Weissach im Tal
: Wo Zimmerer eine Alternative sein kann

Fast 600 Acht- und Neuntklässler haben beim kreisweiten „Aktionstag Berufswelt“ mitgemacht – wie der 14-Jährige Manuel, der sich bei einem Oberweissacher Fertighaushersteller angeschaut hat, was ein Zimmerer können muss.
Von
Frank Rodenhausen
Stuttgart
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Julian Holzwarth (links) zeigt Manuel Fritz, wie man richtig sägt.

Gottfried Stoppel

Weissach im Tal - Dass aus den vielen Holzeinzelteilen einmal ein ganzes Haus entstehen wird, kann sich Manuel Fritz zugegebenermaßen noch nicht so richtig vorstellen. Die Sägearbeiten, die er gerade unter Anleitung von Julian Holzwarth fertigt, der im dritten Lehrjahr als angehender Zimmerer bei dem Fertighaushersteller Talbau-Haus in Oberweissach arbeitet, mache ihm aber Spaß. Später soll der 14-Jährige, der an normalen Tagen die achte Klasse der Werkrealschule im Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) besucht, noch andere Dinge ausprobieren dürfen, von denen er bisher keine Ahnung hatte, etwa einen Zapfen und ein entsprechendes Zapfenloch zu fertigen. Mal etwas ganz Anderes, als die Schulbank zu drücken.

581 Schüler schnuppern in 135 Firmen

Wie Manuel haben am Donnerstag 581 Haupt- und Realschüler der achten und neunten Klassen die Gelegenheit genutzt, beim achten kreisweiten „Aktionstag Berufswelt“ Praxisluft zu schnuppern und einen ersten Kontakt mit einem potenziellen Ausbildungsbetrieb zu knüpfen. Die von der Arbeitsagentur, den Arbeitgeberverbänden, dem Kreisjugendring, dem Landrats- und dem Schulamt unterstützte Aktion hat das Ziel, Schülern möglichst frühzeitig und konkret Alternativen für die Lehrplatzsuche aufzuzeigen. Den Betrieben wiederum – in diesem Jahr haben sich 135 beteiligt – bietet der Tag die Gelegenheit, Werbung in eigener Sache zu machen.

So hofft man auch bei Talbau-Haus, dass sich mit Hilfe von Manuel und den anderen fünf Tagespraktikanten – drei davon im kaufmännischen Bereich – herumspricht, dass die Firma gute Arbeitsbedingungen bietet. Immerhin ermöglicht der rund 45 Mitarbeiter starke Betrieb in der Regel sechs angehenden Zimmerern, Industriekaufleuten und Bauzeichnern gleichzeitig einen Ausbildungsplatz. Gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel werde es immer wichtiger, die eigene Ausbildungsleistung herauszustellen, sagt der Talbau-Geschäftsführer Sven Feil.

Die Guten gehen zu Bosch oder Daimler

Schon jetzt orientierten sich die guten Schulabgänger zunächst in Richtung der großen Unternehmen wie Bosch, Daimler und in der hiesigen Region Höfliger. Dabei tue man insbesondere im Bereich des Bauhandwerks sehr viel, um den Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten, ergänzt der Seniorchef Jürgen Feil. Der Großteil der Fertighäuser entstehe in der Werkstatt in Oberweissach, in geheizten Räumen mit einer komfortablen Infrastruktur. Das Credo laute, die Arbeit auf der Baustelle auf ein Minimum zu reduzieren.

Ob er tatsächlich Zimmerer werden will, will Manuel am Ende des Praktikumstages noch nicht mit abschließender Sicherheit sagen. Sein Talent liege wohl tatsächlich – was auch sein Vater sage – im Handwerksbereich und da weniger bei Dingen, die mit Kochen oder Computern zu tun haben, räumt der 14-Jährige selbstkritisch ein. Eines habe er für sich weitgehend ausgeschlossen: Schreiner, wie der Papa, wolle er wohl nicht werden. Das sei ihm bei einem privaten Kurzpraktikum zuvor bereits vor Augen geführt worden. Die Schnupperarbeit bei der Firma Talbau-Haus hat ihn hingegen ganz und gar nicht abgeschreckt.

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