Ausstellung: Architektur am Bodensee
: Nie gebaute Architektur vom Bodensee in Stuttgart zu sehen

Eine Ausstellung über nie realisierte Bauwerke am Bodensee kommt nun von Kreuzlingen nach Stuttgart. Die „geplatzten Stadt(t)räume“ reichen von einer Brücke über den See bis zu einem schwimmenden Konzerthaus vor Konstanz.
Von
Andrea Jenewein
Stuttgart
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  • Eine Brücke über den Bodensee: Damals war diese Idee aus der Notwendigkeit heraus geboren, auf den wachsenden Verkehr zu reagieren. Vorangetrieben hatte die Idee der Autobrücke damals der FDP-Stadtrat und Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Konstanz, Josef Hund. Ihm diente die Fehmarnsund-Brücke an der Ostsee als Vorbild.

    Demag
  • Der Architekt Noel Rabuffetti plante 2018 in seiner prämierten Masterarbeit 2018 besagtes schwimmende Konzerthaus vor Konstanz: das „Arquistica“. Damit reagierte er auf den Platzmangel an Land.

    Privatarchiv Noel Rabuffetti
  • Das Konzerthaus sollte an vier Bojen befestigt werden und über Wassertaxis erreichbar sein. Sein Entwurf zeigt einen sechseckigen Konzertsaal, der wie ein Schiffsbau bis zu 20 Meter unter einer 150 Meter langen Plattform hängt. Im Inneren gruppieren sich die Zuschauerränge mit 1200 Plätzen nach dem Weinbergprinzip um die zentrale Bühne. Es sollte auch Restaurants und Kunstausstellungen geben.

    Privatarchiv Noel Rabuffetti
  • Studenten der Hochschule Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) zeigen noch bis zum 9. März architektonische Utopien in einer Ausstellung mit dem Namen „Geplatzte Stadt(t)räume“ im Museum Rosenegg in Kreuzlingen. Einige Studenten haben zudem die Modelle digitalisiert und aus Wellpappe gebaut – wie hier die Brücke über den Bodensee.

    Museum Rosenegg
  • Als Alternative zur Brücke war ein durchhängender Tunnel unter dem Bodensee im Gespräch.

    1964, Planstudie: Technische Hochschule Aachen. StA KN Y XLVII
  • Für die Beschleunigung des Verkehrs: Noch 1978 wurde für Brücke oder Tunnel geworben.

    StA KN Y XLVII
  • Direkt am See sollte auf dem in den 1950er Jahren aufgeschütteten Gebiet namens Klein Venedig ein Doppelhochhaus entstehen, das wie zwei Segel die Grenze rahmen sollte. Der Kreuzlinger Stadtrat zeigte sich interessiert.

    Bauverwaltung Kreuzlingen
  • Doch schon wegen der Lage auf der Grenze und der damit verbundenen baurechtlichen Situation zweier Staaten war das Projekt nicht realisierbar. Die Studenten der HTWG haben es für die Ausstellung zumindest als Modell nachgebaut.

    Museum Rosenegg
  • Das Projekt „Goldene Schale“ von 2005 sollte eine moderne Luxus-Pfahlbausiedlung werden. Es beruhte auf einer Idee des Vorarlberger Gastronomen Jürgen Mohr. Die Siedlung sollte sich – auf 21 Pfählen zwischen der Kreuzlinger Hafeneinfahrt und der Landesgrenze stehend – in den See erstrecken. Geplant waren dort Hotels, Restaurants, eine Kunst- und Veranstaltungshalle und Wohnungen mit eigenen Bootsliegeplätzen. Doch das Bodensee-Leitbild, das von allen angrenzenden Staaten getragen wird, untersagt bereits seit 1884 neue Bauten im Uferbereich.

    Modell, Architekt Gunter Wratzfeld, Bregenz, 2005, Bauverwaltung Kreuzlingen
  • Das Museum Rosenegg in Kreuzlingen befindet sich in einem Rokoko-Palais, errichtet um 1785.

    Museum Rosenegg
  • Im Foyer des Museums wird der Besucher mit einer Wandkarte über das betreffende Gebiet am Bodensee informiert.

    Museum Rosenegg
  • Wegweiser leiten den Besucher der Ausstellung in die entsprechende Stadtgebiete – und zu den dort einst ersonnenen Utopien.

