10 Jahre in Stuttgart
: Das Wizemann schreibt Geschichte – und macht daraus ein Magazin

Das Wizemann feiert Geburtstag und das bedeutet: Day Festival trifft auf Night-Party, und on top gibt’s ein Magazin, das die letzten zehn Jahre zusammenfasst. Wir wissen mehr.
Von
Tanja Simoncev
Stuttgart
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Im Wizemann wird gefeiert.

Im Wizemann/Tanja Simoncev

Wer an das Wizemann denkt, dem fällt mindestens ein Konzert ein, das er dort erlebt hat, schwitzend in der Masse vibend oder emotional aufgeladen am Rand lauschend.

Ob Apsilon oder Patrice, die Stuttgarter:innen waren, sind und bleiben dankbar für diesen Ort, der besondere Künster:innen in den Kessel eingeladen und ihnen eine Bühne gegeben hat – genauer an den Pragsattel, wo einst mit dem Club Prag und dem 0711 Club Geschichte geschrieben wurde.

Wizemann in Stuttgart: Die Geschichte weiter schreiben

Und es wird weiter geschrieben, festgehalten und zusammengefasst, um den letzten zehn Jahren, dem Betreiben eines solchen Hauses und dem Spannungsfeld Kultur, Gesellschaft, Standort, Politik und Zeitgeschehen auch gerecht zu werden.

Die Köpfe hinter dem Wizemann.

Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Aus diesem Grund wird es nun also ein Magazin zum Jubiläum des Wizemanns geben, das in haptischer Form am Festival-Tag oder auch auf der Night-Party ausliegt, gelesen und mitgenommen werden kann.

Seit November ist Martin Labacher Teil des Im Wizemann-Teams. Der 34-Jährige ist Stuttgarts Kreativbranche nun auch schon rund zehn Jahre treu, spricht aber von einem inneren Ringen mit sich, schließlich seien viele seiner Freund:innen und Bekannten nach Berlin.

Zum Wizemann-Jubiläum musste ein Magazin her

„Und dann sind wir auch ganz schnell beim Magazin und auch Jubiläum. Strukturell ist es gar nicht so leicht in Stuttgart Sachen zu machen, egal ob Festival, Blog, Partys oder Konzerte - hier ist es einfach schwieriger als in anderen Städten.“

Auf der anderen Seite passieren im Kessel kulturelle Dinge, die begeistern. Und man geht hier auch mit der Zeit. Daydrinking, Pre-Work-Partys, Tagesevents sind angesagt wie nie - der Hype isch real.

„Der Kultur-Konsum hat sich zum einen durch die Pandemie verändert, aber auch durch Generationen, die sich nicht gezwungenermaßen jedes Wochenende im Club abschießen wollen. On top zeigt es aber auch, dass es Leute über 30 gibt, die Bock auf Ausgehen haben, aber halt nicht ab 23 Uhr mit laut und verraucht und Drecksau.“

Wizemann in Stuttgart: Die Gen Z feiert anders

Die Nachfrage sei da und die Leute würden dafür auch Geld ausgeben, beobachtet Martin. „Mal schauen, wie lange. Und Festivals sind eben gerade nicht das Format, Hip-Hop-Festivals erst recht nicht, so ist das nunmal, so entwickelt sich Kultur weiter. Die Nachfrage bestimmt auch hier den Markt.“

Gen Z feiert nun mal anders, der Alkohol-Konsum geht zurück, die Zeiten sind andere. „Kultur lebt von Menschen und wenn sich die Generationen verändern, dann verändert sich eben auch die Kulturlandschaft. Wie langweilig wär‘s wenn nicht!?“

Gerade bei der Night-Party zum Jubiläum werden auch am DJ-Pult verschiedene Generationen aufeinander treffen, genauer Schowi und Passion auf die Attico-Jungs, auch ein junges, freshes DJ-Duo aus Frankfurt ist dabei. „Eben nicht nur Locals, sondern auch Künstler:innen aus anderen Städten, was auch immer unser Spirit war, es geht um Austausch und sich gegenseitig eine Plattform geben.“

Stuttgart - kulturelles Brachland?

