Zwei Tunnelsperrungen in Fellbach
: Händler verzweifeln wegen Stauchaos: „Ich habe noch nie so viel Verkehr gesehen“

Die Sperrung des Stadttunnels in Fellbach ist für viele schon eine Belastung. Nun kommt die Sperrung des Kappelbergtunnels obendrauf. Was bedeutet das für die Händler?
Von
Eva Schäfer
Rems Murr Kreis
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  • Stop-and-go: In Fellbach schieben sich die Autos bei der Sperrung des Stadttunnels durch die Stadtmitte. Durch den gesperrten Kappelbergtunnel ist das Chaos noch schlimmer.

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  • Eine Blechlawine rollt mitten durch Fellbach, die Stuttgarter Straße ist das Nadelöhr in die Landeshauptstadt.

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  • Aus dem Schaufenster des Friseurgeschäfts blickt man direkt auf die Kreuzung Stuttgarter Straße/Esslinger Straße.

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  • Stelios Alexandridis von der Yam Eat & Drink Lounge am Stuttgarter Platz, wenige Meter von der schönen Palme tobt der Verkehr.

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  • Man hat teils keinen Blick mehr auf die andere Straßenseite.

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  • Einkaufen in Fellbach – das ist angesichts des Verkehrschaos deutlich erschwert, so die Kritik der Händler und Betriebe.

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  • Die Ablufttürme des Fellbacher Stadttunnels ragen in die Höhe – der Tunnel ist marode und daher gesperrt.

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Das Hupen dringt in den Friseursalon – vor dem Geschäft in Fellbach schieben sich riesige Lastwagen, Autos, Kleinlaster im Stop-and-Go-Modus durch die Stuttgarter Straße. Die Motoren laufen, die Luft ist abgasgeschwängert. Es geht kaum voran. Das Friseurgeschäft Schauhair von Ignazia Scoma liegt an einem Stau-Hotspot an der Ecke Stuttgarter und Esslinger Straße. Nun kommt seit Donnerstagnacht noch die Sperrung des Kappelbergtunnels über das Wochenende dazu.

Die Verkehrsmassen mitten durch Fellbach belasten Betriebe, Passanten und Anwohner.

Foto: Eva Schäfer

Schon mit der Sperrung des Stadttunnels rollt eine dröhnende Blechkolonne durch die Verkehrsachse, die Stuttgart verbindet. Nun ist das Ganze getoppt. Am Freitagvormittag versuchen die breiten Laster im Gegenverkehr in der Stuttgarter Straße aneinander vorbeizukommen. Zum Teil sieht man die andere Straßenseite nicht mehr wegen der großen Tonner. Zwischen den Abgasen arbeitet ein Mitarbeiter des Bauhofs an den Grünbeeten am Fahrbahnrand. „Nachher müssen wir noch auf die andere Seite“, sagt ein Mitarbeiter und weiß, dass das Zeit und Nerven kosten wird.

Ausparken in der Stuttgarter Straße sei fast unmöglich

Friseurmeisterin Ignazia Scoma kämpft mit den Folgen des Staus schon seit Tagen wegen des gesperrten und maroden Stadttunnels. „Man kann nicht parken, auch die Taxifahrer können nicht gut herfahren, die Kunden können nicht ein- und aussteigen“, zählt die Friseurmeisterin auf, was ihren Betrieb durch die Staumassen behindert. In der Feierabendzeit sei es am schlimmsten.

Die Kundin aus dem Sommerrain, die sie an diesem Tag frisiert, ist mit dem Rad gekommen. „Das geht auf jeden Fall schneller“, sagt diese. Den Ersatzverkehr mit dem Bus wollte sie auch nicht nutzen. Der Bus muss auch Straßen nutzen. Draußen hupt es wieder, Fahrzeuge bleiben beim Abbiegen auf der Kreuzung stehen, weil es nicht weitergeht. Ein anderer wendet in der Esslinger Straße und fährt wieder weg. „Das Hupen hilft doch auch nichts“, sagt Ignazia Scoma und ärgert sich über mangelnde Rücksicht. Auszuparken in der Straße sei quasi fast unmöglich. „Da lässt mich keiner raus“, sagt sie. Schon lange führt sie den Salon, sie kennt die Ecke gut, im Herbst feiert sie mit ihrem Friseurbetrieb 25-Jahr-Jubiläum. Doch das hier koste wirklich viele Nerven – und auch Umsatz.

