Umzug zum Heimattag: So erinnert Welzheim an die Römer und ans Barock
Wenn das keine Gründe zum Feiern sind: Nach zehnjähriger, durch Corona bedingter Pause, fand Wochenende die 15. Auflage des Heimattags Welzheim statt. Und weil der erste im Jahr 1950 stattfand, wurde damit auch zugleich das Jubiläum 75 Jahre Heimattag gefeiert.
Und während im Remstal immer wieder Regenschauer die Straßen und Wiesen unter Wasser setzten, ließ man sich inmitten des Welzheimer Walds nicht von den Wetterkapriolen beeindrucken – zumindest bis zum späteren Nachmittag, als das Gewitter Welzheim doch noch erwischte.
Umzugsstrecke ist rund zwei Kilometer lang
Beim Festumzug über die zwei Kilometer lange Strecke zwischen der Kreuzung Silcherstraße und Schorndorfer Straße bis zum Festgelände am Schulzentrum waren mehr als 80 Gruppen unterwegs und beeindruckten die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Welzheimer Innenstadt, erinnerten mit ihren Kostümen und Wägen an die Vergangenheit oder blickten durchaus auch in bunten Outfits futuristisch nach vorne. Mit dabei waren Vereine aus der Kernstadt Welzheim und den Teilorten, aus Schulen, Kindergärten, Unternehmen und aus den Partnerstädten Auerbach im Erzgebirge und Milonowek in Polen. Natürlich durften auch verschiedene Fanfarenzüge und Blaskapellen nicht fehlen.
Einen Schwerpunkt bildeten die Erinnerungen an vergangene, aber in Welzheim bis heute präsente Zeiten. So marschierte der Historische Verein Welzheim mit seiner Römertruppe „Numerus Brittonum“ mit. Sie riefen die Errichtung des obergermanisch-raetischen Limes um 160 nach Christus ins Gedächtnis und vermittelten Eindrücke vom Leben in den Kastellen und zivilen Siedlungen zur damaligen Zeit am Limes.
Erinnert wurde auch an 1713, als die Reichsgräfin Wilhelmine von Grävenitz nach Welzheim kam. Das Jahr 1726 gilt als ein bedeutender Wendepunkt in Welzheim. Der zweite große Stadtbrand vernichtete Welzheim fast komplett.
Die Stadtherrin von Welzheim
Christine Wilhelmine von Grävenitz, eine der einflussreichsten Frauen am württembergischen Hof, war über ein Jahrzehnt hinweg faktische Stadtherrin von Welzheim. Ihr wurde 1718 das Amt Welzheim vom Herzog Eberhard Ludwig übertragen – nicht nur als Zeichen persönlicher Gunst, sondern auch als politischer Machtbeweis. Während ihrer Herrschaft stand Welzheim unter direkter Kontrolle der Gräfin, deren Entscheidungen und Wirken auch auf kommunaler Ebene spürbar waren.
Erinnerung an Brandkatastrophevon 1726
Der Festumzug 2025 widmete sich der Zeit der Gräfin von Grävenitz in Welzheim: Im Vorgriff auf das kommende Jubiläumsjahr 2026 richtete der Historische Verein Welzheim damit den Blick bereits 2025 auf ein ereignisreiches Kapitel der Stadtgeschichte: das Jahr 1726 (300 Jahre Brandkatastrophe) zur Zeit der Gräfin von Grävenitz – ein bedeutender Abschnitt der lokalen Welzheimer Vergangenheit. Der Festumzug 2025 nahm diese historischen Momente mit Szenen aus der damaligen Zeit, historisch gewandeten Gruppen und kulturellen Beiträgen auf. Ziel war es, die Erinnerung an eine Zeit wachzuhalten, in der Welzheim sich nach der Zerstörung neu erfand – und in der eine Frau an der Spitze stand, deren Einfluss über die Region hinausreichte.










