Weintreff in Fellbach
: Genießertage mit 43 Weingütern – „Die Weißweine von hier spielen in der Europaliga“

Zwei Tage lang haben Weingüter aus dem Remstal und der Region Stuttgart in der Alten Kelter in Fellbach den Gästen ihr Bestes eingeschenkt. Opernsängerin Melanie Diener ist Remstälerin des Jahres.
Von
Eva Herschmann
Rems Murr Kreis
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Routiniert haben sich die Weintrinker in der Alten Kelter auf den Rundgang durch die Probierstände gemacht, in der Hand Bestellkarte, Kugelschreiber und Weinglas.

Gottfried Stoppel

Scharen von Besucherinnen und Besuchern haben am Wochenende keine Wege und Mühen gescheut, um sich den edlen flüssigen Köstlichkeiten hinzugeben, die von 43 Weingütern aus dem Remstal und der Region Stuttgart kredenzt wurden. Der zweitägige Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach ist alle Jahre wieder ein Paradies für Weinliebhaber, und solche, die es werden wollen. Wie Melanie Diener aus Waiblingen. Die Opernsängerin aus Waiblingen wurde im Rahmen der Weinmesse zur Remstälerin des Jahres ernannt.

Die Genießer konnten es kaum erwarten. Lange bevor sich die Tore zur Alten Kelter in Fellbach geöffnet haben, sind sie schon Schlange gestanden, und bereits 20 Minuten nach Eröffnung des Weintreffs am Samstag war der Parkplatz hinter der Kathedrale des Weins restlos belegt. Routiniert haben sich erfahrene Weintreff-Anhänger auf den genussvollen Rundgang durch die Probierstände gemacht, wobei sie sich mühelos mit Verkostungsliste inklusive Bestellkarte, Kugelschreiber und Weinglas hantierend durch die Menschen- und Flaschenansammlungen laviert haben.

Michael Scharmann, OB von Weinstadt und Vorsitzender des Tourismusverbandes Remstal, zeichnet Melanie Diener als Remstälerin des Jahres aus.

Foto: Ev/a Herschmann

Melanie Diener geht weintechnisch noch in die Ausbildung. Doch für die Sopranistin, gebürtig in Hamburg und auf internationalen Bühnen zuhause, ist das Remstal lange schon Lebensmittelpunkt und Heimat. Hier, so verriet sie den Gästen beim Weintreff, könne sie auftanken. Sie sei dennoch sehr überrascht und erfreut über die Ernennung zur Remstälerin des Jahre gewesen, erklärte die Operndiva, die am Fellbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat. „Ich bin nicht die typische Weintrinkerin, ich weiß nicht, ob der Abgang Himbeere, Aprikose oder Schokolade ist, aber ich mag einen gereiften Wein.“ Und der Stimme schade Wein ja auch nicht. „Zumindest bestimmt nicht nach dem Singen.“

Ihre neue Rolle möchte die Remstälerin des Jahres nutzen, um die Verbindung zwischen Sangeskunst und Wein noch zu vertiefen. „Vielleicht können wir gemeinsam ja etwas Nachhaltiges schaffen“, so Melanie Diener, die auch Initiatorin der Opernwerkstatt in Waiblingen ist. Die „Genusshandwerker“, wie Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull die Wengerter bei der Eröffnung bezeichnet hat, hätten sicher nichts gegen eine harmonische Liaison von hoher Sangeskunst und edlen Tropfen.

Weinperlen sollen Salate und Desserts verfeinern

Für Hansi Kossatz und Kirk Latzko, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Weinstadt-Endersbach gekommen sind, ist Wein eine Herzensangelegenheit, wobei ihre Beziehung zu dem Edelstoff aus Trauben rein platonisch ist. „Wir haben nichts mit Weinbau zu tun, wir trinken ihn einfach gern“, sagt Hansi Kossatz. Und dafür nehmen sich die Freunde auch Zeit. „Samstags probieren wir die Weiß- und Roséweine, sonntags die Roten“, sagt Kirk Latzko mit einem Grinsen.

Einen weiten Weg – vom bayerischen Wolfratshausen bei München – nimmt das Ehepaar Kebel auf sich, das ebenfalls an beiden Genusstagen durch die Kathedrale des Weins flaniert ist und nach Herzenslust gekostet hat. Sie verpassen schon seit Jahren keinen Weintreff in Fellbach. „Es gibt halt in Bayern keinen Wein, nur Bier“, sagt Stephan Kebel, der ursprünglich aus Stuttgart kommt und schon aufgrund seiner Herkunft den Rebensaft dem Gerstengebräu vorzieht. Das Familienauto sei bei der Hinfahrt so leicht wie möglich und bei Heimfahrt bis zur maximalen Last vollgepackt, verrät der Exil-Schwabe. Kisten voller Weißwein, unter anderem vom Riesling „Alte Reben“ des Weinguts Kuhnle in Strümpfelbach, ihrem Lieblingswengerter, haben die Kebels auch diesmal wieder über die Landesgrenze geschafft. „Die Weißweine von hier spielen in der Europaliga, haben aber Preise aus der Bezirkliga“, sagt Stephan Kebel.

Dass in der Region zahlreiche ausgezeichnete Weingüter zuhause sind, ist weithin bekannt. Doch mehr noch als die Quantität der Weinmacher beeindruckt die Qualität ihrer Produkte, auch Christoph Nicklas. „Wenn in Württemberg was passiert, dann ist es das Remstal, da tut sich viel“, sagt der versierte Verkoster und Weinjuror, der beim Weintreff durch zahlreiche kommentierte Weinproben unter dem Motto „Klassiker & Entdeckungen“ geführt hat.

Auch an den Ständen gab es Besonderes zu entdecken. Wie die Weinperlen, die Speisen aller Art – von Wild und Salaten bis zu Desserts – verfeinern. Der Bubble-Tee habe ihn auf die Idee gebracht, erzählt Daniel Kuhnle, der Erfinder der Weinperlen. „Nur dass unsere Perlen größer sind, eine dünnere Haut und mehr Inhalt haben.“ Mittlerweile haben die kleinen Kostbarkeiten aus dem Remstal die Medienlandschaft erobert – mit Auftritten unter anderem beim „Perfekten Dinner" oder dem ARD-Buffet.

Manchmal macht auch die geringe Menge das Besondere aus. Etwa bei der Riesling-Fassprobe „alte Rebe“, die Dieter Konzmann vom gleichnamigen Weingut in Stetten eingeschenkt hat. Der edle Tropfen von 2024 kommt von einer 55 Jahre alten Anlage. „Die Reben sind mein Geburtsjahrgang“, sagt Konzmann mit einem Lächeln. Gerade mal 60 Liter pro Ar – nur etwas mehr als die Hälfte der bis zu 110 Liter, die gesetzlich erlaubt sind – und rund 70 Flaschen bringe die Lage, so der Wengerter. „Der Ertrag ist gering, aber die kleinen Beeren haben viel mehr Extrakt.“

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