25 Jahre Chormäleon in Stuttgart: Ein Chor singt die Weinsteige rauf und runter

Chormäleon, der Chor der dualen Hochschule, mit seinem Leiter Frank Holger Heimsch.
/FreitagBegonnen hat die Karriere von Frank Holger Heimsch bei Chormäleon, dem Chor der dualen Hochschule Stuttgart, mit dem Song „Hail Holy Queen“ aus dem Film „Sister act“. Der beginnt so tragend, wie man sich eben Klosterchöre vorstellt. Aber dann dreht die Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg auf, und mit ihr die Chordamen, so lange, bis das gesamte Gotteshaus swingt und die Leute draußen sich staunend fragen, was da nun los ist.
„Das wollte ich schon immer mal umsetzen“, erinnert sich Heimsch an seine Anfänge vor zwölf Jahren, „aber ich musste schon bald feststellen, dass das ziemlich schwierig wird“. Ein halbes Jahr Probenarbeit brauchte es, bis diese Nummer aufführungsreif war. Ins Stammrepertoire hat sie es zwar nicht geschafft, aber Heimsch hat dennoch gewonnen: Den Chor an sich, der mit Heimsch und Heimsch mit ihm durch viele Höhen und Tiefen ging. Und einen Sänger, der von der ersten Stunde an dabei ist und bis heute mitmacht. Heimsch: „Das ist ein Professor aus der Schule, der gewettet hat, dass ich den Sister-Act-Song nicht realisiert bekomme. Und wenn ich es doch schaffe, singt er dann selbst mit im Chor.“ Bis heute ist der Mann dabei im 66. Lebensjahr.
Singend die Weinsteige rauf und runter
Der Chor selbst feierte jetzt sein 25-Jahr-Jubiläum mit einem Auftritt in der Liederhalle, der rasch ausverkauft war. Und das bestätigt Heimsch in seiner Arbeit: Auch die früheren Dirigenten waren dabei wie die Präsidentin der dualen Hochschulen des Landes. Das war nicht nur der übliche Politikerbesuch, sondern das Signal, dass die Hochschule weiter voll hinter dem Chor steht. Der Chor besteht aus 70 Mitgliedern, in seinen Anfängen waren es 15 Mitglieder.
Artisten singen, Singende machen Kunststücke
Das liegt an öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die weit über das Übliche hinausgehen: Etwa der Flashmob 20 mal rauf und runter die Weinsteige mit der Stadtbahn vor einigen Jahren, wo die Choristen, wie die vielen anderen Fahrgäste auch, ein- und aussteigen, in der Stadtbahn plötzlich gemeinsam singen. Genauso außergewöhnlich war die Zusammenarbeit mit einem Zirkus für das Musical „The Greatest Showman“: An die 80 Künstler waren da im Rund im Sommer 2022 am Rand von Bad Cannstatt, Artisten, Sängerinnen und Sänger, dazu eine Live-Band. Die haben da zum einen gemacht, was jeder am Besten kann, aber sie haben auch munter ihre Rollen vertauscht: Artisten singen, Singende machen Kunststücke.
Attraktiver Kooperationspartner
Das macht Lust auf mehr. Doch für Chormenschen zählt auch noch dies: Der Austausch mit anderen Chören, die Zusammenarbeit mit anderen Ensembles. „Es gibt ja noch einige andere Hochschulchöre, die auf uns neugierig geworden sind“, sagt Heimsch. Und dann gibt es die großen Chorfeste, vor einigen Jahren etwa in Stuttgart, als nächstes in Nürnberg – eine ideale Kontaktbörse mit Möglichkeiten, andere konzentriert an einem Ort zu erleben.
Begegnung mit der Klassik
Eine neue, attraktive Möglichkeit der Zusammenarbeit beginnt jetzt mit dem Jubiläumskonzert: Die Begleitung durch das Orchester der Stuttgarter Musikfreunde. Das ist ein sehr ambitioniertes Laienorchester unter der professionellen Leitung von Klaus Kulling, der aus seinen familiären Wurzeln heraus sehr vertraut ist mit der hiesigen Musikszene: Sein Vater Arthur war viele Jahre Konzertmeister des Stuttgarter Staatsorchesters. 1972 gründete der das Alt-Wiener Strauss-Ensemble, das viele Jahre lang das Neujahrskonzert im Großen Haus gestaltete. „Das ist ein Ensemble, das aus der klassischen Musik kommt“, sagt Heimsch, „und das bei uns mit etwas anderer Musik vertraut gemacht wird. Und wir können uns jetzt richtig mit klassischer Musik beschäftigen.“ Ein Resultat daraus sind die populärsten Teile aus Beethovens fünfter Sinfonie mal gesungen, freilich ohne Text.