Auch beim Magazin habe Gründervater Schowi eine zentrale Rolle gespielt, denn inhaltlich sei das Printprodukt von zwei Zitaten aus dem Massive Töne-Stück „Mutterstadt“ eingerahmt: Schon 1996 berichtete Schowi in diesem Song, jemand „(…) müsse endlich fliehen und nach Berlin ziehen, Stuttgart sei für ihn nur kulturelles Brachland (…)“ nur um diesen Vorwuf eine Zeile später mit „(…) kulturelles Brachland? Hast du noch alle Tassen im Schrank (…)“ zu entkräftigen.

„Die Tatsache, dass im selben Jahr das Kreativ- und Hip-Hop-Start-up 0711 gegründet wurde, aus dem wiederum das Festival Hip-Hop-Open aber auch Chimperator Live entstanden ist und, dass ebenjener Rapper von damals auch bis heute unter anderem als Gesellschafter des Im Wizemann in der Stuttgarter Kreativwirtschaft mitwirkt, erschien uns als passender Leitfaden für ein so komplexes Thema“, findet der engagierte Kreativkopf.

Zehn Jahre in zehn Kapiteln werden so perfekt eingerahmt und halten zum einen den Status Quo der letzten Jahre fest, zum anderen wird aber eben auch gezeigt, was es alles braucht, um ein solches Haus zehn Jahre lang am Laufen zu halten und das während einer Pandemie. „Wir wollen nicht jammern, sondern vielmehr transparent machen, was für Leute welche Arbeit leisten, was es für strukturelle Themen gibt, unter anderem die Baustellen rund ums Wizemann.“

Wizemann: Hard- treffen auf Fun-Facts

Natürlich habe man trotzdem auch Fun-Facts im Heft untergebracht wie „Was war der High-Score der Fans vor einem Konzert, die am längsten Schlange gestanden sind, wie viele Essen wurden gekocht, wie viele Stunden lief insgesamt Musik!?“

Was viele auch nicht wissen: Als Gesellschafter ist das Wizemann auch im Goldmarks mit drin, außerdem wird das Café im StadtPalais vom Wizemann-Team bespielt. Ihm verdanken wir auch Lieblingshappenings wie das Palais Aprés und Avant.

Übernahme der Theaterhaus-Gastronomie

Und bald schon wird die Gastronomie des Theaterhauses übernommen. „Uns geht es nicht darum, die ganze Stadt zu übernehmen, wir wollen uns lediglich breit aufstellen, um unser Unternehmen über Wasser zu halten und die Kulturarbeit, die man macht, quer zu finanzieren.“

Selten würde man so viel von seiner Arbeit preisgeben, mit einem spannenden Blick hinter die Kulissen und deshalb gibt es das Magazin, das nicht nur eine Rückschau ist, sondern eben auch Fakten transparent macht - ohne Gejammer, Forderungen und Anschuldigungen. „Und abschließend sagen wir: Diese zehn Dinge oder Gründe tragen dazu bei, dass Stuttgart eben kein kulturelles Brachland ist.“

Alles an einem Tag im Wizemann: Day-Festival meets Night-Party

Martin freut sich, dass sich die Jubiläumsfeier an einem Tag abspielt, mit einem Day-Festival, das in eine Night-Party übergeht. „Man kann mit einer Yoga-Session mit Yasmin in den Tag starten, dann etwas snacken, sich einen Nightliner von Innen anschauen und später zur Party rüberdancen, die um 1 Uhr endet und ermöglicht noch mit der Bahn nach Hause zu fahren.“

10 Jahre Im Wizemann, Quellstr. 7, Stuttgart-Bad Cannstatt, Day-Festival 13.9. ab 11 Uhr, Night-Party 13.9. ab 21 Uhr

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