Tote Graugans trägt Virus in sich
: Die Vogelgrippe ist im Rems-Murr-Kreis angekommen: Was jetzt zu beachten ist

Das Landratsamt in Waiblingen meldet für den Rems-Murr-Kreis den ersten Fall von Vogelgrippe. Was zu beachten ist, um sich vor dem Influenzatyp H5N1 zu schützen, lesen Sie hier.
Von
Jürgen Veit
Rems Murr Kreis
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Eine tote, in Waiblingen aufgefundene Graugans trug den Virus-Subtyb H5N1 in sich (Symbolfotos).

/Bihlmayerfotografie/Lichtgut

Jetzt ist die Vogelgrippe auch im Rems-Murr-Kreis angekommen. Wie das Landratsamt in Waiblingen mitteilt, ist bei einem Wildvogel das Influenzavirus nachgewiesen worden. In diesem Zusammenhang ruft die Behörde in einer Pressemitteilung „zu erhöhter Vorsicht und korrekter Einhaltung der Schutzmaßnahmen“ auf. Allerdings komme das Veterinäramt des Kreises zu der Einschätzung, dass sich das Infektionsrisiko aufgrund dieses Einzelfalles nicht erhöht habe, heißt es in der Mitteilung weiter.

Das sogenannte hochpathogene aviäre Influenzavirus (auch Geflügelpest oder Vogelgrippe genannt) sei bei einer verendeten Graugans in Waiblingen zunächst vom Landeslabor in Fellbach festgestellt worden. Eine weitere Untersuchung im nationalen Referenzlabor, dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI), habe das Ergebnis bestätigt. Demnach handele es sich um den Virus-Subtyp H5N1.

Das Veterinäramt bittet alle Geflügelhalterinnen und -halter, besonders aufmerksam zu bleiben und die bestehenden Schutzmaßnahmen zuverlässig einzuhalten (Symbolfoto).

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Es ist der erste Fall von bestätigter Geflügelpest im Rems-Murr-Kreis bei einem Wildvogel in diesem Jahr. Weitere Meldungen über Vogelgrippefälle bei Wild- oder Hausgeflügel lägen im Rems-Murr-Kreis derzeit nicht vor.

Das Veterinäramt sehe zum jetzigen Zeitpunkt von weiteren, ohnehin schon eingeleiteten Präventionsmaßnahmen ab. Das Infektionsrisiko vor Ort habe sich wegen dieses Einzelfalls nicht erhöht.

Schutzmaßnahmen insbesondere für die Geflügelhaltung

Dennoch bittet das Veterinäramt alle Geflügelhalterinnen und -halter, besonders aufmerksam zu bleiben und die bestehenden Schutzmaßnahmen zuverlässig einzuhalten, damit sich die Geflügelpest nicht in heimischen Beständen ausbreiten kann.

  • Wer tote oder kranke Wildvögel – insbesondere Wassergeflügel, Enten oder Gänse – findet, sollte diese Funde dem Veterinäramt melden und die Tiere nicht berühren.
  • Tauben und Singvögel sind selten Träger des Virus und brauchen daher nicht gemeldet zu werden.
  • Wer einen toten Vogel entdeckt oder den Verdacht auf ein krankes Tier hat, könne ein Foto an folgende Adresse senden: veterinaeramt@rems-murr-kreis.de.
  • Die Situation im Nachbarlandkreis Ludwigsburg

    Rund eine Woche zuvor wurde auch im Nachbarlandkreis Ludwigsburg ein erster Fall von Vogelgrippe gemeldet. Laut dem Landratsamt in Ludwigsburg war es ebenfalls eine Graugans, die das Virus in sich trug. Der tote Vogel wurde im Wasser liegend im Neckarbiotop Zugwiesen aufgefunden. Das Untersuchungsergebnis mit dem Virusnachweis durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) war am Mittwochabend vergangener Woche eingetroffen.

    Doch auch im Kreis Ludwigsburg habe sich dadurch kein erhöhtes Infektionsrisiko ergeben, teilt das FLI mit – wenngleich das Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest aufgrund der bundesweiten Dynamik insgesamt als hoch eingeschätzt werde, so das Landratsamt Ludwigsburg weiter.

    Andere Gebiete in Baden-Württemberg – etwa von Mannheim bis einschließlich des Ortenaukreises – sind weit stärker von der Ausbreitung des Virus betroffen. Dort hat das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart nach dem Fund weiterer toter Wildvögel mit Vogelgrippe entlang des Rheins eine Stallpflicht für Geflügel verhängt. In Abhängigkeit von den örtlichen Gegebenheiten, wie der Gewässerlage und der Betriebssituation, werde in etwa drei Kilometer Entfernung zum Gewässer aufgestallt. Die Tiere könnten entweder in den Stall gebracht werden oder durch Netze geschützt werden. Laut der Behörde sind von dieser Maßnahme Hühner, Puten, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse betroffen.

    Was ist die Vogelgrippe?

  • Vogelgrippe ist die eher umgangssprachliche Bezeichnung für eine Viruserkrankung des Geflügels. Sie befällt vor allem Wildvögel, Ziervögel und Geflügel in Tierhaltung, hier vor allem Hühner und Puten.
  • Die Vogelgrippe ist eine bereits seit über 100 Jahren bekannte Erkrankung, die von Grippeviren (Influenza-A-Virus) verursacht wird. Bei diesem Virustyp gibt es 16 Unterarten (sogenannte H-Subtypen), die alle Vögel infizieren können. Die auch als „Geflügelpest“ bekannten schweren Ausbrüche werden durch die mit H5 und H7 bezeichneten Subtypen verursacht
  • Seit Ende 2003 breitet sich eine Vogelgrippe-Epidemie des Subtyps H5N1 aus.
  • Wie verbreitet sich die Tierseuche?

  • Eine Gefahr stellt die Einschleppung des Virus durch Zugvögel dar. Infizierte Vögel können auch in Deutschland brüten. Auch bestimmte Säugetiere können sich mit diesen Influenza-Viren infizieren und daran erkranken. Dazu gehören zum Beispiel Schweine, Pferde, Wild- und Hauskatzen.
  • Auch illegale Transporte, Schmuggel und unvorsichtige Reisende stellen ein Risiko dar. Sie könnten das Virus nach Kontakt mit Geflügel oder dem Besuch von Geflügelmärkten einschleppen.
  • Eine Ansteckungsgefahr für Menschen besteht jedoch nur bei sehr engem Kontakt mit den Tieren. Die direkte Übertragung von Influenzaviren von Vögeln oder Geflügel auf den Menschen ist erst seit 1997 eindeutig belegt. Die Vögel scheiden das Virus mit dem Kot aus. Die Inhalation von Staubpartikeln oder mangelnde Hygiene bei den Händen stellen daher vermutlich die hauptsächlichen Übertragungswege dar.
  • Weitere Informationen

    Eine aktuelle Übersicht über die Ausbrüche der Vogelgrippe/Geflügelpest bei Wildvögeln und gehaltenen Vögeln findet sich beim Friedrich-Loeffler-Institut im TSIS -TierSeuchenInformationsSystem unter: https://tsis.fli.de/cadenza

    Die aktuelle Lage in Baden-Württemberg ist abzurufen unter: https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/tierschutz-tiergesundheit/tiergesundheit/tierkrankheiten-tierseuchen-zoonosen/vogelgrippe/aktuelles

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