    Museum Rosenegg
  • Im Vordergrund ist ein Modell der „So-da-Brücke“ zu sehen. Die Geschichte dahinter: Der Traum von einer Autobahn an den Bodensee war in Konstanz mit dem Wunsch nach einem zweiten Rheinübergang eng verbunden. Da bei einer Autobahn der Bund die Kosten übernommen hätte, wurde die Brücke 1975 gebaut – trotz klagender Anlieger. Diese Kläger erhielten nach der Fertigstellung der Brücke Recht, sodass die Brücke ungenutzt einfach so dastand. Von 1980 an konnte ein Teil der Brücke für den Verkehr freigegeben werden, 2007, nach einem Umbau und Teilabriss, die ganze. Eine Autobahn besitzt Konstanz aber freilich nach wie vor nicht . . .

    Museum Rosenegg
  • . . . heiß ersehnt war sie schon früher – zumindest von Autobahnbefürwortern.

    Plakat, 1960er Jahre. StA KN Y XLVII
  • Die Ausstellung, geplant von Studenten der HTWG, bedient sich schlichter, schwarzer Gitter, an denen die Schautafeln sowie Hörstationen und Abstimmungsboxen befestigt sind. Damit schonen sie auch die Fresken an den Wänden des Rokoko-Palais.

    Museum Rosenegg
  • Ein Modell des Halbrunds am Bodensee: Geplant war es mit Hotel, Wellenbad und Luxuswohnungen für 1500 Menschen – es wurde auch als „Kolosseum von Konstanz“ bezeichnet. Im März 1971 stimmte der Konstanzer Gemeinderat für das Bauprojekt. Doch schon im Sommer 1971 machte der sogenannte Bodensee-Erlass des baden-württembergischen Innenministeriums solche am Ufer gelegene Großbauten unmöglich.

    Museum Rosenegg
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Viele Stuttgarter zieht es in diesen ersten Frühlingstagen an den Bodensee – doch nun kommt dieser zu uns. Zumindest durch die Ausstellung „Geplatzte Stadt(t)räume – Eine Reise durch Konstanz/Kreuzlingen“, die zuvor im Schweizerischen Kreuzlingen zu besichtigen war. Sie zeigt utopische Bauten am See.

Konstanz und Kreuzlingen: zusammengewachsen und doch getrennt, gegensätzlich, alt und jung. Was beide Städte verbindet, ist die Vorstellung, noch nicht die angemessene Form gefunden zu haben. Architekten haben immer wieder visionäre Pläne entworfen: Sie sollten Konstanz etwas zurückgeben von der Bedeutung, die es einst hatte, und Kreuzlingen, hervorgegangen aus der Fusion dreier Dörfer, überhaupt erst Urbanität verschaffen. Die Auswahl der Beispiele umfasst ein breites Spektrum: Es finden sich darunter Kulturbauten und Konzerthäuser, Kirchen, außergewöhnliche Wohn- und Gewerbebauten, Bahnhofsanlagen oder Häfen, Brücken, Tunnels und Autobahnen.

Wer die Ausstellung besucht, begibt sich nicht nur auf eine Reise durch Stadtteile und Quartiere. Es ist auch eine Reise durch die Zeit zu den Zukunftsentwürfen der Vergangenheit. Wäre das eine oder andere Projekt wünschenswert gewesen? Oder wäre der vermeintliche Traum in Wahrheit ein Albtraum geworden? Über jedes Beispiel wird abgestimmt. Wie würde Konstanz/Kreuzlingen heute aussehen, hätte man anders entschieden? Spannend – zumal man diese Überlegungen auch fürStuttgarttreffen kann.

Die Ausstellung wurde vom Museum Rosenegg in Kooperation mit dem Architekturforum Konstanz/Kreuzlingen konzipiert. Die Gestaltung erfolgte durch Studierende der Fachbereiche Architektur und Kommunikationsdesign der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) Konstanz.

Die Vernissage ist am 28. April um 19 Uhr im BDA Wechselraum, Zeppelin Carré, Friedrichstraße 5. Die Begrüßung erfolgt durch Liza Heilmeyer, Landesvorsitzende des BDA Baden-Württemberg, Grußworte kommen von Eberhard Schlag von der HTWG Konstanz und Stefan Neubig, Präsident des Architekturforums Konstanz/Kreuzlingen. Eine Einführung in die Ausstellung erfolgt durch David Bruder, dem Leiter des Museum Rosenegg in Kreuzlingen.

Die Ausstellung ist vom 29. April bis 23. Mai zu sehen. Öffnungszeiten sind immer Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr und nach Absprache. Am 1. und 2. Mai ist die Ausstellung geschlossen.

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