40 Jahre Stiftungsarbeit
: LBBW-Stiftung feiert in Stuttgart Spitzen-Jubiläum

So kann man’s auch machen: Die LBBW-Stiftung feierte ihr 40-jähriges Bestehen – nicht staatstragend und steif, sondern betont locker. Und dennoch mit Substanz. Der Abend trug die Handschrift des Arztes und Entertainers Eckart von Hirschhausen.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Prägende Figur beim Festakt zu 40 Jahren LBBW-Stiftung : Moderator Eckart von Hirschhausen

Lichtgut/Christoph Schmidt

Beim Blick in das Programmheft legt so mancher Gast die Stirn in Falten. Ein Festakt mit 14 Rednerinnen und Rednern! Kann das gut gehen oder vielmehr kann man das in wachem Zustand überstehen? Man kann! Nachdem im LBBW-Forum am Dienstagabend die Fanfarenklänge des Trompeterensembles der Musikschule verklungen sind und Tatjana Geßler (SWR) und Eckart von Hirschhausen im Wechsel ihre Moderation starten, ist klar: Hier ist mehr geboten, als ein zähes Lobpreisen, das die Zeit bis zur Übertragung des Champion-League-Spiels des VfB Stuttgart gegen Real Madrid überbrückt.

Die Redner haben erst gar keine Gelegenheit, lange Redemanuskripte auszurollen, sondern finden sich in kleinen Gesprächsrunden auf der Bühne wieder, in denen es bemerkenswert ungezwungen zugeht – etwa wenn Oberbürgermeister Frank Nopper darauf hinweist, dass 30 Prozent der von der LBBW-Stiftung geförderten Projekte in Stuttgart angesiedelt sind, und Hirschhausen ihn schelmisch unterbricht: „. . . weil die Not hier am größten ist, wie man am Bahnhof sieht?“ Worauf der OB zurückpiekst: „Ich dachte, sie wollen hier noch mal eingeladen werden.“

Verbales Ping-Pong auf der Bühne: Moderator Eckart von Hirschhausen mit OB Frank Nopper und Sparkassenpräsident Matthias Neth (von links).

Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Eingeladen zu dem maßgeblich von Stephan Schorn, Geschäftsführer der LBBW-Stiftung, arrangierten heiter-gedankenvollen Jubiläumsabend sind Vertreter von mehr als 140 Stiftungen und Organisationen, mit denen die LBBW-Stiftung das Anliegen teilt, gesellschaftlich relevante Projekte voranzubringen. Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender des Landesbank und zugleich Vorstandsvorsitzender der LBBW-Stiftung, bekennt sich zu diesem Engagement. Die Stiftung der Landesbank könne helfen, „die Zivilgesellschaft zusammenzubinden“, sagt er. Wissenschaftsministerin Petra Olschowski nutzt die Gelegenheit, herauszustellen, wie wichtig Stiftungsarbeit insgesamt ist. Nach Einschätzung von Matthias Neth, Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbandes, wird sie noch wichtiger werden, „weil die öffentlichen Hand nicht mehr so viel leisten kann“.

Volles Haus: Vertreter von 140 Stiftungen und Organisationen nahmen an dem Jubiläumsabend im LBBW-Forum teil.

Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Das gilt im Besonderen für die LBBW-Stiftung mit ihren 21 Millionen Euro Stiftungskapital. In den vergangenen 40 Jahren hat sie 28 Millionen Euro an 12 000 Projekte ausgeschüttet. Im vergangenen Jahr waren es 517 500 Euro, die sich auf 219 Projekte in den drei Stiftungsbereichen Kunst und Kultur, Aus-, Fort- und Weiterbildung und Natur und Umwelt verteilten. Für Olschowski ist sie eine „der zentralen Stiftungen im Land“. Mancher Gast hätte deshalb eine höhere Fördersumme vermutet, und auch Hirschhausen würde gerne etwas mehr herauskitzeln – „angesichts von 700 Millionen Euro LBBW-Gewinn in der ersten Jahreshälfte . . .“.

Eine Laudatio der anderen Art

Der Arzt und Entertainer will „keine Laudatio halten“, hält auf seine unterhaltsame Weise dann aber doch eine – nur anders. Vor 40 Jahren, als alles anfing und auf Initiative des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Landesgirokasse Walther Zügel, drei Stiftungen gegründet wurden, die dann 2016 zur LBBW-Stiftung verschmolzen, sei Heimcomputern keine große Zukunft attestiert worden, erzählt er. Umso fortschrittlicher der Stiftungsgedanke: Die heutige LBBW-Stiftung war innerhalb der Sparkassen-Familie Vorreiter und Vorbild. Landesweit zählt man derzeit rund 100 Stiftungen in 50 Sparkassen.

Königin Katharina von Württemberg, die Sparkassengründerin, ist zugeschaltet – eine von künstlicher Intelligenz geschaffene Figur.

Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Beim Rückblick darf auch Königin Katharina nicht fehlen, die 1818 die „Württembergische Spar-Casse“ als „Sparkasse zum Besten der ärmeren Volksklassen“ gründete. Die von künstlicher Intelligenz erzeugte Königin ist per Video zugeschaltet und grüßt die Festgesellschaft verblüffend lebensecht. Auch hier kann Hirschhausen sich eine Spitze nicht verkneifen: Als er später mit LBBW-Vorstandsmitglied und Stiftungs-Vize Stefanie Münz, über die Bemühungen spricht, Stiftung und Bank künftig noch stärker zu verzahnen und Stiftungsprojekte für Bankmitarbeiter anzubieten, bemerkt er in Anspielung auf die Zusammensetzung LBBW-Vorstand beiläufig: „Eine Frau – Katharina – stand damals an der Spitze. Man versucht diesen Frauenanteil ja auch konstant zu halten . . .“ Ist das zu frech? Bei den meisten Gästen kommt diese Art von Festakt gut an.

Locker, heiter, aber auch empathisch und leidenschaftlich

Hirschhausen zelebriert das lockere Ping-Pong. Er kann aber auch ernsthaft. Eindringlich. Und empathisch. Das ist zu spüren, als das Projekt des Hofgutes Himmelreich in Kirchzarten vorgestellt wird, wo junge Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen mit Unterstützung der LBBW-Stiftung auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Hier gestattet er sich „einen politischen Satz“: „Herr Höcke hat gesagt, Inklusion sei ein ideologisches Projekt. Die Menschen mit Behinderung würden unsere Kinder daran hindern, zu Leistungsträgern der Gesellschaft zu werden. Es ist unerhört, dass solche Sätze in Deutschland aussprechbar sind.“ Unter Beifall fügt Hirschhausen hinzu: „Es sind alles unsere Kinder!“

Moderatorin Tatjana Geßler (Mitte) mit Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und LBBW-Vorstandschef Rainer Neske.

Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Empathie begleitet auch den Auftritt von Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, die von der LBBW-Stiftung bei der Ausrichtung der dieses Jahr am 6. November beginnenden jüdischen Kulturwochen unterstützt wird. Oder das Gespräch mit Nele Dehnenkamp, einer Regisseurin; sie hat mit Hilfe der Stiftung einen preisgekrönten Dokumentarfilm über eine geflüchtete Frau drehen können. Einfühlsam auch der Austausch mit Susanne Rueß, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Diakonie-Klinikum. Rueß berichtet davon, dass psychische Erkrankungen bei jungen Leuten infolge der Pandemie um 30 Prozent zugenommen hätten. Rueß’ Anliegen ist mehr Prävention, um etwa Fälle von Anorexie (Magersucht) verhindern zu können. Auch hier ist die LBBW-Stiftung im Verbund etwa mit der Ott-Goebl-Jugend-Stiftung aktiv.

Leidenschaftlich wird Hirschhausen in Zusammenhang mit dem Engagement der Stiftung im Bereich Natur und Umwelt. Im Tandem mit Umweltstaatssekretär André Baumann, der sich „im Namen aller Sonnentauarten“ für das Engagement der Stiftung für den Moorschutz in Baden-Württemberg bedankt, appelliert Hirschhausen dafür, das „philanthropische Vermögen“ zum Erhalt der Lebensgrundlage für die künftigen Generationen zu mobilisieren: „Niemand kann sich seine eigene Außentemperatur kaufen“, sagt er. Alle müssten mithelfen, die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz zu lösen.

Honig im Wert von 300 000 Euro

Ein dezenter Hinweis auf die Demonstration von Klimaaktivisten vor der Landesbank bleibt nicht aus. Sie wenden sich anlässlich des Jubiläums gegen die Beteiligung der LBBW und der EnBW an Fracking-Projekten. Hirschhausen sagt: „Im Interesse der heute geborenen Kinder ist es wichtig, klimaneutral zu werden. Man sollte nicht ewig weiter in fossile Infrastruktur investieren.“ Am Ende überreicht er LBBW-Chef Neske ein Honigglas „im Wert von 300 000 Euro“, errechnet aus der Arbeitsleistung von 2500 Bienen, die nach Mindestlohn bezahlt werden“. Ein Jubiläum mit Spitzen, ein Spitzen-Jubiläum eben.

Hirschhausen-Bonmots

Zitate
Als Arzt wolle er „alle möglichst gut behandeln“, versprach Moderator Eckart von Hirschhausen beim Festakt zum 40-Jahr-Jubiläum der LBBW-Stiftung. Seine prägnanten Sprüche taten ihre Wirkung. Einige Beispiele: „Wir müssen der Natur die Chance geben, sich von uns Menschen zu erholen, damit wir Menschen uns wieder in der Natur erholen können.“ (Hirschhausen im Gespräch mit Ute Raddatz, Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutzzentrum Obere Donau und deren Rangern)

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