Architekturpreis „Häuser des Jahres“: Stuttgarter Architekten bauen eines der besten Häuser des Jahres

Häuser des Jahres 2026 larob.Architekten
sebastian schels- Wettbewerb „Häuser des Jahres 2026“ zeigt gelungene Einfamilienhäuser und Umbauten.
- Sieger ist ein Haus in Riehen von Stern Zürn Architekten, mit Betonskelett und Lehm aus dem Aushub.
- 50 weitere Projekte auf der Bestenliste – viele Umbauten wie Stallungen, Kirchen oder Klöster.
- Aus Baden-Württemberg: larob.studio und Florian Nagler in Zweiflingen-Friedrichsruhe mit Doppelhaushälfte.
- Karlsruhe: Schneider Hoffmann bauen energieautarkes Ferienhaus im Kraichgau auf 50 Quadratmetern.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Wunsch und Wirklichkeit liegen in der ambitionierten Architektur nicht selten weit auseinander, manchmal passt in die riesige Lücke sogar ein freistehendes Einfamilienhaus. Während viele sich als progressiv verstehende Architekten das Einfamilienhaus als Auslaufmodell bezeichnen, sehnen sich 65 Prozent der Deutschen danach, in einem Einfamilienhaus zu wohnen. Tendenz: steigend. Ein Widerspruch?
Ja und nein. Angesichts der Klimakrise müsste nun völlig anders über die schwindenden Ressourcen und die Schaffung von Wohnraum nachgedacht werden. Wahrscheinlich wäre es vernünftiger, man könnte den Wohnraum mit anderen teilen.
Hat das Einfamilienhaus überhaupt eine Zukunft?
Wieso nicht in einer Wohngemeinschaft leben, in einem Mehrfamilienhaus mit flexiblen Grundrissen, mit Gemeinschaftsküchen, mit Räumen, in denen Kinder und Ältere gemeinsam versorgt oder gepflegt werden? Wie wäre es, wenn wir unser Konzept von Privatheit hinterfragen und das Leben in der Gemeinschaft ins Zentrum unserer Überlegungen stellen? Schön wäre es.
Doch was gerade ambitionierte Architekten gern übersehen, das ist unsere tiefe Sehnsucht nach Rückzug, nach Privatheit. In einer idealen Gesellschaft mag das Leben in einer postmodernen Kommune sinnstiftend und ressourcenschonender sein, in der Realität wollen viele mehr denn je auf Distanz gehen zu ihren Mitmenschen, am liebsten im eigenen Refugium. Die eigenen vier Wände sind mehr als nur Baumaterial, das CO2 verursacht, sie bieten Geborgenheit.
Stuttgarter Architekten sind im Wettbewerb vertreten
Auch deswegen ist der Wettbewerb „Häuser des Jahres“, der seit 2011 vom Verlag Callwey im deutschsprachigen Raum ausgelobt wird, mehr als nur irgendein Ranking für ein Fachpublikum, das Steckdosen zählt und die schönsten Fassaden prämiert. Nein, der Wettbewerb ist vielmehr der bildstarke Ausdruck einer kollektiven Sehnsucht – bei vollem Bewusstsein der gesellschaftspolitischen und klimatischen Problemlagen.