Auch Ulrich Meißner, der Inhaber des Zoofachgeschäfts, das wenige Meter von dem Friseurbetrieb entfernt liegt, schüttelt den Kopf. „Wenn ich abends ausparken möchte, komme ich nicht raus“, sagt er. Der Stau sei eine Belastung: „Es ist heftig.“ Auch Stelios Alexandridis von der Yam Eat & Drink Lounge am Stuttgarter Platz macht deutlich, dass ihn die Blechkarawane Umsatz kostet.

Manche Kunden kommen wegen des Staus nicht nach Fellbach

„Manche Kunden kommen gleich gar nicht nach Fellbach, die umfahren den Stau“, sagt Stelios Alexandridis. Im Vergleich zum August im vergangenen Jahr habe er weniger Gäste und auch das zweite Standbein, der Lieferdienst, leide. „Alleine, um hier rauszukommen, brauchen wir eine Viertelstunde“, sagt er. Er beobachte auch, dass die Leute, die im Stau stehen, schwache Nerven hätten. „Eigentlich müsste man noch eine weitere Straße erfinden“, sagt er. Auch die kurze Schaltung der Ampeln würde wohl zu dem Effekt führen, dass mancher einen nicht aus der Parklücke rauslasse, weil man dann eben noch schnell durchkommen wolle. „Ich habe noch nie so viel Verkehr gesehen“, sagt der Gastronom.

Große Laster, Autos, Kleinlaster – die Blechlawine quält sich mitten durch die Stadt.

Foto: Eva Schäfer

Wenn der Kölle-Parkplatz zur verbotenen Abkürzung wird

Dass der Stau auch seltsame Blüten treibt, das berichtet eine Fellbacherin: „Immer wieder nutzen manche Autofahrer sogar den Kölle-Parkplatz als vermeintliche Abkürzung. Die sind viel zu schnell dort unterwegs, und es ist viel zu gefährlich zwischen den Kunden durchzufahren“, sagt sie. Mangelnde Rücksicht sei leider immer wieder zu erleben. Eine andere Passantin hat beobachtet, dass etliche auswärtige Autos am Freitag Schleichwege über die Felder genommen hätten.

Fellbacher Händler: „Keine Kunden, unser Parkplatz ist wie leer gefegt“

Es ist alles auf einmal: Der Stadttunnel ist gesperrt, der Kappelbergtunnel zu – und dazu noch Stammstreckensperrung mit ausgedünntem S-Bahn- und Zugverkehr. Wenn eine Stadt nicht gut zu erreichen ist, dann ist das negativ für die Betriebe. Das unterstreicht Sonja Zielke von der Werbegemeinschaft Nördliche Bahnhofstraße. „Fellbach ist dadurch abgeschnitten“, sagt sie. Das habe Folgen auf die Besucherfrequenz insgesamt und natürlich für die einzelnen Händler.

Gerade laufe die Stadtmarketing-Aktion unter dem Motto „Lokal einkaufen wird belohnt“, das sei eine wichtige Aktion. Bis zum 19. September werde lokales Einkaufen mit Gewinnchancen belohnt. „Doch wenn die Kunden wegen des Verkehrschaos gar nicht nach Fellbach kommen, ist das ein doppelter Verlust.“ Die Kundenfrequenz in der Bahnhofstraße lasse derzeit zu wünschen übrig. Der Dauerstau in der wichtigen Verkehrsachse sei eine enorme Belastung in einer Zeit, in der der stationäre Handel ohnehin zu kämpfen habe. Und nicht jeder könne schließlich mit dem Rad zum Einkaufen kommen.

„Keine Kunden, unser Parkplatz ist wie leer gefegt“, sagt auch Peter Schwarzkopf vom gleichnamigen Rosenbetrieb in der Stuttgarter Straße. Freitag und Samstag seien normalerweise die umsatzstärksten Tage im Rosenverkauf. Doch die Kunden blieben aus. Der Krach und das Theater sei das eine. „Aber vor allem der Umsatz fehlt, das belastet uns sehr“, sagt Peter Schwarzkopf. „Das betrifft den ganzen Ort“, sagt Thomas Klingler von der gleichnamigen Traditionsmetzgerei am Cannstatter Platz. „Der Laden ist leer.“ Sein Ärger über die Situation ist groß. Er habe sich bereits mit einem Schreiben an die Stadt gewandt.

Der Kappelbergtunnel ist am Samstag und Sonntag weiterhin gesperrt, erst am Montag, 11. August, soll die Sperrung voraussichtlich um 5 Uhr wieder aufgehoben werden. Allerdings schließt sich bereits in der kommenden Woche eine zweite Sperrungsphase an – von Freitag, 15. August (21 Uhr), bis Montag, 18. August (5 Uhr).

StZ Rems-Murr-Kreis
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