Waiblingen
: Geschäftsidee aus Bittenfeld: Palmen und Olivenbäume mieten statt kaufen

Palmen, Olivenbäume, Zitruspflanzen: Josip Zaradic hat eine Schwäche für mediterrane Pflanzen. In einer ehemaligen Gärtnerei verkauft er sie – und bietet sie zur Miete an.
Von
Annette Clauß
Rems Murr Kreis
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Lauschiges Plätzchen unter Olivenbäumen: Josip Zaradic verkauft und vermietet mediterrane Pflanzen.

Gottfried Stoppel

Am Arbeitsplatz von Josip Zaradic kommt Urlaubsstimmung auf. Wohin man schaut übermannshohe Olivenbäume und Palmen, blühende Oleanderbüsche, Feigen-, Orangen- und Zitronenbäumchen, an denen pralle Früchte hängen. Dazwischen stehen Liegestühle – und mittendrin Josip Zaradic.

Seit Mai hat der 30-Jährige nach langer Suche die Gärtnerei Böhringer in der Waiblinger Ortschaft Bittenfeld (Rems-Murr-Kreis) gepachtet. Wo einst Gemüsepflanzen für den Großmarkt erzeugt wurden, haben nun mediterrane Kübelpflanzen in allen Größen Einzug gehalten: vom Olivenbaum, der in eine Einkaufstasche passen würde, bis zur Dattelpalme, für deren Abtransport es einen Lieferwagen oder zumindest einen Anhänger braucht.

Die Zitruspflanzen kommen überwiegend aus Sizilien.

Foto: privat

Statt Zucchini, Gurken, Kopfsalat und Tomaten reifen in den Gewächshäusern jetzt Zitronen, Kumquat, Feigen und die säuerliche Calamondin, eine Kreuzung aus Mandarine und Kumquat. „Die Verbundenheit zu mediterranen Pflanzen hat meine Familie quasi in den Genen“, sagt Josip Zaradic und lacht. Er selbst ist Kroate, seine Frau hat eine kroatische Mutter und einen italienischen Papa. Letzterer hat entscheidend dazu beigetragen, dass Josip Zaradic sich im Frühjahr vergangenen Jahres mit einer eigenen Firma namens Mediterrano selbstständig gemacht hat – obwohl der Schwiegerpapa ihm davon abgeraten hatte.

Mit einem Zitronenbaum fing es an

Etliche Jahre hat der Schwiegervater nämlich selbst Zitruspflanzen aus Kalabrien nach Deutschland gebracht und nebenberuflich auf Märkten verkauft. Ein Knochenjob mit viel Schlepperei. „Angefangen hat alles mit einem Arbeitskollegen, der ihm mal 50 Euro in die Hand gedrückt und gesagt hat: Bring mir aus dem Urlaub einen Zitronenbaum mit“, erzählt Josip Zaradic.

Daraus entwickelte sich ein Nebenjob, den der Schwiegervater jedoch nach einigen Jahren aufgab. Sein kleines Gewächshaus auf einem Grundstück in Stuttgart-Weilimdorf blieb aber stehen – und irgendwann entdeckte Josip Zaradic, ein gelernter Automobilkaufmann, mediterrane Pflanzen als Hobby und Ausgleich zum Job. Er knüpfte Kontakte nach Sizilien und an die spanische Costa Blanca, die als „Garten von Europa“ gilt. Aus Italien bezieht er „klassische Baumschulware“, dazu gehören Oliven- und Zitrusbäume in handlichen Größen. Aus Spanien kommen beispielsweise die großen Brummer – die übermannshohen Olivenbäume mit dickem Stamm. Letzterer ist eigentlich der Ast eines Olivenbaums, der abgeschnitten und mit einer speziellen Methode dazu gebracht wurde, Wurzeln zu schlagen.

Mietservice für Gastronomen und Kommunen

Der Verkauf auf Märkten war nie Josip Zaradics Ding, er setzt aufs Internet. Weil der Pflanzenverkauf ein Saisongeschäft ist – rund 70 Prozent der Ware gehen zwischen April und Juni über die Ladentheke – hat der 30-Jährige, der im Kreis Ludwigsburg lebt, sich zwei weitere Standbeine gesucht. Neben einer Überwinterungsmöglichkeit für Kübelpflanzen bietet er unter dem Begriff „Mediterrano-Rent“ einen Mietservice an, den insbesondere Gastronomen, aber auch Kommunen gerne nutzen, zum Beispiel die Stadt Esslingen anlässlich ihres Schwörfests.

Pflanzen-Mietservice für Gastronomen

„Mediterran auf Knopfdruck“, so bezeichnet Josip Zardic diese Geschäftsidee. „Gastronomen haben ja oft Pflanzen auf ihrer Terrasse und im Winterhalbjahr dann das Problem, dass sie nicht wissen, wohin damit.“ Allzu häufig überlebten die Pflanzen die kalte Jahreszeit nicht, was alles andere als nachhaltig sei. „Bei uns im Gewächshaus kommen die Pflanzen besser über den Winter und wenn der Gastronom im nächsten Jahr lieber Olivenbäume statt Palmen auf seine Terrasse stellen will, ist das kein Problem.“ Obendrein sei die Miete zwei bis drei Mal günstiger als ein Kauf und lasse sich von der Steuer absetzen. Zum gewünschten Zeitpunkt werden die Pflanzen gebracht und auch wieder abgeholt.

Die Kunden erhalten zum Mietvertrag eine Pflegeanleitung für die Pflanzen, welche auf den Standort abgestimmt ist. Kränkelt die Mietpflanze dennoch, kommt Josip Zaradic auch selbst vorbei. Notfalls wird die Patientin dann gegen ein gesundes Exemplar ausgetauscht und in der Krankenstation der Gärtnerei in Bittenfeld wieder aufgepäppelt. Und was passiert, falls eine Mietpflanze stirbt? Das sei kein Drama, sagt Josip Zaradic: „Wenn die Pflanze grob vernachlässigt worden ist, dann ist laut Vertrag nur der Mietpreis, nicht der höhere Kaufpreis fällig.“

StZ Rems-Murr-Kreis
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