Amokalarm in Ostfildern
: Eingreifen nach Plan, nicht nach Schema F

Der Notruf, der den SEK-Einsatz in Ostfildern auslöste wurde binnen Sekunden an die zuständigen Polizeireviere Filderstadt und Ostfildern weitergegeben. Wie die Beamten vor Ort gehandelt haben, darüber schweigt die Polizei allerdings – aus guten Gründen.
Von
Kathrin Wesely
Stuttgart
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180 Polizisten waren am Dienstag im Scharnhauser Park im Einsatz

Michael Steinert

Stuttgart - Um 11.37 Uhr ist der Notruf im Lagezentrum Reutlingen eingegangen. Auf Knopfdruck hatten die diensthabenden Polizeibeamten den Einsatzort auf ihren Bildschirmen und alarmierten Sekunden später die zuständigen Polizeireviere Filderstadt und Ostfildern. Unterstützungskräfte anderer Polizeireviere und eine Spezialeinheit des Landes wurden zum Scharnhauser Park entsandt. „Das Gebäude wurde umstellt, dann durchsucht“, erläutert Andrea Kopp, Pressesprecherin der Polizei in Reutlingen. Zunächst hätten die Sicherheitskräfte die Korridore gesichert, anschließend die Klassenräume durchkämmt, die nicht verschlossen waren. Näher ins Detail gehen möchte die Sprecherin nicht: „So genau möchte ich es gar nicht aufdröseln. Es ist nicht gut, wenn der Täter von morgen haargenau weiß, wie wir vorgehen.“ Für Bedrohungen wie diese gebe es einen detaillierten Ablaufplan, aber kein Schema F. „Es kommt sehr auf die örtlichen Gegebenheiten an. Es ist ein großer Unterschied, ob wir es mit einem Gebäude mit drei Schulklassen zu tun haben oder einem weitläufigen Schulkomplex.“

Beim Vorfall im Scharnhauser Park habe es sich zwar nicht um eine Amokdrohung gehandelt, allerdings hätte sich die Vorgehensweise der Polizei auch dann nicht wesentlich anders dargestellt. „Ob konkrete Bedrohung oder verdächtige Wahrnehmung – Gefährdungen an Schulen nehmen wir immer sehr ernst.“ Bei „technischen Amokalarmen“, wenn das Sicherheitssystem versehentlich Alarm schlage, verfahre die Polizei in selber Weise. „Das hatten wir in den vergangenen Jahren mehrmals.“

Nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen im März 2009 wurden die Schulen des Landes alarmtechnisch aufgerüstet. Seither sind dort so genannte Pager im Einsatz. Die Piepser funktionieren unabhängig vom Mobilfunknetz. Der Zusammenbruch der Netze war eines der großen Probleme in Winnenden gewesen. Der Pager verbindet die Schule mit dem Lagezentrum des Innenministeriums, das warnt, wenn in der Nähe der Schule ein Amoklauf stattfindet. Mit den handlichen kleinen Geräten lassen sich ferner kurze, im Notfall essenzielle Textbotschaften übermitteln, etwa dass ein Amokläufer in eine bestimmte Richtung geflüchtet ist. Die Piepser wurden im Jahr 2012 flächendeckend im Land Baden-Württemberg eingeführt. Nach Auskunft des Kultusministeriums hat das Land für die insgesamt 4800 Geräte eine halbe Million Euro bezahlt. Außerdem erhielten die Schulträger 15 Millionen Euro aus dem kommunalen Investitionsfonds. Davon konnten etwa Türklinken gegen Knäufe ausgetauscht und Farbleitsysteme angebracht werden. Zudem musste jede Schule in Absprache mit Polizei und Feuerwehr einen Krisenplan aufstellen.

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