50 Jahre Binder Optik
: Wie sich eine Branche in 50 Jahren verändert hat

Binder Optik feiert in diesen Tagen das 50-Jahr-Jubiläum. Das Familienunternehmen hat schon Erich Honecker eine Brille verpasst.
Von
Torsten Ströbele
Stuttgart
  • Gabriele und Helmut Baur blicken auf 50 Jahre Binder Optik.

    Binder Optik
  • Drei Generationen: Fritz, Dominic und Helmut Baur (von links)

    Binder Optik
  • 1987 erblickte der Bindi Bär das Licht der Welt.

    Binder Optik
  • „Bin bei Binder“ wurde der Werbeslogan des Familienunternehmens.

    Binder Optik
  • So sah es im ersten Fachgeschäft in Böblingen aus.

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  • Schon damals gab es technische Hilfsmittel.

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  • Computergesteuerter Sehtest

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  • Gabriele und Helmut Baur mit Brillenmode aus den 1980er Jahren

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  • Eine Auswahl aus der großen Brillensammlung

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  • Man geht mit der Mode.

    Binder Optik
  • 1984 eröffnete Binder Optik im Breuninger. Dazu ließ man ein „Ufo“ auf dem Marktplatz landen.

    Binder Optik
  • Die Resonanz auf das unbekannte Flugobjekt war groß.

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  • Zur Eröffnung des Flagship-Stores am Marktplatz kamen 2006 auch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster mit Ehefrau Stefanie.

    Achim Zweygarth
  • Udo Walz 2011 mit Familie Baur

    Achim Zweygarth
  • 2018: Helmut Baur bekommt durch Nicole Hoffmeister-Kraut das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

    Lichtgut/Leif Piechowski
  • Helmut Baur blickt auf 50 Jahre Binder Optik zurück.

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  • Dominic Baur mit Michael Gaedt

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  • Eine kleine Auswahl aus der Brillensammlung von Gabriele Baur. In den vergangenen Jahren hat sie rund 300 ausgefallene Exemplare auf der ganzen Welt erstanden.

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  • Die limitierte Jubiläumskollektion

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„Ich schau Dir in die Augen, Kleines“: Das Film-Zitat aus „Casablanca“ bekommt Konkurrenz. Und zwar von Binder Optik. Das Familienunternehmen feiert 50-Jahr-Jubiläum und das unter dem Motto: „Nur Augen für Dich. Seit 1975.“ Mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman hat man bei Binder Optik zwar nichts zu tun gehabt. Aber dem ehemaligen DDR-Staatschef Erich Honecker hat man schon passend zur Unternehmensfarbe eine gelbe Brille verpasst – posthum im Jahr 2009, in einem Kino-Spot, als die Brillenabos eingeführt wurden.

Dass man bei Binder Optik Humor besitzt, konnte auch beim Presse-Event zum runden Geburtstag festgestellt werden. Entertainer und Schauspieler Michael Gaedt war zu Gast – mit Gitarre und Steppschuhen. Warum? Mit seiner „großen Gosch“, den schwäbischen Wurzeln und der gelben Brille passe er sehr gut zu dem bodenständigen Unternehmen, sagte er.

Binder Optik: Eine Akademie, um Mitarbeitende zu schulen

Die Geschichte von Binder Optik begann Anfang des 19. Jahrhunderts, mit Jakob Binder und einem kleinen Juweliergeschäft in der Böblinger Poststraße. Schon damals war im Sortiment neben Uhren und Schmuck auch die Augenoptik zu finden. Als der gebürtige Bayer Fritz Baur dann in die Familie einheiratete, übernahm er mit seiner Frau Maria das Geschäft. Aus der Ehe entsprang Sohn Helmut, der das Handwerk des Uhrmachers und des Augenoptikers erlernte. Nachdem er seine spätere Frau Gabriele kennenlernte, fasste er einen Plan: „Ich hatte mir überlegt, mich selbstständig zu machen.“

