Theater in Großhöchberg schließt: Kabirinett überraschend vor endgültigem Aus

Thomas Weber hat sich entschlossen, sein kleines, aber feines Theater aufzugeben.
Gottfried StoppelIn seinem neusten Stück hat er „ständig gute Laune und ein Lächeln im Gesicht“, denn er ist ein Gentleman. Im wahren Leben hingegen dürfte sich bei Thomas Weber, Gentleman hin oder her, die ein oder andere Sorgenfalte tief eingegraben haben. Denn ungeachtet des Erfolgs seiner jüngsten Aufführung hat sich der Direktor des wohl kleinsten, aber dennoch viel beachteten Theaters in der Region dazu entschlossen, den Betrieb als solchen endgültig einzustellen. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gehen im Kabirinett in Spiegelberg-Großhöchberg die Lichter aus.
Keine wirtschaftlichen Gründe
Das hat der Mann, der gleichzeitig auch sein eigener Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchschreiber ist, jetzt überraschend bekannt gegeben. Dabei betont Weber, dass die Entscheidung nicht auf wirtschaftlichen Gründen beruhe. Der Besucherandrang sei nach wie vor gut – die ersten Aufführungen von „Gentlemen’s Guide“ waren allesamt ausverkauft –, auch an Ideen mangele es ihm nicht. Dennoch falle es zunehmend schwer, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und einen idealen Theaterabend für die Gäste in der idyllisch mitten im Schwäbischen Wald gelegenen Spielstätte zu realisieren, sagt Weber. Nicht selten sei deswegen kein ausreichender Service möglich.
Auch wenn seine Frau Irene das sei, was der Schwabe gemeinhin einen Schaffer nennt, zu zweit allein sei ihr gemeinsames Konzept für das Theater nicht zu stemmen. „Ich möchte nicht, dass ich meine Gäste bewirtungstechnisch mal zu einem Automaten schicken muss“, sagt Weber. Und da er glaubt, dass sich die Situation auf absehbare Zeit nicht ändern wird, wolle er lieber jetzt selbst die Reißleine ziehen, bevor seine Gäste sich im Kabirinett nicht mehr wohlfühlten. „Ich habe fast 25 Jahre meinen Traum gelebt, das hat perfekt funktioniert, aber jetzt ist es Zeit, etwas Neues zu beginnen“, sagt Weber.
Im Februar gibt es noch ein neues Stück
Der Abschied ist freilich einer auf Raten. Der Schlüssel wird erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres umgedreht werden. Im Februar soll sogar noch ein neues Stück aufgelegt werden. Zusammen mit Jens Heckermann und James Geier soll eine letzte gemeinsame Produktion auf die Bühne gebracht werden. Mit der Ankündigung der Schließung mit mehr als einem Jahr Vorlauf solle sichergestellt werden, dass alle noch ausreichend Möglichkeiten hätten, Gutscheine einzulösen und einen oder mehrere letzte Theaterbesuche zu machen, sagt Weber. „Vor allem aber, sollen nochmals schöne Stunden miteinander verbracht werden können.“ Möglicherweise werde auch noch der ein oder andere Gaststar seinen Auftritt haben.
Verschiedene Ideen für die Nachnutzung
Der exakte Termin, an dem der letzte Vorhang fällt, steht noch nicht fest. Derzeit würden noch Möglichkeiten gesucht, wie sich die Räumlichkeiten künftig nutzen ließen. Denkbar seien viele Dinge – vom Seminar-haus für Coaches bis zum Fotoatelier. Wer eine Idee habe, dürfe sich gerne an ihn wenden, sagt Weber. Am schönsten wäre natürlich die Fortführung eines kulturellen Angebots. Denkbar seien sowohl eine Pacht als auch ein Verkauf. Außerdem müsse darüber beraten werden, ob und wie es mit dem Förderverein des Kabirinetts weitergehen soll.
Und Thomas Weber selbst? Er wird dem Ort, für den der frühere Spiegelberger Bürgermeister Uwe Bossert einst den Namen „Kulturbuckel“ geprägt hat, auch privat den Rücken kehren. Gemeinsam mit seiner Frau Irene werde er neue Abenteuer suchen, sagt der Schauspieler. Wie genau diese aussehen werden, weiß er noch nicht. Er werde weiterhin auf Bühnen zu sehen sein, sei bereit, neue Wege zu beschreiten und „optimistisch durch Türen zu gehen, die sich in den kommenden Monaten öffnen werden“. Einer etwaigen kulturellen Midlife-Crisis hat sich der Mann, der unlängst seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, aber nicht etwa ergeben, versichert Weber und lächelt – denn er ist schließlich ein Gentleman.
Schließung im Jubiläumsjahr
Theater
Das kommende Jahr wäre für das Kabirinett eigentlich Anlass zum Feiern gewesen. Die Kleinkunstbühne in dem winzigen Spiegelberger Teilort Großhöchberg ist dann vor genau 25 Jahren eröffnet worden. 99 Zuschauer finden vor der kleinen Theaterbühne im Haupthaus maximal Platz. Doch Thomas Weber, der in Asperg aufgewachsen ist und zwei Jahre zuvor in den Ort gezogen war, hat sein kulturelles und landschaftliches Idyll im Laufe der Jahre sukzessive ausgebaut. Neben dem Haupthaus gibt es mittlerweile auch eine Bühne in dem großen Garten, der sowohl für Aufführungen als auch als Biergarten genutzt wird. In einem Anbau sind eine Küche und im ersten Stock eine Ferienwohnung untergebracht.
Programm
„Gentleman’s Guide – wenn Etikette an ihre Grenzen stoßen“ heißt das aktuelle Stück, das Thomas Weber selbst geschrieben hat und zusammen mit dem deutsch-schottischen Musiker James Geier immer freitags und samstags aufführt. Bei gutem Wetter sitzt das Publikum im Garten vor dem Theater, bei schlechtem zieht man nach innen. Die meisten Sonntage sind für das Lümmelpicknick reserviert. Ab 14 Uhr kann auf der Wiese vor dem Theater gepicknickt werden, von 17 Uhr an spielen Bands – als Nächstes am Sonntag, 14. Juli, Noisepollution. Reservierungen telefonisch unter 0 71 94/ 91 11 40 oder über die Homepage des Kabirinetts.
