13,90 Euro – lohnt sich das?
: Über diese Zwiebel redet das ganze Stuttgarter Weindorf

Sieht aus wie eine Blume, ist aber eine riesige Zwiebel: Bei Currles Culinarium auf dem Stuttgarter Weindorf bekommt man für 13,90 Euro einen Zwiebelzupfer. Wer kauft sowas?
Von
Berit Böbel/tim
Stuttgart

Frisch frittiert: Zwiebelzupfer in der Laube von Currle auf dem Stuttgarter Weindorf.

Marie Scholz

Die Zwiebel kennt man in der schwäbischen Küche eher vom Zwiebelrostbraten, auf dem Weindorf in Stuttgart gibt es eine ganz andere Zwiebelkreation: eine frittierte „Zwiebelblume“. Die fettige Angelegenheit kommt ursprünglich – wie sollte es anders sein – aus den USA. Eine große Zwiebel wird erst speziell gestanzt, paniert und dann goldbraun frittiert. Am Ende sieht die Zwiebel fast aus wie eine Blume. Daher kommt auch der Name: „Blooming Onion“.

Auf dem Stuttgarter Weindorf findet man die blühende Zwiebel bei Currle in der Kirchstraße. Seit 2018 wird der sogenannte Zwiebelzupfer hier verkauft – und im Lauf der Zeit zunehmend berühmt. Was am Geschmack liegt – aber vermutlich auch am stolzen Preis. Für 13,90 Euro geht die frittierte Knolle in diesem Jahr über den Tresen, was in der Warteschlange davor regelmäßig für Diskussionen sorgt. „Schon ein Wahnsinn, dass ich so viel Geld für eine Zwiebel ausgebe“, erzählt ein Gast. Aber ein Bekannter habe ihm das Ding empfohlen, und er ziehe das jetzt durch. Der Mann hinter ihm nickt mit dem Kopf. „Ich will die auch unbedingt probieren, soll ja sehr lecker sein.“

Annette Currle in der Laube.

Foto: Marie Scholz

Fairerweise muss man sagen: Für die 13,90 Euro gibt’s bei Currle nicht nur die nackte Esslinger Gemüsezwiebel, sondern auch einen Dip und Panade. Und gratis dazu jede Menge Gesprächsstoff: Denn wer mit der Zwiebel irgendwo Platz nimmt und das hölzerne Besteck zückt, muss garantiert allen Anwesenden drumherum erklären, was er da auf dem Teller hat. Wer fachsimpeln möchte: Bekannt geworden ist die Blooming Onion in Amerika durch die Restaurantkette Outback Steakhouse. Das australisch angehauchte Restaurant, das erstmals 1988 in Florida öffnete, hat sogar ein Trademark auf den Namen. Über acht Millionen dieser Zwiebeln verkauft die Kette jährlich.

Auch auf dem Weindorf ist die Zwiebel ein Renner. „Wir wollten ein Gericht erfinden, das die Leute gemeinsam essen können und wenn möglich vegetarisch ist. So sind wir auf diese Zwiebelzupfer gekommen“, erzählt Gastronomin und Laubenwirtin Annette Currle. „Der ist total beliebt, da wir die einzigen auf dem Weindorf sind, die das anbieten. Wir verkaufen pro Tag bestimmt so 50 Zwiebeln, die dann gemeinsam in lustiger Runde gezupft werden“, erlärt Currle.

Der Zwiebelzupfer bietet sich vor allem als gemeinsamer Snack oder Vorspeise an. „Alleine ist es ziemlich groß, da muss man die Zwiebel schon sehr lieben, daher bietet es sich am besten als Sharing-Produkt an“ erzählt die Wirtin. Teilen ist also wohl die bessere Idee – immerhin kommt die US-Version laut Outback Steakhouse auf satte 1900 Kalorien. Bei Currle hieße das: 0,7 Cent pro Kalorie.

Der Stand der Familie Currle blickt auf eine lange Tradition zurück. Annette Currles Eltern waren Gründungsmitglieder – seit 1976 findet man den Stand in der Kirchstraße direkt vor Tritschler und Wempe. Nächstes Jahr feiert das Weindorf, und mit ihm auch der mittlerweile 60 Meter lange Stand, das 50. Jubiläum.

Neben verschiedenen Speisen verkauft Currle vor allem selbst hergestellten Wein. „Wir sind einer der ganz wenigen Stände, die den eigenen Wein hier auf dem Weindorf verkaufen. Aus unserem Familienweingut hat sich jetzt das Weingut meiner Schwester Christel Currle entwickelt, die uns den kompletten Wein, Sekt und Secco produziert und liefert“, erklärt Annette Currle stolz.

Und wie schmeckt der Zwiebelzupfer?

„Es schmeckt mir sehr gut“, sagt Weindorf-Besucherin Ulrike. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie in diesem Jahr bereits zum dritten Mal aus Kirchheim unter Teck zum Weindorf in Stuttgart gefahren. „So habe ich noch nie eine Zwiebel gegessen, es schmeckt sehr würzig“, erklärt sie.

„Man schmeckt vor allem die Soße richtig raus. Sie ist leicht scharf und gut. Aber die Zwiebel schmeckt man gar nicht raus“, sagt Timo. „Man schmeckt vor allem das Frittierte“, meint auch sein Kollege Guido. „Zur zweit würden wir es nicht essen, aber in einer größeren Gruppe so als Snack nebenher wäre es cool“, sagt Timo.

Am kommenden Samstag endet das Weindorf. Wer auch danach eine frittierte Zwiebel oder eben eine „Blooming Onion“ essen möchte, kann sich auch selbst an einen Versuch heranwagen. Im Internet findet man sowohl Rezepte für die Fritteuse als auch für den Airfryer.

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