Der Bereich Augenoptik wurde ausgelagert, der etablierte Name Binder blieb und los ging es in einem Ärztehaus in Böblingen – gemeinsam mit seiner Frau und einem Augenoptikermeister. „Wir waren vom Ansturm der Kunden regelrecht überwältigt und mussten schnell weitere Mitarbeiter finden“, erzählt Helmut Baur. Damals sei es noch einfacher gewesen, gute Mitarbeiter zu finden. „Heute ist das ein großes Problem.“ Deshalb hat das Familienunternehmen 1995 eine Akademie gegründet. Zusätzlich zum Lehrplan wird den Auszubildenden weiteres Rüstzeug an die Hand gegeben, wenn es beispielsweise um die Themen Technologie, Farb- und Typberatung geht. Dort ist auch die Weiterbildung zum Augenoptiker- und Hörakustiker-Meister möglich.

Mittlerweile ist Binder Optik an 50 Standorten in Baden-Württemberg und Bayern zu finden. Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Unternehmen tätig. Die Konkurrenz unter den Augenoptikern war und ist groß: „Man musste sich damals schon richtig durchsetzen“, blickt Helmut Baur zurück. „Aber mit meiner Frau zusammen haben wir das durchgestanden.“ Gabriele Baur ist sich sicher: „Wenn wir heute noch einmal starten würden, würde ich nichts anders machen.“

Binder Optik: Der Kampf um die Meeresschildkröten

Das Familienunternehmen sieht sich aber nicht nur als Firma. „Wir sind mehr als ein Optiker, wir sind Teil der Gemeinschaft und tragen soziale Verantwortung“, sagt Helmut Baur. Und das hat er auch schon mehrfach unter Beweis gestellt. Helmut Baur gründete 1985 die „Stiftung Deutsche Sehhilfe e.V.“. Binder Optik unterstützt seit 2019 auch den Verein „Brillen weltweit“, der dafür sorgt, dass auch Bedürftige eine Brille erhalten. Im Jubiläumsjahr werden zudem 50 000 Euro für den lokalen guten Zweck gespendet.

Für viel Aufsehen sorgte Helmut Baur in den 1980er Jahren, als Brillen noch aus dem Panzer von Meeresschildkröten hergestellt wurden. „Eines Tages kam ein Paar auf mich zu, das im Tauchurlaub auf Bali war. Sie haben dort gesehen, wie brutal die Meeresschildkröten abgeschlachtet wurden. Wir haben dann den Verkauf der Brillen aus diesem Material sofort eingestellt und wurden zu engagierten Kämpfern für die Meeresschildkröten.“ Das ging sogar soweit, dass Helmut Baur zum Boykott der Hersteller und Verkäufer aufgerufen hat. Er wurde verklagt und musste vor das Landgericht Trier. Dort wurde er allerdings freigesprochen und schließlich im Jahr 1986 Mitgründer der Aktionsgemeinschaft Artenschutz. In Anerkennung für sein Engagement für die Erhaltung bedrohter Tierarten wurde Helmut Baur 1992 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Binder Optik: Mehrfach ausgezeichnet

Das war aber in den vergangenen 50 Jahren nicht die einzige Ehrung für die Familie Baur. Zum siebten Mal in Folge wurde Binder Optik erst jüngst von „Focus Money“ und „Deutschland Test“ mit dem Gütesiegel „Deutschlands Beste Optiker“ ausgezeichnet. Und pünktlich zum Jubiläum folgte in diesem Jahr die Ehrung „Unternehmen des Jahres“, die im Rahmen einer Studie von „Deutschland Test“ und dem Analysehaus Service Value vorgenommen wurde. „Das große Ziel von uns ist immer und wird es auch in Zukunft bleiben, der beste Augenoptiker-Filialist Deutschlands zu sein“, betont Dominic Baur, der 2015 den Geschäftsführerposten von seinem Vater Helmut übernommen hat. „Die Technologie wird es uns ermöglichen, noch besser auf die Kundinnen und Kunden eingehen zu können, aber sie wird nie den Mensch, die Kompetenz und die Leidenschaft eines Augenoptikers ersetzen können.“

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