.
Von
Phillip Weingand
Rems Murr Kreis

Rund ein Dutzend Freiwilliger baut das Rad der Sägmühle ab.

Phillip Weingand

Die Flex kreischt, Funken fliegen. Überall wird gehämmert, zerbrochen und abgeschraubt: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Abbruch, ist eigentlich genau das Gegenteil: Das alte Mühlrad der Hundsberger Sägmühle dreht sich schon seit einer Weile nicht mehr. „Es lief ja nur noch ab und zu, dazwischen stand es lange still. Dann scheint die Sonne darauf, das Holz verzieht und setzt sich“, erklärt Dieter Frey vom Historischen Verein Welzheimer Wald die Gründe dafür.

Nun soll nun ein neues Mühlrad her – um dafür Platz zu machen, haben am vergangenen Freitag Freiwillige das alte Rad zerlegt. Das morsche Holz wird entsorgt, Metallteile abgebaut und sorgfältig aufbewahrt. So viel des alten Metalls wie möglich soll auch in dem neuen Rad verbaut werden.

Dass die Ehrenamtlichen so einen Aufwand betreiben, um die alte Mühle am Leben zu erhalten, hat seine Gründe: Die Mühle ist ein Stück Technik- und Heimatgeschichte. Etwas abseits der Straße nach Welzheim gelegen, zwischen Bäumen und dem Lauf der Schwarzen Rot, prägt sie den Weiler mit ihrem großen Wasserrad seit Jahrhunderten.

Erbaut wurde die Mühle vermutlich im schon 16. Jahrhundert – damals noch als Stampfmühle für Getreide. Das sogenannte mittelschlächtige Wasserrad, bei dem das Wasser auf Höhe der Achse auftrifft, nutzte lange die Kraft der Schwarzen Rot – ab dem 18. Jahrhundert auch, um Holz zu sägen. Seit 1935 geschieht dies allerdings elektrisch. Das Mühlrad drehte sich nur noch gelegentlich, der Nostalgie willen, doch Holz gesägt wird hier weiterhin, wie die Massen an Brettern und Balken ringsum beweisen.

Die Hundsberger Sägmühle lebt dank vieler helfender Hände weiter

Die Hundsberger Sägmühle

Foto: Phillip Weingand

In seiner langen Geschichte blieb der Betrieb nicht gefeit vor Schicksalsschlägen: 1861 brannte die Mühle nach einer Brandstiftung fast vollständig nieder. Der damalige Sägmüller Jakob Hinderer konnte sie dank einer Versicherung neu aufbauen und erweiterte sie gleich.

Dass Technikdenkmäler wie dieses weiterleben dürfen, ist auch viel ehrenamtlichem Engagement zu verdanken – lange Zeit machte sich unter anderem eine Gruppe Freiwilliger des Ski- und Wanderclubs Cronhütte dafür stark. Einige von ihnen sind inzwischen verstorben, andere sind weiterhin aktiv. Zur Erneuerung des Mühlrads treten in Hundsberg ein gutes Dutzend Freiwilliger an – in einem Verein oder dergleichen organisiert sind sie nicht.

Zur Fertigung des neuen Mühlrads ist jede Menge Hightech im Spiel. Das alte Rad wurde vor dem Abbau mit höchster Präzision vermessen und mit Computertechnik eingescannt. Auf dieser Basis soll das neue Rad dann größtenteils maschinell, mit CNC-Fräsen und Co., entstehen. Die dadurch nötige Arbeitszeit beträgt schätzungsweise nur ein Drittel von einem Rad in Handarbeit.

Sponsoren und Spender machen das Projekt möglich

Und auch die Kosten, die getragen werden, fallen deutlich geringer aus: Vieles vom benötigten Holz wird in der Hundsberger Mühle gesagt, die ausführende Firma fertigt das Rad quasi umsonst – und Spenden und Sponsoren tragen den Rest.

Bis hier am – dieser Tage nicht wirklich rauschenden – Bach wieder das Mühlrad klappern kann, wird es dennoch noch eine ganze Weile dauern. Frey rechnet damit, dass es aufgrund der Auftragslage mindestens Oktober wird, bis das neue Rad installiert werden kann.  

Mühlen im Schwäbisch-Fränkischen Wald

Ein Stück Geschichte
Mühlen zählen zu den ältesten technischen Anlagen und prägten über Jahrhunderte das Wirtschaftsleben. Im Schwäbisch-Fränkischen Wald war die Dichte besonders hoch – oft als kombinierte Mahl- und Sägemühlen, teils auch mit Ölpresse. Angetrieben wurden sie meist mit Wasserkraft. Viele dienten mehreren Bauern gemeinsam und lagen abseits der Dörfer – ein Grund für den bisweilen zwielichtigen Ruf des Müllerhandwerks. Brände und Witterung setzten vor allem den hölzernen Sägemühlen zu, sodass heute nur wenige erhalten sind.

Wanderweg
Im Jahr 1978 wurde der Mühlenwanderweg eingerichtet. Er verbindet auf 37 Kilometern 13 der schönsten erhaltenen Mühlen – von der Heinlesmühle bis zur Voggenbergmühle – und führt durch Klingen, Wälder, Streuobstwiesen und entlang kleiner Seen. Acht Rundwege mit 5 bis 19 Kilometern Länge ergänzen die Hauptroute. Viele der Mühlen sind am Pfingstmontag zum Deutschen Mühlentag oder am Tag des Schwäbischen Waldes für Besucher geöffnet.

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