Angst vor Hitzewelle
: 45 Grad in Stuttgart? Für Kachelmann ist das „abseitiger Schwachsinn“

Mehrere Apps haben für Ende Juli historische Rekordtemperaturen für die Region Stuttgart vorausgesagt. Wie kommen solche extremen Modellläufe zustande?
Von
Eberhard Wein
Stuttgart
Hitze-Rekord in Stuttgart: DWD warnt vor Hitze, Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine amtliche Warnung vor extremer H: Hitze-Rekord in Stuttgart: DWD warnt vor Hitze, Der Deutsche Wetterdienst DWD hat eine amtliche Warnung vor extremer Hitze für Stuttgart herausgegeben. Im dicht bebauten Stadtgebiet droht aufgrund verringerter nächtlicher Abkühlung eine extreme Wärmebelastung mit historischen Höchstwerten von örtlich bis zu 40 Grad. Stuttgart Baden Württemberg Deutschland *** Record Heat in Stuttgart: DWD Issues Heat Warning, The German Weather Service DWD has issued an official warning of extreme heat for Stuttgart. In the densely built-up urban area, reduced nighttime cooling poses a risk of extreme heat stress, with local temperatures reaching historic highs of up to 40 degrees. Stuttgart, Baden-Württemberg, Germany

Schon am 26. Juni verzeichnete Stuttgart einen Hitze-Rekord. Kommt es einen Monat später noch schlimmer?

IMAGO/Andreas Friedrichs
  • Wetter-Apps zeigten in der 14-Tage-Prognose bis zu 47 Grad für Stuttgart und Baden-Württemberg.
  • DWD und Marco Puckert widersprechen: Solche Werte seien aktuell in Deutschland „schwer vorstellbar“.
  • Grundlage war ein einzelner extremer Lauf des US-Modells GFS – andere Läufe zeigten deutlich weniger.
  • Jörg Kachelmann nannte die Einzelzahl-Prognosen „abseitigen Schwachsinn“ und „unwissenschaftlichen Blödsinn“.
  • Wetter.com rudert zurück: Das Szenario trete nicht ein, extrem hohe Werte tauchen jedoch häufiger in Modellen auf.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Diese Prognose dürfte die wenigsten kalt gelassen haben: 45, ja sogar 47 Grad hat manche Wetter-App in ihrer 14-Tage-Vorhersage für Stuttgart und Baden-Württemberg zuletzt angezeigt. Es wären Temperaturen, die in Deutschland noch nie gemessen wurden. Zielpunkt der Prognose: der 26. Juli. In den sozialen Netzwerken posteten viele User die Angaben und kommentierten: „45 Grad – wir sind geschockt.“ Mancher stöhnte auch nur: „Also, wenn das so eintrifft...“

So viel vorab: So wird es nicht eintreffen. Da legen sich die Meteorologen mittlerweile fest.  Tatsächlich seien solche Temperaturen für Deutschland momentan „schwer vorstellbar“, sagt Marco Puckert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. „Wir vom DWD haben auch niemals eine solche Vorhersage gemacht.“ Gegenwärtig liegt der Hitzerekord für Baden-Württemberg bei 41,4 Grad. Er wurde erst Ende Juni in Waghäusel (Rhein-Neckar-Kreis) gemessen. Für die kommenden Tage rechnet der DWD wegen der angekündigten Gewitter eher mit einer Abkühlung. Es bleibe allerdings schwül und dämpfig.

„Unwissenschaftlicher Blödsinn“

Unter anderem hatte die Seite „wetter.com“ für den 26. Juli Werte um die 45 Grad prognostiziert. Der Wettermoderator Jörg Kachelmann bezeichnete dies auf X als „abseitigen Schwachsinn“. Es sei ein Problem, „wenn manche Wetterdienste einen einzelnen Lauf eines Modells nehmen und diesen als realistische Vorhersage verkaufen.“ Sein eigenes Unternehmen veröffentliche deshalb bei der Vorhersage eine gewisse Bandbreite. „Nur eine Zahl für eine Vorhersage in zwei Wochen“ anzugeben, sei „immer unwissenschaftlicher Blödsinn“.

Ähnlich äußerte sich Puckert. Demnach basiere die Vorhersage der Extremtemperaturen offenbar auf einem einzelnen Lauf des US-Wettermodells GFS, das tatsächlich für Ende Juli lokal bis zu 45 oder 46 Grad vorhersagte. Es gebe allerdings 30 bis 40 unterschiedliche Läufe, meist mit ganz anderen Werten. Die Wetter-Apps hätten in ihrer automatisierten Langzeitprognose aber offenbar den Extremlauf übernommen.

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Wetter-App rudert zurück

Inzwischen meldete sich „wetter.com“ mit einem Video zu Wort. „Das Szenario wird nicht eintreffen“, versicherte darin der Meteorologe Alban Burster. Gleichwohl handele es sich nicht um einen Rechenfehler. Ausgerechnet der Hauptlauf habe den Vogel abgeschossen. Gegenwärtig herrschten in Frankreich und Spanien solche Temperaturen. Deshalb sei es keine Überraschung, dass die Modelle in manchen Berechnungen auch für Deutschland zu solchen Prognosen kämen.

Das tatsächlich Schockierende an der Rekordvorhersage sei, dass überhaupt immer häufiger einzelne Modelle zu solchen Zahlen kämen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass solche Temperaturen in Deutschland tatsächlich gemessen werden“, sagte Burster. Diese Vorhersage scheint deshalb sehr sicher: „In 20 bis 25 Jahren werden wir an den Sommer 2026 als einen mit eher gemäßigten Temperaturen zurückdenken.“