Häuser des Jahres 2026. Auszeichnung für das Ferienhaus im Kraichgau in Baden-Württemberg von Schneider Hoffmann Architekten. Es steht auf 50 Quadratmetern Grundfläche.
Callwey/Kim Fohrmann50 Wohnhäuser - darunter einige in Baden-Württemberg
So kann man an der diesjährigen Wahl des Siegerbeitrags studieren, wie der Kompromiss aussehen kann. Stern Zürn Architekten aus Basel entwarfen in Riehen ein Haus, das aus einem Betonskelett besteht – und massiven Lehmwänden. Der Lehm wiederum stammt aus dem Aushub des Grundstücks. Abgesehen von diesem ressourcenschonenden Materialeinsatz überzeugt der Bau auch formal: eine leichte, lichte und luftige Wohnarchitektur mit großen Fensterflächen und freien wie spannenden Grundrissen ist entstanden, mit dem größtmöglichen Verzicht auf technischen Schnickschnack.
Neben dem Haus von Stern Zürn Architekten wurden 50 weitere Häuser von der Jury auf die Bestenliste gesetzt, darunter viele Umbauten, Kernsanierungen und Umwidmungen von bestehenden Gebäuden wie Stallungen, Kirchen oder Klöstern.
Baden-Württemberg und Stuttgart sind traditionell gut vertreten beim Wettbewerb „Häuser des Jahres“, so auch in diesem Jahr. In Zweiflingen-Friedrichsruhe haben larob.studio für Architektur aus Stuttgart und Florian Nagler Architekten eine ungewöhnliche Doppelhaushälfte in die schöne Landschaft gestellt. Sie bezieht sich architektonisch auf einen benachbarten Gutshof und fügt sich dabei in die Umgebung harmonisch. Das Gebäude ist von einer raffinierten Einfachheit, auch hier wurde Stampflehm verwendet und viel Holz.
Grundstücksfläche wie für ein Tiny House
Schneider Hoffmann Architekten aus Karlsruhe haben für eine Familie ein Ferienhaus im Kraichgau realisiert – und das auf einer Grundfläche von 50 Quadratmetern! Energieautark sollte das Gebäude sein, ohne Anschluss an Strom und Wasser, aber mit großzügiger Wohnküche und einem Wohnbereich mit Kamin und toller Aussicht, zwei Bädern und drei Schlafzimmer.
Die Bedingungen könnten sogar eine Künstliche Intelligenz an den Rand des Wahnsinns bringen. Doch Schneider Hoffmann Architekten haben ein reizvolles Zitat des Wohnungsbaus von Hermann Billings entworfen, einem bedeutenden Architekten und Vertreter des Jugendstils im Südwesten Deutschlands.
Umbau eines Einfamilienhauses am Rande von Leipzig
Hinter KO/OK Architekten verbirgt sich das kongeniale Duo Jan Keinath aus Tübingen und Fabian Onneken aus Leipzig, wobei das Büro sich auf Umbauten spezialisiert hat. Die gelungene Transformation eines Einfamilienhauses aus den 1930er Jahren am Rande von Leipzig könnte eine Blaupause für weitere Projekte dieser Art sein.
Denn in Deutschland stehen Millionen von Siedlungshäusern vor allem aus den 50er und 60er Jahren, die dringend möglichst einfach und nachhaltig saniert werden müssten. KO/OK Architekten haben dem kleinen, vormals düsteren Haus einen ungewöhnlichen Anbau gegönnt.
Eindrucksvolle Architektur im Schwarzwald
Hardy Happle hat sich ebenfalls mit einem alten Bau beschäftigt, doch die Bauaufgabe war eine ganz andere. In Schönwald im Schwarzwald hatte der Spezialist für die Schwarzwälder Baukultur ein landwirtschaftliches Nebengebäude in einen spektakulären Wohnraum umgewidmet, mit einem originellen Dach mit sehr großen Überständen. Ein weiteres schwarzwälder Umbauprojekt wurde in Berau Wirklichkeit, wo Klaus, Andy und Kathrin Keller Architekten (Waldshut-Tiengen) eine ehemalige Scheune aus der Jahrhundertwende gerettet und in zwei Wohneinheiten verwandelt.
Daniel Henecka von Henecka Architekten wiederum hat keinen Bestandsbau als Ausgangsbedingung gehabt, sondern eine Landschaft, konkret einen Weinberg. Und genau in solch einen Weinberg, in der hügeligen Landschaft des Kraichgaus hat Henecka einen völlig unprätentiösen Baukörper eingeschrieben, mit Lichthof und einzigartigen Ausblicken bis in die nördlichen Vogesen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die baden-württembergischen Vertreter und Projekte im Vergleich mit den Bauten aus Österreich und der Schweiz gut dastehen, qualitativ wie quantitativ. Mal sorgt Technik für Energieeffizienz, mal das Material und die Konstruktion. So betrachtet ist das Einfamilienhaus längst kein Auslaufmodell, zumindest nicht in der Provinz. Auf dem Land, fernab der Metropolen sind sie noch zu finden, die guten, innovativen Häuser. In den Metropolen scheint aber – so suggeriert es zumindest die diesjährige Bestenliste – der Traum vom Einfamilienhaus tatsächlich ausgeträumt.
Buch
Es ist ein Buch zur Auszeichnung erschienen: Till Raether, Eva Maria Herrmann: Häuser des Jahres 2026. Die 50 besten Einfamilienhäuser. Callwey Verlag, 336 Seiten, 59,95 Euro.

Architekturpreis Häuser des Jahres 2026, Callwey Verlag: Vier Anerkennungen hat die Jury vergeben. Ein Anerkennungspreis ging nach Schleedorf bei Salzburg in Österreich an Tom Lechner vom Büro LP architektur. Aus einstigen Silotürmen wurde ein Wohnhaus.
Albrecht Imanuel Schnabel














