American Football in Degerloch
: Die Sisters überwinden die Krise

Die Scorpions Sisters schauen optimistisch in die Zukunft. Die Damenmannschaft des Degerlocher Bundesligisten in American Football musste sich in der vergangenen Saison vom Spielbetrieb abmelden. Nun sind sie zurück.
Von
Susanne Degel
Stuttgart
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Chefcoach Matthias Plötzner hat wieder gut lachen: Im Training tummeln sich im Schnitt an die 30 Spielerinnen.

Yavuz Dural

Degerloch - Matthias Plötzners Augen leuchten. Und immer wieder huscht ein Lächeln über das Gesicht des 44-Jährigen. Die personelle Krise, die die Scorpions Sisters, die Damenmannschaft des Degerlocher Bundesligisten, in der vergangenen Saison gezwungen hat, sich vom Spielbetrieb in der zweiten Bundesliga abzumelden, scheint überwunden.

Die Altersspanne reicht von 16 bis 53

Fast 30 Spielerinnen, darunter vier neue, tummeln sich an diesem Abend beim Probetraining in der Turnhalle der Schickhardt-Schule. Die jüngste, Leonie Kugler, ist 16, die älteste, Helga Rief, 53. „Das sieht richtig gut aus“, freut sich Plötzner, Chef eines achtköpfigen Trainer- und Betreuerteams, über den Andrang. Die Scorpions Sisters sind definitiv zurück auf dem Spielfeld, wo sie 2013 Vizemeister der zweiten Bundesliga und 2012 sogar ungeschlagener Meister geworden waren.

16 Spielerinnen sind an einem Spieltag nötig. Eine Zahl, die – bei derzeit fast doppelt so vielen Trainingswilligen – keinem der Degerlocher Verantwortlichen mehr aufs Gemüt schlägt. Zumal alle Positionen mehrfach besetzt sind, was zuletzt nicht der Fall war. Auch Nici Baders Herz schlägt inzwischen wieder ordentlich im Takt. „Als klar war, dass wir nicht spielen können, hat es mein Herz zerrissen“, sagt die 35-Jährige, die seit elf Jahren dabei ist und sich derzeit noch von einem Kreuzbandanriss erholt.

Für die einstige Flag-Nationalspielerin ist American Football mehr als nur ein sportlicher Zeitvertreib. „Die Mannschaft, der Verein, das ist meine Familie“, sagt die Arzthelferin, die nach ihrem ersten Training 2003 sofort vom Virus infiziert war. „Entweder du gehst zum Football und liebst es – oder nicht. Dazwischen gibt es nichts.“

Ein Satz, der auch von Alex Schulte, 46, oder Sonja Gaiser, 37, stammen könnte. Beide gehören inzwischen zum Trainerstab, nachdem die eine nach 14 Jahren aus gesundheitlichen und die andere aus beruflichen Gründen mit dem Spielen aufhören mussten. „American Football ist die extremste Teamsportart, die man sich vorstellen kann, man wird permanent körperlich und geistig gefordert“, sagt Gaiser, die als Wirtschaftspsychologin in der Automobilbranche tätig ist. Dass die beiden ihr Wissen nun weitergeben können, sei eine tolle Sache. „Und wir bleiben den Sisters erhalten. Das ist großartig“, sagt Alex Schulte.

Entscheiden zwischen zwei Sportarten

Dass American Football anstrengend ist, diese Erfahrung haben auch Melina Locher aus Kemnat und Besa Leci aus Esslingen beim Probetraining gemacht. Trotzdem kannten die Neulinge nach den 90 Minuten nur ein Urteil: super. „Ich wollte mal wissen, wie sich American Football anfühlt“, sagt die 21-jährige Besa Leci, die beim Landesligisten in Jebenhausen kickt.

Es hat sich gut angefühlt. So gut, dass die Sozialversicherungsangestellte in Ausbildung gerne dabei bleiben möchte. „Ich werde mich wohl im Sommer für eine der beiden Sportarten entscheiden müssen“, sagt sie. Bis dahin hat sie noch einige Trainingseinheiten vor sich – praktisch wie theoretisch. „Die Spielzüge müssen gelernt und verinnerlicht werden. Jede einzelne muss kapieren, wer wann wieso und warum irgendwo hinrennt“, sagt Matthias Plötzner.

Ernst wird es für die Sisters wieder am 9. Mai mit dem Heimspiel auf der Waldau gegen Trier. Als Ziel in der Südstaffel haben die Trainer den ersten oder zwei Platz ausgegeben, der zur Teilnahme an den Play Offs berechtigt. Da personell wieder alles im Lot scheint, wolle man gleich an die Erfolge vor der Zwangspause anknüpfen.

Training

Die Scorpions Sisters trainieren mittwochs und freitags und freuen sich immer über Neueinsteiger. Infos und Anmeldung unter sisters@stuttgart-scorpions.de

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